Von: mk
Bozen – Die Suche nach Frieden gehört zu den drängendsten Herausforderungen unserer Zeit – global wie im Alltag. Der KVW (Katholischer Verband der Werktätigen) hat dieses Jahr das Jahresthema „Suche Frieden und jage ihm nach“ ausgewählt und aus diesem Anlass auch Cesare Zucconi, Vizepräsident der katholischen Laienbewegung Sant’Egidio, die mittlerweile in 70 Ländern aktiv ist, nach Bozen eingeladen.
Karl Brunner, geistlicher Assistent des KVW, führte in den Abend ein und unterstrich den Zusammenhang zwischen dem konkreten Einsatz für soziale Gerechtigkeit und der Friedensarbeit. Eugen Runggaldier, Generalvikar der Diözese, erinnerte an die franziskanische Spiritualität mit deutlichen Friedensimpulsen. Werner Atz, Geschäftsführer des KVW, hob die Bedeutung der Sozialverbände wie den KVW als Garanten für den Frieden in der Gesellschaft hervor, Kitty de Guelmi für die Acli und die Diözesankommission für Arbeit und soziale Gerechtigkeit betonte die große Bedeutung des Friedens für unsere Gesellschaften.
Zucconi, der an internationalen Friedensprozessen – unter anderem beim Friedensabkommen im Bürgerkrieg von Mosambik – beteiligt war bzw. ist, betont: „Frieden fällt nicht vom Himmel. Er erfordert Zeit, Geduld, Dialog und die Bereitschaft zum Kompromiss.“ Gerade dieser werde heute oft zu Unrecht abgelehnt. Doch ohne Kompromisse sei kein Ausweg aus Konflikten möglich. Derzeit schwelen 56 Konflikte auf der ganzen Welt und über 90 Ländern sind direkt oder indirekt daran beteiligt.
Mit Blick auf die aktuelle Weltlage zeigt sich Zucconi besorgt: Kriege würden zunehmend als legitimes Mittel wahrgenommen und endeten selten von selbst. Stattdessen verhärten sich Fronten, während das Leid der Zivilbevölkerung in den Hintergrund rücke. „Die ersten, die den Preis zahlen, sind die Schwächsten“, so Zucconi.
Umso wichtiger seien Menschen, die sich aktiv für Frieden einsetzen. Frieden brauche Vermittler, die Vertrauen schaffen, zuhören und Dialog ermöglichen. Sant’Egidio werde als Mittler auch deshalb akzeptiert, weil es keine direkten Interessen verfolge. Die europäische Geschichte zeige, dass Versöhnung möglich ist, wenn der politische Wille vorhanden ist.
Eine zentrale Rolle sieht Zucconi bei der Zivilgesellschaft: „Wir dürfen nicht in Ohnmacht oder Gleichgültigkeit verfallen.“ Bürgerinnen und Bürger seien aufgerufen, ihre Stimme zu erheben, demokratische Werte zu verteidigen und der wachsenden Kultur des Konflikts entgegenzutreten.
Frieden beginne dabei im Kleinen – in Familien, Nachbarschaften und Gemeinden. Zuhören, respektvolle Sprache und der Einsatz für Ausgegrenzte seien konkrete Schritte hin zu einer friedlicheren Gesellschaft. „Der Frieden ist eine Baustelle, die allen offensteht und er ist immer auch ein wenig ungerecht, weil nicht alle Forderungen einer oder mehrere Parteien erfüllt werden können!“ erinnert Zucconi.
Seine abschließende Botschaft ist zugleich einfach und eindringlich: „Wenn jeder etwas tut, kann man viel erreichen.“ Frieden sei keine abstrakte Idee, sondern eine gemeinsame Aufgabe, die jeden Einzelnen betreffe und erzählte vom sizilianischen Priester Pino Pugliesi der diesen Ausspruch prägten und sich der sizilianischen Mafia mutig entgegenstelle. Die Religionen laufen Gefahr sich benutzen zu lassen, dennoch reden religiöse Leader heute mehr miteinander als politische Vertreter. Ja, die Gesellschaft ist polarisiert, heute bekämpfen die Menschen Migranten und die Armen als Bedrohung, anstatt die Armut und es herrscht wieder eine Zeit der großen Vereinfachungen und auch der Vereinfacher“, so Zucconi. Gläubige könnten dem aber die 3 P der Gemeinschaft von Sant’Egidio entgegensetzen, nämlich preghiera, povertà und pace (Gebet, Armut/Nähe zu den Armen und Frieden). Aus dem Gebet wachse die Sensibilität für die Armen – und aus dieser Haltung heraus entstehe glaubwürdiger Einsatz für den Frieden.
Die Veranstaltung wurden von der Diözese Bozen Brixen, der Katholischen Männerbewegung, der Katholischen Frauenbewegung, dem Katholischen Forum, De Pace Fidei, der Consulta delle Aggregazioni Laicali und den ACLI Bozen mitgetragen.
Die Gemeinschaft Sant’Egidio engagiert sich seit Jahrzehnten weltweit in Friedensprozessen und sozialen Initiativen. Internationale Bekanntheit erlangte sie 1992 durch ihre erfolgreiche Vermittlung im Mosambik-Konflikt. Cesare Zucconi ist derzeitiger Vizepräsident.
www.santegidio.org




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