Von: luk
Bozen – Zum Internationalen Frauentag am 8. März haben sich in Südtirol zahlreiche Parteien, Verbände und Institutionen zu Wort gemeldet. In ihren Stellungnahmen thematisieren sie unter anderem Gleichstellung am Arbeitsmarkt, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Gewalt gegen Frauen sowie die gesellschaftliche und wirtschaftliche Rolle von Frauen.
Die Gewerkschaft SGBCISL weist darauf hin, dass Mutterschaft und Beruf in Südtirol weiterhin schwer vereinbar seien. Laut Generalsekretärin Donatella Califano haben im Jahr 2025 insgesamt 864 Frauen ihren Arbeitsplatz während der Schwangerschaft oder in den ersten drei Lebensjahren des Kindes aufgegeben. Zwischen 2018 und 2022 seien rund 3.500 Arbeitnehmerinnen aus dem Arbeitsmarkt ausgeschieden. Die Gewerkschaft fordert mehr flexible Arbeitszeiten, bessere Kinderbetreuung sowie mehr Beteiligung von Vätern an der Elternzeit.
Die Süd-Tiroler Freiheit betont die Mehrfachbelastung vieler Frauen durch Beruf, Kindererziehung und Pflege von Angehörigen. Landtagsabgeordnete Myriam Atz fordert eine stärkere Anerkennung von Erziehungs- und Pflegezeiten im Rentensystem sowie bessere Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, etwa durch Homeoffice und flexible Arbeitsmodelle.
Die SVP-Senatorin Julia Unterberger spricht sich gegen Pläne der Regierung aus, regionale Gleichstellungsrätinnen abzuschaffen und deren Aufgaben zentral in Rom anzusiedeln. Diese seien wichtige Anlaufstellen bei Diskriminierung am Arbeitsplatz. Unterberger verweist zudem auf bestehende Ungleichheiten am Arbeitsmarkt, etwa niedrigere Erwerbsquoten, häufigere Teilzeitarbeit und geringere Einkommen von Frauen.
Das Baukollegium Südtirol nutzt den Frauentag, um für mehr Frauen in der Bauwirtschaft zu werben. Laut Verband ist die Zahl der beschäftigten Frauen in der Branche zwischen 2019 und 2024 um 25 Prozent gestiegen, ihr Anteil liegt aber weiterhin unter zehn Prozent. Mit der Initiative „She builds“ will das Baukollegium Frauen in der Branche stärker vernetzen und fördern.
Die SVP hebt hervor, dass trotz Fortschritten weiterhin große Unterschiede zwischen Männern und Frauen bestehen. Landtagsabgeordnete Waltraud Deeg verweist unter anderem auf Einkommensunterschiede, die geringe Zahl von Frauen in Führungspositionen sowie die weiterhin schwierige Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Gleichzeitig erinnert sie daran, dass Frauen weltweit noch immer von Diskriminierung und Gewalt betroffen sind.
Der Wirtschaftsverband hds bezeichnet Gleichstellung als wichtigen Standortfaktor für die Wirtschaft. Präsident Philipp Moser und Direktorin Sabine Mayr betonen, dass fehlende Chancengleichheit zu Produktivitätsverlusten führe. Der Verband fordert unter anderem bessere Kinderbetreuung, flexible Arbeitsmodelle sowie gezielte Förderung von Frauen in Führungspositionen.
Der Verein Alzheimer Südtirol lenkt den Blick auf die Situation pflegender Angehöriger. Präsident Ulrich Seitz spricht von rund 9.000 Frauen in Südtirol, die über Jahre hinweg Angehörige betreuen. Diese Care-Arbeit sei finanziell und organisatorisch unzureichend abgesichert. Dadurch drohe, dass immer weniger Familien die Pflege zu Hause übernehmen können.
Der Katholische Familienverband Südtirol (KFS) würdigt zum Frauentag insbesondere das Engagement von Frauen im Ehrenamt. Präsidentin Sieglinde Aberham betont, dass Frauen eine tragende Rolle in Familie, Gesellschaft und Verbandsarbeit spielen. Seit mehr als 60 Jahren prägen Frauen die Arbeit des Familienverbandes maßgeblich.
Der Landesbeirat für Chancengleichheit für Frauen erinnert zum Frauentag an das 80-jährige Jubiläum des Frauenwahlrechts in Italien. 1946 konnten Frauen erstmals an nationalen Wahlen teilnehmen. Gleichzeitig warnt der Beirat vor Rückschritten bei Frauenrechten und betont, dass der Kampf für Gleichstellung weiterhin notwendig sei.
Auch die Freiheitlichen sehen weiterhin großen Handlungsbedarf in der Frauenpolitik. In ihrer Stellungnahme fordern sie mehr Sicherheit für Frauen, konsequente Strafverfolgung bei Gewalt- und Sexualdelikten sowie bessere wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Frauenpolitik dürfe nicht auf einen symbolischen Aktionstag beschränkt bleiben, sondern müsse das ganze Jahr über verfolgt werden.




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