Inspektion eines Kraters nach Luftangriff nahe Kiew

Ein Todesopfer bei Angriff auf Einkaufszentrum in Charkiw

Donnerstag, 27. August 2026 | 15:21 Uhr

Von: importer

Russland und die Ukraine haben ihre gegenseitigen Luftschläge auf Ziele im Hinterland des Gegners fortgesetzt. Bei einem russischen Drohnenangriff auf ein Einkaufszentrum der ostukrainischen Großstadt Charkiw wurde mindestens ein Mensch getötet, schrieb Regionalgouverneur Oleh Synjehubow auf Telegram. Attacken mit Drohnen und Raketen gab es unter anderem auch auf Kiew. Bei einer Autoexplosion in Sankt Petersburg wiederum wurde laut Medien ein russischer Offizier getötet.

Vier Menschen seien in Charkiw verletzt worden, so Synjehubow. Sie mussten in ein Krankenhaus eingeliefert werden. In der Hauptstadt Kiew stürzten Drohnentrümmer herab und verletzten nach Behörden Angaben zwei Menschen. Sie richteten auch Schäden an mehreren Gebäuden an. Im Zentrum der Dreimillionenstadt wurde der Militärverwaltung zufolge eine Sportanlage im unmittelbaren Zentrum beschädigt. Bilder in sozialen Netzwerken zeigten eine Rauchwolke im Bereich des Walerij-Lobanowskyj-Stadions am Rande des Regierungsviertels. Schäden habe es auch nach Attacken im Gebiet der Hafenstadt Odessa gegeben.

“Die Russen haben kritische Infrastruktur in den Gebieten Poltawa, Sumy und Cherson angegriffen”, erklärte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj auf sozialen Netzwerken. Fünf Menschen seien unter anderem bei Angriffen in den Gebieten Saporischschja und Dnipropetrowsk verletzt worden, Nach Angaben örtlicher Behörden brannten östlich der Hauptstadt Kiew im Landkreis Boryspil Lagerhallen nach russischen Angriffen. Mindestens zwei Menschen seien verletzt worden.

Russland sprach von Angriffen auf Einrichtungen, die der ukrainische Armee dienen. Darunter Lager- und Montageeinrichtungen für Drohnen, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit. Ziele seien Stahlwerke in den Städten Saporischschja und Krywyj Rih, Logistikzentren in und bei Kiew, eine Ölraffinerie in Krementschuk sowie die Häfen von Odessa, Tschornomorsk und Reni gewesen.

Abschuss ballistischer Raketen

Die ukrainische Luftwaffe fing dabei nach eigenen Angaben erstmals seit längerem sieben ballistische Raketen ab. Zudem sei eine Antischiffsrakete des Typs Oniks abgeschossen worden, hieß es. Selenskyj hatte zuvor am Dienstag über eingetroffene neue Flugabwehrraketen für die Patriot-Systeme informiert.

Ukrainischen Angaben zufolge wurden rund 86 Prozent der vom russischen Militär eingesetzten Drohnen abgefangen. Fünf russische Drohnen verletzten nach Auskunft des moldauischen Verteidigungsministeriums in Chisinau auch kurzzeitig den Luftraum Moldaus.

Neue ukrainische Drohnenangriffe im Uralgebiet

Die Ukraine wiederum setzte ihre Angriffe auf Lager von russischen Internethändlern fort. Im Uralgebiet wurde nach Unternehmensangaben ein Logistikzentrum des zweitgrößten russischen Marktplatzes Ozon in Ufa von ukrainischen Drohnen angegriffen. Demnach musste auch in Orenburg nahe der kasachischen Grenze wegen Raketengefahr ein Verteilzentrum kurzzeitig geräumt werden. Es habe aber weder Opfer noch Schäden gegeben. Die Ukraine wehrt sich seit über viereinhalb Jahren gegen die russische Invasion. Bei seinen Gegenschlägen konzentriert sich Kiew auf russische Internethändler und die Ölindustrie.

Russischer Offizier bei Autoexplosion getötet

Bei der Explosion eines Autos in Sankt Petersburg ist einem Medienbericht zufolge ein russischer Offizier getötet worden. Bei dem Todesopfer handle es sich um einen Oberstleutnant, berichtet die russische Online-Zeitung “Fontanka”. Seine Ehefrau, die sich ebenfalls in dem Fahrzeug befunden habe, sei verletzt in ein Krankenhaus gebracht worden. Das russische Ermittlungskomitee teilt mit, es habe nach dem Brand eines Autos ein Strafverfahren eingeleitet. Die Behörde bestätigt den Tod einer Person und die Verletzung einer weiteren, macht jedoch keine Angaben dazu, ob es sich bei dem Todesopfer um einen Soldaten handelte. Eine Stellungnahme der Ukraine liegt zunächst nicht vor. Russland macht die Ukraine für eine Reihe von Anschlägen auf hochrangige Militärs und Personen verantwortlich, die mit dem russischen Angriffskrieg gegen das Nachbarland in Verbindung stehen. Ukrainische Stellen haben sich in einigen Fällen dazu bekannt, in anderen eine Beteiligung bestritten.

Russland warnt London und Paris vor Lieferung von Raketentechnologie an Ukraine

Russland warnte Großbritannien und Frankreich derweil wegen der geplanten Weitergabe sensibler Raketentechnologie an die Ukraine vor unvorhersehbaren Konsequenzen. Die beiden europäischen Staaten spielten “mit dem Feuer”, sagte die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, am Donnerstag. Sie drohte Großbritannien mit Angriffen auf britische Militärziele, sollten ukrainische Streitkräfte russisches Staatsgebiet mit britischen Raketen beschießen. Dies könne Ziele innerhalb und außerhalb der Ukraine betreffen. Sacharowa forderte Großbritannien auf, von seiner feindseligen Haltung im Ukraine-Konflikt abzurücken. Andernfalls drohe die Auseinandersetzung eine völlig neue Stufe zu erreichen.

Großbritannien und Frankreich hatten der Ukraine am Montag eine stärkere militärische Unterstützung zugesagt. Bei einem Treffen anlässlich der ukrainischen Unabhängigkeitsfeiern vereinbarten sie unter anderem den Zugang zu vertraulicher Technologie und schnellere Lieferungen von Luftabwehrraketen. Großbritannien will der Ukraine den Zugriff auf geheime Technologie ermöglichen, damit das Land eigene Storm-Shadow-Marschflugkörper herstellen kann. Diese Waffen sind in der Lage, Ziele tief in Russland zu treffen. Frankreich stimmte der Lizenzierung der Technologie für die Raketen zu.

Kiew stellt neue Friedensgespräche im September in Aussicht

Neue Gespräche zwischen ukrainischen und russischen Vertretern unter Beteiligung der USA könnten nach Angaben aus Kiew womöglich im September stattfinden. Die Ukraine bemühe sich um eine Wiederbelebung der Verhandlungen, sagt der ukrainische Präsidialamtschef Kyrylo Budanow dem ukrainischen Nachrichtenportal “Novyny Live”. Mit weiteren Entwicklungen sei im kommenden Monat zu rechnen. Auf die Frage, ob er damit direkte Gespräche zwischen ukrainischen und russischen Unterhändlern meine, sagte Budanow: “Ich hoffe darauf, ja, und natürlich auch auf amerikanische Vertreter. Ohne sie geht es nicht.” Die von den USA vermittelten Friedensgespräche waren in diesem Jahr ins Stocken geraten.

Die Ukraine hatte russische Forderungen nach Gebietsabtretungen abgelehnt. Zudem waren die USA zunehmend mit dem Krieg gegen den Iran beschäftigt. Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte kürzlich, die Ukraine sehe bis zum Ende des nächsten Sommers ein Zeitfenster für eine US-Vermittlung. Seine Regierung habe zusammen mit US- und europäischen Vertretern ein Dokument mit Vorschlägen erarbeitet, das Moskau vorgelegt werden solle. Die letzte Runde von Gesprächen unter Beteiligung von US-Vertretern fand im Februar statt. Seither führten Vertreter der Ukraine und Russlands getrennte Gespräche mit der US-Seite.

Mehrere EU-Staaten dringen auf Nutzung eingefrorener russischer Staatsvermögen für Kiew

Mehrere EU-Staaten dringen unterdessen einem Zeitungsbericht zufolge auf eine Wiederaufnahme der Pläne zur Nutzung eingefrorener russischer Staatsvermögen für die Ukraine. In einem gemeinsamen Schreiben an die Europäische Kommission fordere eine Koalition von Ländern, zu der unter anderem Schweden, die Niederlande, Spanien und Polen gehörten, die Brüsseler Behörde zu entsprechenden Schritten auf, berichtet die “Financial Times” unter Berufung auf vier mit dem Vorgang vertraute Personen. Die Arbeit an Plänen zur Finanzierung der Ukraine mithilfe von eingefrorenen Vermögenswerten der russischen Zentralbank müsse wieder aufgenommen werden, heißt es demnach in dem Schreiben.

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