Brand in Moskauer Raffinerie nach Drohnenangriff

Größter Drohnenangriff der Ukraine auf Moskau seit Jahren

Donnerstag, 18. Juni 2026 | 13:36 Uhr

Von: APA/dpa/Reuters

Die Ukraine hat am Donnerstag den größten Drohnenangriff auf Moskau seit Jahren ausgeführt und dabei auch eine wichtige Ölraffinerie getroffen sowie den zivilen Flugverkehr lahmgelegt. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj nannte die Angriffe eine “völlig gerechtfertigte Antwort” auf russische Attacken auf die Ukraine. Russland attackierte seinerseits die ukrainische Hauptstadt Kiew erneut mit Raketen und unternahm weitere Luftangriffe auf andere Landesteile.

In beiden Ländern starben nach Behördenangaben mehrere Menschen. Selenskyj hatte am Mittwoch seine Bemühungen vorangetrieben, mit Unterstützung von US-Präsident Donald Trump den russischen Präsidenten Wladimir Putin für ein Friedensabkommen zu gewinnen. Putin, der vor vier Jahren den Großangriff auf die Ukraine befohlen hatte, lehnt Gespräche mit Selenskyj bisher ab.

Angriff auf Raffinerie in Moskau

Die russische Flugabwehr schoss nach Angaben des Verteidigungsministeriums in der Nacht zum Donnerstag landesweit 555 ukrainische Drohnen ab. Der staatlichen Nachrichtenagentur Tass zufolge handelte es sich um einen der größten Angriffe auf Russland in diesem Jahr. Allein über Moskau habe die Flugabwehr rund 180 Drohnen abgefangen, teilte Bürgermeister Sergej Sobjanin auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mit. Bewohner mussten evakuiert werden.

Mehrere Drohnen seien bis zu einer Raffinerie im südöstlichen Stadtbezirk Kapotnja durchgedrungen, erklärte Sobjanin. Ein Augenzeuge berichtete von Flammen und Rauchwolken über der Anlage. Für die Raffinerie war es der zweite Treffer in dieser Woche. Die anhaltenden ukrainischen Angriffe auf russische Energieanlagen verschärfen die Treibstoffkrise in Russland. Der weltweit drittgrößte Ölproduzent wird Insidern zufolge in diesem Monat Benzin auf dem Seeweg importieren müssen, um Engpässe zu vermeiden.

Infolge des Angriffs wurde auf dem Moskauer Autobahnring nahe der Raffinerie der Verkehr gestoppt. An den Moskauer Flughäfen wurde der Flugbetrieb aus Sicherheitsgründen eingestellt. Am größten Airport Scheremetjewo im Nordwesten der Stadt suchten Menschen in Parkhäusern Schutz, wie die Flughafenverwaltung mitteilte. In sozialen Medien kursierten zahlreiche Videos von Augenzeugen der Angriffe. Regierungsnahe russische Blogger forderten, das Filmen ukrainischer Drohnenangriffe zu bestrafen.

Neben Moskau hat die Ukraine bei ihren Drohnenangriffen auch weitere russische und von Russland kontrollierte Regionen ins Visier genommen. Einen Toten gab es in der Grenzregion Belgorod, zudem mehrere Verletzte in Belgorod, Kursk, aber auch dem von Russland besetzten Teil des ukrainischen Gebiets Donezk.

Selenskyj: Angriff sei Teil der “Langstrecken-Sanktionen”

Selenskyj bestätigte in sozialen Netzwerken die Attacke auf die Raffinerie. Er bezeichnete den Angriff als Teil der ukrainischen “Langstrecken-Sanktionen”. Er dankte den ukrainischen Geheimdiensten für den Angriff. Die Anlage sei ein für die russische Kriegsmaschinerie wichtiges Objekt gewesen, schrieb er.

Laut Selenskyj seien die nächtlichen Angriffe der Ukraine eine Reaktion auf einen russischen Angriff in dieser Woche auf Kiew gewesen, bei dem zehn Menschen getötet wurden und das zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörende Höhlenkloster Petscherska Lawra schwer beschädigt wurde.

Der Angriff auf die russische Hauptstadt fiel erneut mit einem von Präsident Wladimir Putin veranstalteten internationalen Großereignis zusammen, dem ASEAN-Gipfel in Kasan an der Wolga. Anfang Juni hatte die Ukraine weithin sichtbar ein Tanklager in St. Petersburg in Brand geschossen, als dort Putins Internationales Wirtschaftsforum tagte.

Raketenangriffe auf Kiew

In Kiew waren nach den russischen Angriffen Explosionen zu hören. “Der Feind greift die Hauptstadt mit ballistischen Raketen an”, erklärte der Leiter der Kiewer Militärverwaltung, Tymur Tkatschenko. Für weite Teile der Ukraine wurde Luftalarm ausgelöst. In der nordöstlichen Stadt Sumy kam den Behörden zufolge ein Mensch bei einem Drohnenangriff ums Leben. Vor wenigen Tagen waren bei einem russischen Großangriff auf Kiew zehn Menschen getötet und das weltberühmte Höhlenkloster beschädigt worden.

Auch in den von Russland kontrollierten Gebieten und russischen Grenzregionen gab es zivile Opfer: In der ukrainischen Stadt Enerhodar, in der viele Mitarbeiter des von Russland besetzten Atomkraftwerks Saporischschja leben, wurde nach Angaben der russischen Verwaltung ein Mensch getötet. In den russischen Regionen Belgorod und Rostow kamen durch ukrainische Drohnenangriffe offiziellen Angaben zufolge zwei Menschen ums Leben.

Russland und die Ukraine tauschten unterdessen Leichen von im Krieg gefallenen Soldaten aus. Die Ukraine habe Russland 33 Leichen übergeben, im Gegenzug habe die Ukraine von Russland 522 Leichen erhalten, berichtet das russische Medienportal RBC unter Berufung auf einen russischen Abgeordneten.

Diplomatische Bemühungen

Selenskyj hatte seine diplomatischen Bemühungen am Mittwoch zum Abschluss des G7-Gipfels im französischen Evian vorangetrieben. Auf Telegram sprach er von einem “koordinierenden Gespräch” mit Trump und dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron. Er sei Trump dankbar für dessen Bereitschaft, einen Frieden näher zu bringen. In Brüssel traf Selenskyj mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte zusammen, um über die Stärkung der ukrainischen Verteidigung und US-Lizenzen für die Produktion von Flugabwehrsystemen zu beraten.

Am Donnerstag kommt zudem die sogenannte Ramstein-Gruppe zusammen, ein Bündnis von mehr als 50 Staaten, das die Ukraine militärisch und finanziell unterstützt. Dabei will die Ukraine nach Angaben von Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow um weitere Militärhilfen in Höhe von 20 Milliarden Dollar bitten. Auch die Lieferung von Luftabwehrsystemen soll besprochen werden. Dabei gehe es um eine Lieferung des sogenanntes PURL-Programms (Partnership for Ukraine Resilience Liaison) der NATO, teilte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in einer Sprachnachricht an Journalisten mit.

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