Von: Ivd
Bozen – Das Schulprojekt in der Bozner Bari-Straße war ursprünglich als gemeinsames Bildungsangebot für deutsch- und italienischsprachige Schüler konzipiert. In Anlehnung an das Modell der Langer-Schulen sollte es ein Symbol für sprachübergreifendes Zusammenleben sein. Aktuell zeichnet sich jedoch eine Entwicklung ab, die dieses ursprüngliche Ziel infrage stellt – und die politische Diskussion in der Stadt neu entfacht.
Auslöser der Debatte sind unterschiedliche Einschätzungen innerhalb der Stadtregierung zur künftigen Ausrichtung der Schule. Während technische, organisatorische und demografische Gründe angeführt werden, sieht das Team K darin vor allem eine politische Weichenstellung mit langfristigen Auswirkungen auf das Zusammenleben der Sprachgruppen in Bozen.
Im Gemeinderat betonte Gemeinderat Matthias Cologna, dass es sich nicht um eine rein technische Entscheidung handle. Vielmehr müsse offen darüber diskutiert werden, welche bildungspolitische Vision verfolgt werde und welche Rolle die Schule künftig einnehmen solle.
Das Projekt umfasst eine öffentliche Investition von rund 30 Millionen Euro. Noch im Frühjahr 2025 wurde es von Vertretern der Stadt als eines der bedeutendsten Schulbauprojekte bezeichnet – mit dem erklärten Ziel, Kinder beider Sprachgruppen von der Grund- bis zur Mittelschule unter einem Dach zu vereinen. Gemeinsame Unterrichtsangebote, Projekte sowie geteilte Alltagsräume wie Mensa und Pausenbereiche sollten den Austausch fördern.
Inzwischen mehren sich jedoch Hinweise darauf, dass die Schule in der Bari-Straße künftig ausschließlich italienischsprachig geführt werden könnte, während die bestehenden Langer-Schulen stärker deutschsprachig ausgerichtet würden. Kritiker sehen darin einen Bruch mit der ursprünglichen Idee des Projekts. Die angeführten Begründungen – darunter Anmeldezahlen, demografische Entwicklungen oder organisatorische Herausforderungen – werden unterschiedlich bewertet.
Paul Köllensperger, Abgeordneter des Team K, spricht von einem Rückschritt gegenüber früheren Positionen. Er verweist darauf, dass in Teilen der Gesellschaft ein wachsendes Interesse an mehrsprachigen Bildungsmodellen bestehe und sieht darin keinen Widerspruch zum Schutz der jeweiligen Muttersprache.
Auch Gemeinderat Alex Ploner betont, dass es bei der Diskussion nicht um die Aufgabe kultureller Identitäten gehe, sondern um das Schaffen von Begegnungsräumen. Gleichzeitig verweist er auf unterschiedliche Erwartungen innerhalb der Familien und plädiert für gegenseitiges Verständnis.
Aus Sicht des Team K ist die Schule ein zentraler Ort für Integration und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Entscheidungen über ihre Ausrichtung seien daher politisch zu verantworten und müssten transparent getroffen werden. Die Frage, wie sprachliche Vielfalt, Muttersprache und gemeinsames Lernen künftig gestaltet werden sollen, bleibt damit weiterhin offen – und Gegenstand politischer Auseinandersetzung in Bozen.




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