Von: luk
Bozen – In Südtirol verdienen Frauen weiterhin deutlich weniger als Männer. Das geht aus einer aktuellen Erhebung des Landesinstituts für Statistik ASTAT zum Jahr 2024 hervor. Besonders groß ist die Lohnlücke in der Privatwirtschaft, während sie im öffentlichen Dienst deutlich geringer ausfällt.
Der sogenannte Gender-Pay-Gap – also der prozentuale Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen – liegt in der Privatwirtschaft bei 17,5 Prozent. Damit ist er im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen (2023: 17,3 Prozent). Im öffentlichen Dienst hingegen sank der Wert auf 12,2 Prozent und erreichte damit den niedrigsten jemals gemessenen Stand.
Deutliche Unterschiede bei Einkommen
Die Zahlen zeigen klare Differenzen bei den Einkommen: In der Privatwirtschaft verdienen Männer im Schnitt 129 Euro brutto pro Tag, Frauen hingegen nur 91,8 Euro. Das entspricht einem Unterschied von fast 29 Prozent, wenn alle Beschäftigungsformen berücksichtigt werden.
Auch bei Vollzeitstellen bleibt die Lücke erheblich. Besonders groß ist sie in Führungspositionen mit 25,1 Prozent. Bei Angestellten liegt sie bei 22,6 Prozent, während sie bei Arbeitern mit 16,3 Prozent etwas geringer ausfällt. Nur bei Lehrlingen verdienen Frauen im Schnitt mehr als Männer.
Große Unterschiede je nach Branche
Je nach Wirtschaftssektor fällt der Gender-Pay-Gap sehr unterschiedlich aus. Besonders hoch ist er im Finanz- und Versicherungswesen (29,4 Prozent) sowie im Immobilienbereich (29,5 Prozent). Deutlich niedriger ist er im Gastgewerbe, das zugleich viele Beschäftigte zählt, mit 12,5 Prozent.
Ein Lohnvorteil für Frauen zeigt sich nur in wenigen Bereichen – etwa in der Abfall- und Wasserwirtschaft. Allerdings arbeitet dort nur ein sehr kleiner Teil der Beschäftigten.
Lohnlücke steigt mit dem Alter
Auffällig ist auch die Entwicklung nach Altersgruppen: Mit zunehmendem Alter wächst der Einkommensunterschied zwischen den Geschlechtern. Nur bei den unter 20-Jährigen verdienen Frauen im Schnitt mehr, danach vergrößert sich die Lücke kontinuierlich.
Öffentlicher Dienst mit geringerer Lohnlücke
Im öffentlichen Sektor ist der Gender-Pay-Gap deutlich geringer. Bei Vollzeitbeschäftigten beträgt er 12,2 Prozent und ist damit im landesweiten Vergleich einer der niedrigsten Werte Italiens.
Allerdings arbeiten deutlich mehr Frauen in Teilzeit als Männer – fast jede zweite Frau im öffentlichen Dienst ist teilzeitbeschäftigt. Das trägt wesentlich zur gesamten Lohnlücke bei, da Teilzeitstellen in der Regel schlechter bezahlt sind.
Besonders groß ist der Unterschied im Gesundheitswesen, wo Männer häufiger in besser bezahlten Facharztpositionen tätig sind, während Frauen öfter in geringer entlohnten Pflegeberufen arbeiten.
Südtirol im Italien-Vergleich
Im nationalen Vergleich zeigt sich ein gemischtes Bild: Während Südtirol im öffentlichen Dienst zu den Regionen mit der geringsten Lohnlücke zählt, liegt es in der Privatwirtschaft auf einem der hinteren Plätze.
Ein Grund dafür ist laut ASTAT die hohe Erwerbstätigenquote im Land. Je mehr Menschen – insbesondere auch in weniger qualifizierten Jobs – arbeiten, desto größer wird tendenziell der Gender-Pay-Gap.
Die Daten zeigen: Trotz Fortschritten im öffentlichen Dienst bleibt die Einkommensschere zwischen Männern und Frauen in Südtirol ein strukturelles Problem – vor allem in der Privatwirtschaft. Unterschiede in Branchen, Positionen, Arbeitszeitmodellen und Karriereverläufen tragen weiterhin wesentlich dazu bei.




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