Von: mk
Die Ukrainer gehören zu den Leidtragenden des militärischen Angriffs, den die USA und Israel gegen den Iran führen. Einerseits sinkt die öffentliche Aufmerksamkeit für den Angriffskrieg, den Kreml-Despot Wladimir Putin in ihrem Land führt. Andererseits bringt der Konflikt mit dem Iran Russland auch wirtschaftliche Vorteile, weil der Ölpreis steigt – genauso wie die Nachfrage nach russischem Öl und Gas. Trotz allem unterstützte Präsident Wolodymyr Selenskyj den US-Angriff auf den Iran, indem er auf die Allianz des Regimes mit Russland verwies. Gleichzeitig bietet die Ukraine auch militärische Hilfe an. Weil der Iran in der Golf-Region Ziele mit Shahed-Dronen angreift, sagte Präsident Wolodymyr Selenskyj Expertise der eigenen Streitkräfte sowie materielle Unterstützung zu.
Shahed-Dronen, mit denen der Iran Ziele in der Golfregion attackiert, können in Schwärmen eingesetzt werden und sind damit für jede Flugabwehr eine Herausforderung. Nach Angaben von Selenskyj haben die USA deshalb um Unterstützung gebeten, zumal Russland das Modell vom Iran übernommen und weiterentwickelt hat. Die ukrainischen Streitkräfte konnten im Verlauf ihrer Abwehr des russischen Angriffs viel über diese Art von Drohnen lernen und haben erfolgreich Abfangdrohnen entwickelt. Die Ukraine hat auch den Staatschefs in den betroffenen Ländern der Golfregion die Hilfe von ukrainischen Experten bei der Abwehr der Flugobjekte angeboten.
Zwar versorgen die USA die Ukraine weiterhin mit Geheimdienstinformationen. Trotzdem ist US-Administration unter Präsident Donald Trump derzeit offenbar nicht bereit, das Waffenarsenal der Ukraine derart aufzustocken, damit diese die russische Armee erfolgreich zurückdrängen kann. Stattdessen war Trump in der Vergangenheit eher in die Richtung geneigt, weitreichende Zugeständnisse von der Ukraine abzuverlangen, um zu einem Frieden mit dem Aggressor zu gelangen. Daran hat auch die Tatsache nichts geändert, dass Russland den Iran mutmaßlich mit Geheimdienstinformationen versorgt.
Im Gegenzug für die militärische Unterstützung hofft die Ukraine nun, von den USA mehr Patriot-Systeme zur Abwehr von ballistischen Raketen zu erhalten, mit denen Russland regelmäßig ukrainische Städte überzieht. Obwohl Angriffe auf die Zivilbevölkerung als Kriegsverbrechen gelten, will der Kreml die Ukraine dadurch zermürben und hofft auf Kriegsmüdigkeit ihrer Bürger. Bislang legte die Bevölkerung eine erstaunliche Widerstandsfähigkeit an den Tag. Auch nach Angriffen auf die Energieversorgung mitten im Winter herrschte innerhalb der Bevölkerung zu einem großen Teil Geschlossenheit.
Gleichzeitig offenbart der Angriff von den USA und Israel auf den Iran die Schwäche Russlands. Angesichts des Angriffskriegs gegen die Ukraine sind die russischen Kapazitäten – auch bei der Waffenproduktion – zu stark ausgelastet. Eine militärische Unterstützung seines Verbündeten kann sich der Kreml derzeit daher nicht leisten. Wie Militärexperte Carlo Masala erklärt, sind die von Russland an Teheran gelieferten S-400-Luftabwehrsysteme außerdem völlig wirkungslos. Israel und die USA verfügen über “die komplette Luftüberlegenheit” – eine Blamage für Putin, so der Experte. Dazu kommt noch ein weiteres Problem: Zwar stellt Moskau die Shahed-Drohnen mittlerweile in eigenen Fabriken her, trotzdem war der Iran für die russische Armee laut Masala auch ein wichtiger Lieferant von Munition, der nun wegbrechen könnte.
Zugleich will sich Putin die für Moskau ebenfalls wichtigen Beziehungen im Nahen Osten zu Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten nicht verderben und er ist darauf bedacht, Trump nicht zu verärgern. Trotz allem sicherte Putin seinem Kollegen in Teheran, Masoud Pezeshkian, Russlands Solidarität zu. Putin habe bei dem Telefonat “nochmals sein tiefes Beileid ausgesprochen wegen der Ermordung des Obersten Führers der Islamischen Republik, Ayatollah Ali Khamenei, seiner Familienmitglieder und der Vertreter der militärisch-politischen Führung des Landes sowie der vielen Opfer in der Zivilbevölkerung infolge der israelisch-amerikanischen Aggression gegen den Iran”, teilte der Pressedienst des Kremls mit – was angesichts der russischen Invasion in die Ukraine bestenfalls merkwürdig klingt.
Der Angriff auf den Iran belastet aber noch einen weiteren Verbündeten Russlands. Der Sozialwissenschaftler Gilles Kepel, der als einer der führenden Nahostexperten Frankreichs gilt, wies darauf hin, dass die Blockade der Straße von Hormus bislang kaum große Auswirkungen auf die westlichen Verbraucher gehabt habe, wohl aber auf China, weil ein großer Teil der chinesischen Gasimporte aus dem Iran stammt.
Chinas Chefdiplomat Wang hat unterdessen ein sofortiges Ende der Kampfhandlungen im Nahen Osten gefordert, vermied es jedoch, die USA und Israel für die Angriffe auf den Iran namentlich zu kritisieren. Dies sei ein Krieg, der nicht hätte stattfinden dürfen und der für niemanden gut sei, sagte er bei seiner jährlichen Pressekonferenz am Rande des Nationalen Volkskongresses. Über all dem schwebt natürlich auch noch eine politische Komponente. FDP-Generalsekretär Bijan Djir-Sarai erklärte gegenüber Talkmasterin Sandra Maischberger im ARD: „Sollte der Iran pro-westlich werden, dann sind die größten Verlierer Russland und China.“




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