Von: mk
Rom – Ministerpräsidentin Giorgia Meloni scheint in der Gunst von US-Präsident Donald Trump gefallen zu sein. In einem Interview mit dem Corriere della Sera zeigte sich Trump tief enttäuscht von Italiens Regierungschefin und wirft ihr vor, die USA im Krieg gegen den Iran im Stich zu lassen.
„Giorgia Meloni will uns im Krieg nicht helfen, ich bin schockiert“, wird Trump von der Nachrichtenagentur Ansa zitiert. Noch vor einem Monat hatte Trump die italienische Premierministerin in einem weiteren Interview mit dem Corriere als „Freundin“ und als „große Anführerin“ definiert, die stets darum bemüht sei, zu helfen. Nun scheint Meloni ihren Titel als Trump-Flüsterin endgültig losgeworden zu sein.
„Sie ist nicht mehr dieselbe Person und Italien wird nicht mehr dasselbe Land sein“, poltert der US-Präsident nun. Doch damit nicht genug: Er wirft die Ministerpräsidentin vor, nicht genug gegen die steigenden Energiepreise zu tun, indem sie ihre Unterstützung den USA verweigert.
„Gefällt euch die Tatsache, dass eure Präsidentin nichts unternimmt, um an Erdöl zu gelangen? Gefällt das den Leuten? Ich kann mir das nicht vorstellen. Ich bin schockiert von ihr. Ich dachte, sie hätte Mut, doch ich habe mich getäuscht“, schob Trump nach.
Zuvor hatte Meloni in Verona bei einem Stelldichein mit der Presse Trumps Äußerungen über Papst Leo XIV als „inakzeptabel“ zurückgewiesen. Gleichzeitig drückte sie dem Papst ihre Solidarität aus. „Ehrlich gesagt, würde ich mich nicht in einer Gesellschaft wohlfühlen, in der die religiösen Anführer das machen, was die Politiker ihnen sagen. Nicht in diesem Teil der Welt“, erklärte Meloni laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Ansa.
Trump wirft den Ball zurück. „Sie ist es, die inakzeptabel ist, denn ihr ist es egal, wenn der Iran eine Atombombe hat und Italien in zwei Minuten die Luft sprengt, wenn er die Möglichkeit dazu hätte“, konterte der US-Präsident. Außerdem bekräftigte er seine Kritik am Papst. Dem Tycoon zufolge habe der Pontifex „keine Ahnung“, was im Iran los sei, und sollte deshalb nicht von Krieg reden. Der Papst verstehe nicht, dass der Iran eine nukleare Bedrohung darstelle. „Er versteht nicht, dass der Iran 42.000 Demonstranten im vergangenen Monat getötet hat“, fügte Trump hinzu.
Wie berichtet, möchten die USA außerdem, dass sich Italien an der Minenräumung in der Straße von Hormus beteiligt. Italien ist allerdings nur zur Teilnahme bereit, wenn ein „sicherer” Waffenstillstand oder noch besser ein UN-Mandat vorliegt.
Mehr Distanz auch zu Israel
Auch zu Israel geht die Regierung Meloni unterdessen ein Stück weit mehr auf Distanz. In Anbetracht der aktuellen geopolitischen Lage habe die Regierung in Rom beschlossen, die automatische Erneuerung des Verteidigungsabkommens mit Israel auszusetzen, erklärte die Ministerpräsidentin am Rande der Weinmesse Vinitaly in Verona. Die Entscheidung ist im Austausch zwischen Meloni, ihren Stellvertretern Antonio Tajani und Matteo Salvini sowie Verteidigungsminister Guido Crosetto gefallen. Dem israelischen Verteidigungsminister Israel Katz wurde ein entsprechendes Schreiben zugestellt.
„Wir haben kein Sicherheitsabkommen mit Italien, sondern lediglich eine Jahre alte Absichtserklärung ohne konkreten Inhalt“, erklärte der Sprecher des israelischen Außenministeriums auf Anfrage der Nachrichtenagentur Ansa. Er fügte hinzu, dass die Aussetzung dieses Memorandums die Sicherheit Israels „nicht gefährden“ werde.




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