Von: mk
Bozen – Am 24. Februar 1945 starb Josef Mayr Nusser, von Hunger und Entbehrungen gezeichnet, im Alter von 35 Jahren am Bahnhof von Erlangen in einem Viehwagon, der ihn ins Konzentrationslager Dachau hätte bringen sollen, nachdem der aus Gewissensgründen den Eid auf den Führer und die SS verweigert hatte. Anlässlich seines 81. Todestages fand heute am Nusserhof am Bozner Boden eine Gedenkfeier zu Ehren Mayr Nussers statt.
Vertreter der Stadt Bozen und des Landes, Verantwortliche staatlicher Behörden sowie eine Delegation der Partisanenvereinigung ANPI und der Veteranenverbände legten an der Gedenktafel Blumen zu Ehren dieses aufrechten Mannes nieder, der sich aus tiefer christlicher Überzeugung der NS-Herrschaft widersetzt hatte und dies mit seinem Leben bezahlen musste.
Bozens Bürgermeister Claudio Corrarati erinnerte am heutigen Gedenktag an die Worte Mayr Nussers, die Mayr Nussers Standhaftigkeit versinnbildlichen und die gleichzeitig sein Todesurteil waren: „Keinen Eid auf diesen Führer.“ Die von seinen christlichen Überzeugungen geprägte Wertehaltung und sein moralischer Kompass seien bis heute prägend. 2010 wurde er zum Ehrenbürger der Stadt Bozen ernannt und 2017 von Papst Franziskus seliggesprochen.
Corrarati betonte bei seiner Ansprache das enge Verhältnis Mayr Nussers zu seiner Familie. Eine Woche vor seiner Eidesverweigerung schrieb Mayr Nusser in einem Brief an seine Frau: „Wie ich mich […] verhalten würde, darüber war ich keinen Augenblick im Zweifel, und Du wärst nicht meine Frau, wenn Du etwas anderes von mir erwartetest. Dieses Bewusstsein, geliebtes Weib, dieses selbstverständliche Zusammenstimmen in dem, was uns am heiligsten ist, bedeutet für mich einen unsagbaren Trost.“ Die Familie, so Corrarati, sei der Ort, an dem jene Werte gepflegt und weitergegeben werden müssen, ohne die es keine starke Gemeinschaft gebe. Es gelte, die gesamte Stadt in das Gedenken einzubeziehen, nicht nur die offiziellen Gedenkstätten, denn die Erinnerung sei nicht zuletzt auch in den Familien lebendig. Es gelte, die Gedenkkultur in die ganze Breite der Gesellschaft zu bringen.
An der Gedenkfeier nahmen auch Landesrat Luis Walcher, der Vorsitzende des Partisanenverbandes ANPI Guido Margheri und Simon Klotzner, der Sprecher von Südtirols Katholischer Jugend, teil. Schülerinnen und Schüler der Mittelschule Ilaria Alpi ließen die Anwesenden an ihren Gedanken zur Entscheidung Mayr Nussers teilhaben und betonten die Aktualität seiner Werte für die heutigen Generationen.
„Das Gedenken darf niemals als eine Formalität betrachtet werden, sondern als eine Haltung, die im Alltag gelebt werden muss. Das Beispiel Mayr Nussers lehrt uns den Wert der Menschenwürde, der Freiheit, des Friedens, der Demokratie und des guten Zusammenlebens, und diese Werte brauchen das Engagement aller.“
Nach der Eingliederung Südtirols in die Operationszone Alpenvorland wurde Mayr Nusser zur SS eingezogen. Am 4. Oktober 1944 sollte Mayr Nusser den „Führereid“ ablegen. Das verweigerte er aus Gewissensgründen. Daraufhin wurde Mayr Nusser verhaftet und zum Tode verurteilt. In einem Viehwaggon wurde er in das Konzentrationslager Dachau deportiert. Am 24. Februar 1945 starb Mayr Nusser auf dem Weg nach Dachau in Erlangen an den Entbehrungen und Misshandlungen, denen er ausgesetzt war. Die Partnerschaft zwischen Bozen und Erlangen ist heute ein lebendiges Zeichen des Gedenkens an Josef Mayr Nusser.




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