Besuchsdiplomatie in Kiew ging weiter

Drittes Kriegsjahr in der Ukraine angebrochen

Sonntag, 25. Februar 2024 | 13:22 Uhr

In der Ukraine ist das dritte Kriegsjahr angebrochen – mit dem 732. Kriegstag seit dem Beginn der russischen Invasion. Auch in der Nacht auf Sonntag gab es wieder vielerorts Luftalarm. Die ukrainische Luftwaffe warnte zunächst vor allem im Süden und Osten des Landes vor russischen Angriffen mit Raketen und Shahed-Drohnen, in der Früh dann auch im Zentrum des Landes und in der Region Kiew. Die Kleinstadt Kostjantyniwka im Gebiet Donezk wurde massiv mit Raketen beschossen.

Eine Person sei Kostjantyniwka verletzt worden, teilte der Militärgouverneur der Region, Wadym Filaschkin, am Sonntag bei Telegram mit. Nach Angaben der ukrainischen Polizei wurden durch den Beschuss eine Reihe von Gebäuden beschädigt, unter anderem eine Kirche und das Bahnhofsgebäude. Bilder und Videos zeigen, dass das Bahnhofsgebäude praktisch in Trümmern liegt. Für den Angriff soll das russische Militär umfunktionierte Flugabwehrraketen vom Typ S-300 verwendet haben. Russland hat diese schon in der Vergangenheit oft für Attacken auch auf zivile Ziele in der Ukraine genutzt.

Laut der ukrainischen Flugabwehr ist es gelungen, 16 der 18 gestarteten Drohnen abzufangen. Im westukrainischen Gebiet Chmelnyzkyj wurde den Behörden zufolge ein Infrastrukturobjekt beschädigt, im südukrainischen Mykolajiw wurden mehrere Ortschaften durch die Beschädigung einer Stromleitung von der Energieversorgung abgeschnitten. Das Gebiet Donezk gilt allerdings als eine der am schwersten zerstörten Regionen. Mit schwerem Beschuss frontnaher Gebiete ebnet das russische Militär seinen Vormarsch. Nach der jüngsten Einnahme der Kleinstadt Awdijiwka soll nun auch das Nachbardorf Lastotschkyne westlich davon an die Russen gefallen sein.

Die russischen Streitkräfte richten sich nach Angaben des Moskauer Verteidigungsministeriums auf weitere Vorstöße in der Gegend um Awdijiwka ein. Die Soldaten hätten vorteilhaftere Stellungen in der Nähe der kürzlich eroberten ostukrainischen Stadt eingenommen. Sieben Gegenangriffe der Ukrainer seien zurückgeschlagen worden, hieß es am Sonntag aus dem Ministerium.

Russland hat unterdessen eigenen Angaben zufolge in der Nacht erneut mehrere ukrainische Drohnenangriffe abgewehrt. Die Luftabwehr habe zwei Drohnen über dem grenznahen russischen Gebiet Belgorod sowie vier weitere über dem Schwarzen Meer abgefangen und zerstört, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau am Sonntag auf seinem Telegram-Kanal mit. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig prüfen. Über mögliche Schäden oder Opfer machte Moskau zunächst keine Angaben.

Tags zuvor hatten Politiker aus aller Welt bei Veranstaltungen in Kiew zum zweiten Jahrestag des Kriegsausbruchs ihre Solidarität mit der Ukraine bekundet und Russland zur sofortigen Beendigung des Angriffskriegs aufgerufen. Auf russischer Seite verpuffte dieser Appell kommentarlos, die staatlich kontrollierten Medien übergingen das Datum. An den Fronten herrschte weiterhin unveränderter Kriegsalltag.

In Kiew waren am Samstag zahlreiche westliche Politiker zu Besuch. Darunter war neben EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen auch die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni als Vorsitzende der G7, der Gruppe der sieben führenden demokratischen Wirtschaftsnationen. Meloni hatte eine Videokonferenz der G7 mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj organisiert.

Am Sonntag hielt sich die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock in der Ukraine auf. Bei einem Besuch der Stadt Mykolajiw im Süden des Landes sagte sie weitere 100 Millionen Euro humanitäre Hilfe für die Ukraine zu. Mit dem Geld würden die Menschen in dem angegriffenen Land dabei unterstützt, ihre Wasserversorgung, ihre Krankenhäuser und ihre Häuser wieder aufzubauen.

“Putins Terror geht hier jeden Tag weiter”, sagte Baerbock mit Blick auf den russischen Präsidenten. “Aber die Menschen hier in der Ukraine machen deutlich: Kein Tag, kein Angriff wird ihren Überlebenskampf zerstören können.” Daher sei es wichtig, “dass wir nicht nur unsere militärische Hilfe zur Selbstverteidigung, zur Befreiung von Dörfern fortsetzen”. Deutschland werde vor allen Dingen auch seine humanitäre Hilfe für den Wiederaufbau weiter vorziehen. Im Juni plant die deutsche Regierung in Berlin eine internationale Wiederaufbaukonferenz zur Unterstützung der Ukraine.

Der ukrainische Verteidigungsminister bemängelte indes eine zu langsame Lieferung von Waffen aus dem Westen. Etwa 50 Prozent kämen nicht rechtzeitig an, sagte Rustem Umjerow in einer im Fernsehen übertragenen Konferenz. Nach Angaben des Industrieministeriums in Kiew hat die Ukraine ihre Waffenproduktion im vergangenen Jahr verdreifacht. Für dieses Jahr sei eine “beträchtliche Erhöhung der Munitionsproduktion” geplant, hieß es weiter. 500 Unternehmen seien inzwischen im Verteidigungssektor des Landes tätig, darunter 100 staatliche und 400 private Firmen.

Von: APA/dpa/Reuters

Kommentare

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26 Kommentare auf "Drittes Kriegsjahr in der Ukraine angebrochen"


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N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 20 Tage

Rein hypothetisch, was würde passieren wenn Russland plötzlich die Kampfhandlungen komplett einstellen würde?

Ischjolougisch
Ischjolougisch
Superredner
1 Monat 20 Tage

Fragst du für einen Freund? Grins..
Ich schätze mal das nennt man dann Kapitulation.

Dagobert
Dagobert
Kinig
1 Monat 20 Tage

N.G.
Wenn die Russn Hoam fohrn a nou täten, donn waret der Krieg vorbei!

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 20 Tage

@Dagobert Das hab ich nicht gefragt. Was täte die Ukraine bzw. der Westen wenn Russland nicht mehr schießt. Ich denke meine Frage war klar und deutlich.

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 20 Tage

@Ischjolougisch Ne, ich spreche immer für mich. Grins
Antwort hast du keine geliefert.

Faktenchecker
1 Monat 20 Tage

nixislougisch

Kapitulieren kann nur jemand der angegriffen wird und das ist die Ukraine !

Faktenchecker
1 Monat 20 Tage

Dagi schua mal in die Gesichter…

6079_Smith_W
1 Monat 20 Tage

@Dagobert

Der Krieg wäre vorbei ? Nicht ganz!
Und im Donbas Zustände so wie etwa zwischen 2014-2022 ? Aber das hat uns ja nie interessiert, und gabs plötzlich gabs ganz unerwartet die russische Invasion.

Sosonadann
Sosonadann
Superredner
1 Monat 20 Tage

@N.G. Das alleine wird nicht passieren! Wie kommst du darauf?
Wenn, dann wird in (geheimen) Gesprächen ein solches Verhalten vereinbart und im Gegenzug das selbe auf ukrainischer Seite. Nennen man Waffenstillstand.

Ich habe aber dir schon öfters die Gegenfrage gestellt, ohne je eine Antwort zu bekommen.

Was wird passieren, wenn die Ukraine wegen fehlender Waffen und fehlender Soldaten ihre Verteidigung einstellen muss? Ist dann Friede im Land und kein Ukrainer und keine Ukrainerin stirbt mehr?

Look_at_Yourself
Look_at_Yourself
Universalgelehrter
1 Monat 20 Tage

N. G.
Schön wäre es.
Der Krieg könnte schon morgen aus sein, Putin wäre Geschichte und Russland könnte wieder einen Weg zurück in die Zivilisation finden.
Aber, das wird leider nicht mehr in diesem Quartal passieren.

Doolin
Doolin
Kinig
1 Monat 20 Tage

@Look_at_Yourself
…da wäre N,G. aber sehr traurig…

Ischjolougisch
Ischjolougisch
Superredner
1 Monat 20 Tage

@Faktennull interessiert dich wohl nicht. Aber so sieht es aus:

https://de.wiktionary.org/wiki/Kapitulation

Mico
Mico
Universalgelehrter
1 Monat 19 Tage

@N. G. der westen samt nato und usa würden russland weiter provozieren…..

Jonny Cash
Jonny Cash
Tratscher
1 Monat 19 Tage

@N.G. Die Ukrainer würden die russischen Soldaten und Waffen auf Lkw’s auflegen, über die Grenze transportieren, und Putin müsste wohl zurücktreten, oder getreten werden, wenn er die Nazis in Kiew nicht “auslöschen” – Originalton Putin – konnte.

TirolerSued
TirolerSued
Superredner
1 Monat 19 Tage

@Mico genau,irgendeine Ausrede/einen imaginären Grund finden die immer

Ischjolougisch
Ischjolougisch
Superredner
1 Monat 18 Tage

@N.G. Doch , meine Antwort ist klar und deutlich zu lesen. Grins

Aurelius
Aurelius
Kinig
1 Monat 20 Tage

der Krieg wird noch Jahre dauern am Ende siegt Russland

Goennenihrwichtigtuer
Goennenihrwichtigtuer
Universalgelehrter
1 Monat 20 Tage

🤭 sweet…

Zussra
Zussra
Superredner
1 Monat 19 Tage

@Aurelius Stimmt! Wie i schun gsogg hon: Putin hot epas, wos in Westen obhondn kem isch. Sel isch Zeit.
Do Westen konn et ewig die Ukraine mit Milliardn und Abermilliardn untostützn! Somit werd Russland früha oddo späta die Ukraine innehm!

Sosonadann
Sosonadann
Superredner
1 Monat 19 Tage

@Zussra Vielleicht muss er das auch nicht! Ich spekuliere:

Wir haben ja schon gehört, wo für China die “rote Linie” verläuft. Beim Einsatz der Atombombe. Vielleicht gibt es aber auch weniger scharfe Aktionen Russlands, die Chinas Unterstützung kostet.

Oder Ereignisse innerhalb Russland, die Putin oder seinen Nachfolger dazu zwingen, die Ukraine nicht mehr ganz einzunehmen.

Oder oder oder … Wer hätte denn den Marsch Prigoschin’s Richtung Moskau vorhergesehen und was, wenn er nicht umgedreht wäre?

Es kann so viel unerwartetes passieren …

Mico
Mico
Universalgelehrter
1 Monat 19 Tage

aber weiter waffen liefern um frieden herzustellen… was ich traurig finde ist dass barbock keine friedensgespräche will…

Jonny Cash
Jonny Cash
Tratscher
1 Monat 19 Tage

Und das wissen Sie woher?

TirolerSued
TirolerSued
Superredner
1 Monat 19 Tage

@Jonny Cash …. wenn man die Augen offenhält und ein wenig selber denkt

Jonny Cash
Jonny Cash
Tratscher
1 Monat 19 Tage

@TS Dann würde mich noch interessieren, wo ich mit meinen offenen Augen genau hinachauen sollte, damit ich das gleiche sehe wie Sie. Und das mit dem Denken ist so eine Sache, ich kann leider nur selber denken, hab mir den Chip von Gates noch nicht spritzen lassen.

OH
OH
Superredner
1 Monat 19 Tage

Ja ja, stell Dir vor es ist Krieg und keiner geht hin ….. !!
Aber die werden schon dafür sorgen daß es immer weiter geht. Ein Ende ist nicht in Sicht !!

pfaelzerwald
1 Monat 19 Tage

Die brauchen mehr und bessere Waffen und  Munition! Vielleicht dafür dann weniger Besucher (mit gut gemeinten, aber nutzlosen Worten).

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