„Fallen die Fahrverbote, fallen alle Schranken“

Dachverband zur Brenner-Entscheidung der EU-Kommission

Donnerstag, 16. Mai 2024 | 15:23 Uhr

Von: Ivd

Bozen – Die EU-Kommission hat den Weg für eine Klage Italiens gegen die österreichischen Fahrverbote auf der Brennerautobahn vor dem Europäischen Gerichtshof freigemacht. „Sollte eine solche Klage Erfolg haben, sollten also die Fahrverbote für Schwerfahrzeuge fallen, dann fallen alle Schranken“, fürchtet Josef Oberhofer, Präsident des Dachverbands für Natur- und Umweltschutz.

Ein schrankenloser Zugang des Güterverkehrs zur Brennerautobahn würde nach Ansicht des Dachverbands für Natur- und Umweltschutz weitreichende Folgen nach sich ziehen. „Allein die Aufhebung des Nachtfahrverbots würde die Fahrten von Lkws auf der Brennerautobahn von heute zweieinhalb auf über drei Millionen pro Jahr steigern – mit allen Konsequenzen“, erklärt der Präsident der größten Umweltorganisation Südtirols, der nicht nur Lärm-, Schadstoff- und Feinstaubemissionen nennt, sondern vor allem die Belastung der Bevölkerung an der Brennerachse. „Die ist heute schon am Anschlag, ein Mehr an Lkws auf der Autobahn ist ihr ebenso wenig zuzumuten wie unserer Umwelt“, so Josef Oberhofer.

In dieselbe Kerbe schlägt auch Dachverbands-Geschäftsführer Hanspeter Staffler, der vor allem die lange Frist im Auge hat. „Seriöse, aber durchaus vorsichtige Schätzungen zeigen, dass der Güterverkehr auf der Brennerautobahn ohne Fahrverbote oder eine Deckelung der Jahresfahrten in den nächsten Jahren um 30 Prozent zulegen würde“, so Staffler. Die Folgen für eine Infrastruktur, die schon heute ihre Kapazitätsgrenzen erreicht habe, für deren Umgebung und die Gesundheit der Bevölkerung seien verheerend.

Die Forderung der norditalienischen Handelskammern und jener von Bozen und Trient nach einer Abschaffung der österreichischen Fahrverbote sei daher unverantwortlich. „Und noch weit unverantwortlicher ist der Vorstoß von Verkehrsminister Matteo Salvini, diese Forderung nun vor den EuGH zu bringen“, heißt es aus dem Dachverband.

„Die Entscheidung der EU-Kommission zugunsten der Klage zeigt, dass der Ansatz einer Aufhebung aller Verbote zu kurz greift, weil Alternativen gar nicht erst angedacht werden“, erklärt Präsident Oberhofer. Warum weichen etwa italienische Frächter nicht auf die Schweizer Bahnlinien aus, deren Kapazitäten noch ausreichen? Die Antwort sei einfach: Die Brennermaut sei wesentlich billiger als der Schweizer Bahntransport, ohne Fahrverbote würde aus betriebswirtschaftlichen Gründen also erst recht der Brenner angefahren, so der Präsident.

Ebenso offen bleibt die Frage, ob denn österreichische Spediteure wirklich so stark im Vorteil seien, wie dies von italienischer Seite behauptet werde. „Sollten diese Vorteile tatsächlich unverhältnismäßig sein, dann gilt es diese neu und fair zu regeln“, so Oberhofer. „Die Fahrverbote können aber trotzdem bleiben.“

Bezirk: Bozen

Kommentare

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16 Kommentare auf "Dachverband zur Brenner-Entscheidung der EU-Kommission"


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Privatmeinung
Privatmeinung
Universalgelehrter
11 Tage 22 h

Wie es jetzt läuft, kann es überhaupt nicht weitergehen… mit anhalten und starten usw. wird die Umwelt mehr belastet als, durch zügiges durchfahren. Die Preisanpassung ist eine andere Geschichte, was wiederum dem Endkonsumenten zu lasten fällt.

Tigre.di.montana
Tigre.di.montana
Universalgelehrter
11 Tage 19 h

Nein. “Zügiges Durchfahren” verbraucht mehr Sprit. Selbst wenn alle Autos, Wohnmobile und LKWs in einem Megastau stehen, ist der Schadstoffausstoß und die Lärmbelastung geringer als bei freier Fahrt. Für die Ohren und die Lungen der Anrainer ist ein Stau das Gesündeste.

Chrys
Chrys
Universalgelehrter
11 Tage 18 h

@ Tigre.di.montana

Dass stehender Verkehr, der für die Strecke um viele Stunden mehr braucht, weniger Umwelt und Lärm belastet ist für mich leider unverständlich. Ich habe immer gelernt, man solle so schnell wie möglich in den nächsthöheren Gang schalten und ein heutiger LKW fährt bei 80 knappe 1.000 Umdrehungen. Aber vielleicht habe ich heute wieder was neues gelernt.

Neumi
Neumi
Kinig
11 Tage 9 h

@Tigre Wäre man bei hoher Geschwindigkeit gleich lang unterwegs, wäre das wohl richtig. Aber man ist halt deutlich weniger lang unterwegs. Das Ständiges wiedrholtes Anfahren verbraucht mehr Energie als gemäßigtes Fahren (schnell Fahren verbraucht dann natürlich wieder exponentiell mehr.) Und dann läuft der Motor natürlich auch noch oft, wenn man steht.

Plusminus
Plusminus
Tratscher
11 Tage 23 h

Wer sich heute noch für mehr Verkehr einsetzt, sollte bestraft werden. Salvini soll mal ein Jahr neben der Autobahn wohnen, aber ohne Schalldämpfende Maßnahmen. Der Schwerverkehr in/durch Südtirol, plus noch die Touristen mit Camper usw, sorgen teilweise dafür, daß man kaum mehr weiter kommt. Als Einheimischer, sollte man auf das Auto verzichten, Wohnung werden lieber an Touristen vermietet und für die Arbeit bekommen wir mickrige Löhne. Was macht Südtiroler da noch lebenswert?

Staenkerer
11 Tage 20 h
mi tat wunder wieviele häuser gleim nebn der autobohn gebaut wurden NOCH dem bau der autobohn und wieviele schun vorn bau gstondn sein? denn OLLE de DANOCH dort gebaut hobn, HOBN GEWISS das es laut werd und sie sich schlechter luft aussetzn! i finds unfair jetz de schuld ba de lkwfohrer zu suachn und de!!! zu strofn! denn in jeden der lkw sitzt a mensch der lei seine orbeit mocht und der verdommt werd ummer zu stien, stau zu schiebn obwohl ihn der zeitdruck im nackn sitzt! und olles weil mir überreich gfüllte regale gedonknlos als selbverständlich hin nemmen ohne… Weiterlesen »
Chrys
Chrys
Universalgelehrter
11 Tage 18 h

@ Stankerer

99% der Häuser wurden nach der Autobahn gebaut weil die Gründe dort wesentlich günstiger waren.

Zussra
Zussra
Superredner
11 Tage 10 h

@Staenkerer Die Frächter missatn la amol a Orbatswoche (Mo- Fr) streikn, noa wurasche sechn, dassn de, wosn am lautestn gegn die LKW san, als erstis raunzatn, daß die Regale und die Tankstelln laare san!
‘s letzte Wochnende vo Trient bis Innsbruck durchgehend Kolonne und Stau, ba oanzelna LKW’s. Ols Amateurkraftfahrer und Hobbychauffeure untowegs. Gang do et a sowos wie a Dossiersystem, aso wie ungeroda Targa ba ungerodn Togn und geroda Targa ba geroda Toge⁉️

Pasta Madre
Pasta Madre
Superredner
11 Tage 21 h

Ach was jammern die Verbände.
Welche LKW‘s werden schon mehr fahren??
Keiner fährt nur so herum.
Und wenn das Nachtfahrverbot wegfällt, wird in den Morgenstunden nicht mehr ein Kolonne LKw’s von Brenner bis Verona dicht gedrängt hinunterfahren.

Tigre.di.montana
Tigre.di.montana
Universalgelehrter
11 Tage 20 h

Welche Südtiroler Idioten haben denn den Bayern, Trentinern, Österreichern die Autobahn ermöglicht?
Die EU kann kein Land zwingen, Straßen und Autobahnen zu bauen. Wenn die Straßen einmal da sind, versuchen die ausländischen Frächter, und ihre Knechte in der Politik, den Verkehr den Südtirolern und den Inntalern sufzudrücken.

Chrys
Chrys
Universalgelehrter
11 Tage 18 h

@ Tigre.di.montana

Die Brennerautobahngesellschaft wurde 1959 gegründet. Teilstücke wurden nach und nach fertiggestellt.
Die EU wurde 1993 gegründet, da war die Autobahn von Palermo bis Hamburg und noch weiter schon alt. Die SVP kann also relativ wenig dafür. Die Europabrücke wurde 1963 dem Verkehr übergeben.
Das Verkehrsvolumen wird sicherlich nicht durch das Nachtfahrverbot reguliert. Man hat doch schon die Töll nicht ausgebaut da durch dieses Nadelöhr weniger Verkehr durch den Vinschgau rollt. Glaubt heute noch jemand daran?

Opa1950
Opa1950
Superredner
12 Tage 47 Min

Dankt bitte dem Hotelier Dorfmann und wählt in wieder.Er Wird sicher für unser Wohl In Südtirol sorgen.

Stryker
Stryker
Superredner
11 Tage 20 h

„Brenner – Trotz jahrelanger Bemühungen, den Lkw-Verkehr auf die Schiene zu verlagern, zeigt sich in den vergangenen Jahren das Gegenteil: Die Anzahl der Lkw, die über den Brenner per Zug transportiert werden, nimmt mehr und mehr ab. Laut der Zeitung sind 90 Prozent der Lkw, die den Brenner passieren, ungeeignet für den Transport auf der Schiene.“Quelle sn) https://www.suedtirolnews.it/wirtschaft/brennerroute-immer-weniger-lkw-auf-der-schiene
Bevor des net endlich glöst werd,konnsch sie netamol zwingen aufn Zug aui zu fohrn.

Montegiovi
Montegiovi
Grünschnabel
11 Tage 18 h

Der Fuzzi von der Umwelt hat doch keine Ahnung. Für einen 40 Tonner der nachts nicht durch Österreich darf, fahren inzwischen 5-6  „Polensprinter“ die Güter nachts durch Österreich. Die Fahrer werden ausgebeutet weil sie keine Ruhezeiten einhalten müssen und Tag und Nacht fahren können. Dafür laufen 5-6 kleinere Motoren nachts in Österreich pro 40 Tonner mehr. Der kennt die Zahlen nicht was von diesen „Sprintern“ mit Schlafkabine überm Fahrhaus inzwischen unterwegs ist, und diese steigen weiterhin rasant an. Die Unfallzahlen auf der A22 von diesen „Sprintern“ sprechen ein übriges.  

So ist das
11 Tage 12 h

Und die SVP schaut zu.
Man darf weder Rom noch Wien verärgern, schon gar nicht die Transportlobby.

Neumi
Neumi
Kinig
11 Tage 9 h

Was haben denn die STF, Freiheitlichen und Fratelli letztens dazu gesagt?

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