Das war der Tag der Arbeit in Südtirol

Gewerkschaften fordern faire Löhne, Sicherheit und Perspektiven

Samstag, 02. Mai 2026 | 10:26 Uhr

Von: luk

Bozen/Völs – Mit klaren Botschaften und gut besuchten Veranstaltungen haben Südtirols Gewerkschaften am 1. Mai auf zentrale Herausforderungen für Arbeitnehmer hingewiesen. Sowohl der Autonome Südtiroler Gewerkschaftsbund (ASGB) in Völs als auch die drei Gewerkschaftsbünde CGIL/AGB, SGBCISL und UIL-SGK in Bozen stellten dabei Themen wie leistbares Leben, gerechte Entlohnung und Arbeitssicherheit in den Mittelpunkt.

In Völs nutzte ASGB-Vorsitzender Tony Tschenett die traditionelle Maifeier vor zahlreichen Besuchern für deutliche Worte. Trotz wirtschaftlicher Stärke und Rekordzahlen – etwa im Tourismus – könnten sich viele Einheimische das Leben in Südtirol kaum noch leisten. Besonders junge Menschen und Fachkräfte würden zunehmend abwandern, da sie mit hohen Lebenshaltungskosten, niedrigen Löhnen und fehlenden Perspektiven konfrontiert seien.

Der ASGB fordert daher mehr lokale Gestaltungsmöglichkeiten bei Löhnen und Arbeitsbedingungen. Nationale Kollektivverträge würden die Südtiroler Realität oft nicht widerspiegeln. Zudem rückte Tschenett auch die Situation von Rentnern in den Fokus: Kleine Pensionen stünden häufig in keinem Verhältnis zu den hohen Preisen im Land.

Parallel dazu stand die Maifeier der Gewerkschaften CGIL/AGB, SGBCISL und UIL-SGK in Bozen unter dem Motto „Für eine würdevolle Arbeit“. Im Zentrum der Veranstaltung auf den Talferwiesen standen gerechte Bezahlung, sichere Arbeitsbedingungen und stabile Beschäftigungsverhältnisse.

Zu Beginn wurde eines tödlichen Arbeitsunfalls in Klausen gedacht – ein Anlass, der die Forderung nach mehr Arbeitssicherheit unterstrich. Gewerkschaftsvertreter warnten vor einem zunehmenden Druck auf Beschäftigte, etwa durch Auftragsvergaben nach dem Prinzip des billigsten Angebots. Dieser Wettbewerb gehe oft zulasten von Löhnen und Arbeitsbedingungen.

Zudem wiesen die Gewerkschaften auf soziale Ungleichheiten hin: Besonders Frauen, junge Menschen und Migranten seien häufig von prekären Arbeitsverhältnissen, Lohndiskriminierung und Schwarzarbeit betroffen. Auch die steigende Zahl von Arbeitnehmern, die mit ihrem Einkommen kaum bis zum Monatsende auskommen, bereite Sorgen.

Neben den Kundgebungen nahmen Gewerkschaftsvertreter in Bozen auch an Kranzniederlegungen zum Gedenken an Opfer von Arbeitsunfällen teil.

Einigkeit herrschte bei allen Organisationen darüber, dass der Tag der Arbeit mehr ist als ein symbolischer Feiertag: Er bleibt ein politischer Auftrag, sich für bessere Arbeitsbedingungen, soziale Sicherheit und echte Zukunftsperspektiven in Südtirol einzusetzen.

Bezirk: Bozen, Salten/Schlern

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