60 Jahre danach

„Feuernacht“ für Grüne eher Gedenktag

Freitag, 11. Juni 2021 | 15:43 Uhr

Bozen – 60 Jahre sind seit der „Feuernacht“ vergangen und für viele Nachgeborene stellt sich die Frage: Ist es ein Datum des Feierns, oder eher einer des Gedenkens? „Für mich persönlich ist es ein mahnender Gedenktag. Wie schnell hätte der von einigen eingeschlagene Weg ins totale Verderben führen können und welches Leid hat bereits diese Eskalation über viele Menschen in unserem Land gebracht – auf allen Seiten der damals noch starren ethnischen Grenzen“, erklärt Felix von Wohlgemuth, der Co-Sprecher der Grünen in einer Aussendung.

Es sei für die Nachgeborenen nicht einfach, die Taten der Menschen von vor 60 Jahren zu beurteilen. „Sicher ist, dass damals aus Verzweiflung und mangelnder Perspektive für einige der Weg der Anschläge der einzig gangbare schien. Aber es gab sie auch bereits damals, die vernünftigen und weitsichtigen Menschen, die eben diesen Weg der Gewalt klar und offen abgelehnt haben“, so Felix von Wohlgemuth.

Zwar habe die Kriegsgeneration um Sepp Kerschbaumer den Schutz von Menschenleben zur obersten Maxime erklärt, doch – wie immer, wenn auf Gewalt als Lösung gesetzt wird – forderte die Eskalation des Konfliktes bald den ersten Blutzoll: durch einen Staat, welcher demokratisch noch nicht gefestigt war und mit Gewalt und Folter reagierte, durch unbeabsichtigte Explosionen, welchen Unschuldige zum Opfer fielen und schließlich durch die Verblendeten, welche im Guerillakampf mordeten.

„Wir dürfen nicht vergessen – und auch das ist für mich eine Lehre aus dieser ‚Feuernacht‘ – wohin das Scheitern des politischen Dialoges führen kann, nämlich zu Gewalt. Ebenso dürfen wir nicht vergessen, was mit der ‚Feuernacht‘ erreicht werden sollte: nicht die Autonomie, sondern eine gewaltsame Konfrontation zwischen den Sprachgruppen, eine Art Bürgerkrieg als Weg hin zur erhofften Selbstbestimmung. Es war ein falscher Weg“, betont der Co-Sprecher der Grünen.

Südtirolerinnen und Südtiroler – deutschsprachige, italienischsprachige, ladinischsprachige und natürlich auch die mehrsprachigen – hätten es wohl nur glücklichen Fügungen und mutigen Menschen zu verdanken, dass das Land nicht in einen blutigen Bürgerkrieg wie in Nordirland, dem Baskenland oder schlimmer noch, wie auf dem Balkan, abgerutscht ist. Diese Bürde sei den Nachgeborenen erspart geblieben.

„Die historische Auseinandersetzung mit den damaligen Geschehnissen ist und bleibt wichtig für das Verständnis unserer eigenen Identität. Aber es wäre falsch, die damaligen Akteure auf einen geschichtlichen Altar zu stellen, um dann jegliche kritische Auseinandersetzung mit der damaligen Zeit als Hochverrat abzustempeln. Die Mütter und Väter unserer Autonomie, deutsche, italienische und ladische, haben damals zum Glück erkannt, dass sich die Probleme unseres Landes nur im Dialog und mit Vertrauen lösen lassen – nicht mit Sprengstoff und Blutvergießen“, so Felix von Wohlgemuth.

Von: mk

Bezirk: Bozen

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