Von: luk
Bozen – Scharfe Kritik am sogenannten „Betten-Go“ kommt von den Grünen in Bozen. Gemeinderat Rudi Benedikter spricht in einer Aussendung von einem „dreisten Etikettenschwindel“, der vor allem einem weiteren Ausbau des Tourismus dienen soll.
Konkret geht es um die Einstufung von 56 Südtiroler Gemeinden als „strukturschwach und abwanderungsgefährdet“. Diese Kategorisierung sei aus Sicht Benedikters nicht nachvollziehbar und widerspreche den tatsächlichen wirtschaftlichen Gegebenheiten im Land.
Der Politiker verweist dabei auf aktuelle Daten zur wirtschaftlichen Entwicklung Südtirols. Demnach nehme das Land in mehreren italienischen und europäischen Rankings Spitzenplätze ein, etwa bei Beschäftigung, Lebensqualität und Bruttoinlandsprodukt pro Kopf. Zudem sei die touristische Intensität hoch: Mehr als 37 Millionen Übernachtungen jährlich sowie über 253.000 Betten in rund 11.900 Beherbergungsbetrieben würden dies belegen. Im europäischen Vergleich liege Südtirol laut zitierten Studien auf den vorderen Plätzen.
Vor diesem Hintergrund sei es unverständlich, dass zahlreiche Gemeinden als strukturschwach eingestuft würden. Benedikter nennt dabei unter anderem Orte wie Sarntal, Ritten, Terlan, Schlanders oder Sterzing. Diese als wirtschaftlich schwach zu bezeichnen, sei realitätsfern, so der Tenor der Kritik.
Der Hintergrund der Einstufung liege laut den Grünen vielmehr in einer gesetzlichen Regelung: Gemeinden mit diesem Status könnten in den kommenden fünf Jahren leichter neue Beherbergungsbetriebe genehmigen und so den geltenden Bettenstopp umgehen. Ziel sei es offenbar, weiteres Wachstum im Tourismussektor zu ermöglichen.
Bedenklich sei dabei laut Benedikter vor allem die langfristige Entwicklung. Als Beispiele nennt er touristisch stark erschlossene Regionen wie Teile des Burggrafenamts oder ladinische Täler, wo bereits heute Probleme wie Überlastung und zunehmender Ausverkauf spürbar seien.




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