Von: APA/dpa/Reuters
Bei massiven russischen Luftangriffen auf die ukrainische Energie- und Bahninfrastruktur sind in der Nacht auf Donnerstag Dutzende Menschen verletzt worden. Wie die Behörden mitteilten, gerieten durch den Beschuss auch Wohngebäude in Brand. Präsident Wolodymyr Selenskyj bezifferte die Zahl der Geschosse auf 420 Drohnen und 39 Raketen, darunter elf ballistische.
“Russland hat heute Nacht wieder Krieg gegen die kritische Infrastruktur und gewöhnliche Wohngebäude geführt”, schrieb Selenskyj auf dem Kurznachrichtendienst Telegram. Der ukrainischen Luftwaffe zufolge gelang es der Flugabwehr zwar, 374 Drohnen und 32 Raketen abzufangen. Dennoch hätten fünf russische ballistische Raketen und 46 Drohnen ihr Ziel erreicht und insgesamt 32 Standorte getroffen. Selenskyj zufolge wurden Schäden aus acht Regionen gemeldet. Dabei seien mindestens 26 Menschen verletzt worden, darunter auch Kinder.
Angriffe auf Stromversorgung und Bahninfrastruktur
Schwerpunkte der Angriffe waren Gasanlagen in der Region Poltawa sowie Umspannwerke in den Gebieten Kiew und Dnipro. Zudem wurde die Bahninfrastruktur in den frontnahen Regionen Donezk, Charkiw und Saporischschja beschossen. Besonders betroffen war die Region Charkiw, wo Gouverneur Oleh Synjehubow zufolge mindestens 14 Menschen verletzt wurden, darunter ein siebenjähriges Kind. Die Stadt selbst sei mit zwei Raketen und 17 Drohnen attackiert worden.
In Saporischschja meldete Gouverneur Iwan Fedorow mindestens zehn Verletzte und Schäden an 19 Wohngebäuden. Er veröffentlichte Bilder von zerstörten Geschäften und Wohnhäusern. Auch aus der Stadt Krywyj Rih wurden zwei Verletzte sowie Schäden an einem Kindergarten und Verwaltungsgebäuden gemeldet. In der Hauptstadt Kiew beschädigten herabstürzende Trümmerteile abgefangener Geschosse mehrere Gebäude in drei Stadtbezirken.
Russland hat in den vergangenen Monaten seine Angriffe auf den ukrainischen Energiesektor verstärkt, was immer wieder zu großflächigen Stromausfällen führt. “Die Kälte hat noch nicht ganz nachgelassen, und Flugabwehrraketen werden jeden einzelnen Tag benötigt”, mahnte Selenskyj angesichts der anhaltenden Versuche Russlands, das Energiesystem zu zerstören.
Moskau: Mehr als 1.000 Soldatenleichen mit Kiew ausgetauscht
Moskau und Kiew haben unterdessen nach russischen Angaben erneut mehr als 1.000 Soldatenleichen ausgetauscht. Die Ukraine habe die sterblichen Überreste von 1.000 Soldaten von Russland erhalten, schrieb der russische Chefunterhändler bei den jüngsten Verhandlungen zwischen beiden Kriegsparteien, Wladimir Medinski, bei Telegram. Kiew übergab Moskau demnach 35 Soldatenleichen.
Der Koordinationsstab für Kriegsgefangenenbelange in Kiew bestätigte bei Telegram, dass die Ukraine 1.000 Leichname erhalten habe, die nach russischen Angaben ukrainischen Verteidigern gehören können. Die Behörde dankte dem Internationalen Roten Kreuz für Unterstützung.
Russland und die Ukraine tauschen immer wieder Soldatenleichen aus. Allein im vergangenen Jahr erhielt Kiew nach offiziellen Angaben mehr als 15.000 Leichname gefallener Soldaten zurück. Moskau bekam nur einen Bruchteil dessen. Aufgrund des langsamen aber stetigen Vormarsches der russischen Truppen kann die ukrainische Armee gefallene eigene Soldaten nicht immer bergen. Die Ukraine wehrt sich mit westlicher Hilfe seit etwas mehr als vier Jahren gegen eine russische Invasion.




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