Von: APA/AFP/dpa
Nach einem Treffen mit dem US-Sondergesandten Jeff Landry sieht Grönlands Regierungschef Jens-Frederik Nielsen keine Veränderung der US-Position im Streit um die arktische Insel. Er sei mit dem US-Gesandten “in einem positiven Geist und mit großem gegenseitigen Respekt” ins Gespräch gekommen, sagte Nielsen am Montag. Das Gespräch sei “konstruktiv” gewesen, aber es habe “keine Anzeichen” für eine veränderte Haltung der USA gegeben.
“Wir haben unmissverständlich bekräftigt, dass die Bevölkerung Grönlands nicht zum Verkauf steht und dass die Grönländer das Recht auf Selbstbestimmung haben”, betonte Nielsen. Auch Grönlands Außenminister Mute Egede sagte, die US-Regierung habe ihr Vorhaben, die Insel zu übernehmen, nicht aufgegeben. “Wir haben unsere roten Linien. Auch der Standpunkt der Amerikaner hat sich nicht verändert”, sagte der Außenminister.
Mehrtägiger Besuch nach Krise wegen Trumps Besitzansprüchen
Landry war am Sonntag zu einem mehrtägigen Besuch in Grönland eingetroffen, wo er auch an einer Wirtschaftskonferenz teilnehmen wird. US-Präsident Donald Trump hatte den republikanischen Gouverneur von Louisiana im Dezember zu seinem Sondergesandten für die Arktisinsel ernannt. Seit seiner Rückkehr ins Weiße Haus hat Trump immer wieder Besitzansprüche auf das zum NATO- und EU-Mitgliedstaat Dänemark gehörende Grönland erhoben und die NATO damit in eine tiefe Krise gestürzt.
Drohungen einer gewaltsamen Übernahme nahm er Ende Jänner nach einem Treffen mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte zurück. Stattdessen setzten die USA, Dänemark und Grönland eine gemeinsame Arbeitsgruppe ein.
Landry schlägt beschwichtigende Töne an
Seinen ersten Eindruck von der Insel hatte Landry dem Fernsehsender DR nach Ankunft in der bewölkten Hauptstadt Nuuk geschildert: “Ich liebe es – es ist großartig.” Angesichts der wiederholten Drohungen von Trump sorgen Besuche wie dieser unter Einheimischen für Unruhe. Landry schlug jedoch bei DR beschwichtigende Töne an: “Ich bin nur hier, um Beziehungen aufzubauen, zuzuhören, zu lernen und zu sehen, ob es Möglichkeiten gibt, die Beziehungen zwischen den USA, Grönland und Dänemark auszubauen.”
Sondergesandter mit Botschaft von Trump im Gepäck
Auch eine Botschaft von Trump hatte Landry im Gepäck. “Er hat zu mir gesagt: ‘Reise dorthin und finde so viele Freunde, wie du nur kannst'”, sagte der US-Amerikaner. Nach Einschätzung des dänischen Grönland-Experten Ulrik Pram Gad nimmt das jedoch nicht die Anspannung aus dem Konflikt. “Das Problem ist, dass es sich wie Druck anfühlt, selbst wenn sie nette und freundliche Dinge sagen, weil Trumps Agenda damit nicht vom Tisch ist”, sagte er DR. Das Image des freundlichen Nachbarn USA habe der Präsident selbst zerstört.




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