Von: mk
Bozen – Die Grünen warnen vor einer Kapitalisierung des öffentlichen Raumes, die in ihren Augen weiter voranschreitet. Der Trend zeigt es: Man mietet öffentliche Orte für exklusiven privaten Nutzen.
Wir erinnern uns an Jeff Bezos’ Hochzeit in Venedig im Juni 2025, als große Teile der Stadt für das Event gesperrt und aus Sicherheitsgründen militarisiert wurden. Heuer war die Hochzeit der Sängerin Dua Lipa dran, die in den vergangenen Tagen in Palermo gefeiert hat. Auch dieses Mal wurden ganze Plätze zum Eigennutzen abgesperrt. In beiden Fällen hat die lokale Bevölkerung protestiert: „Unser Platz ist nicht euer Wohnzimmer!”, so der Slogan in der sizilianischen Hauptstadt.
„Beide Orte haben ihre Probleme mit steigenden Preisen und voranschreitender Wohnungsnot, beides auch der touristischen Entwicklung zuzuschreiben. Die internationale Sichtbarkeit, die die Stadt mit ihren öffentlichen Räumen zu einer puren Szenographie degradiert, hilft dabei nicht“, schreibt Elide Mussner in einer Aussendung.
Immer in diesen Tagen erlebe man auch die große Empörung in Albanien, wo Ivanka Trump und Jared Kushner auf der Insel Sazan im Naturschutzgebiet Zvernec ein Luxusresort bauen wollen. Es sollen bis zu 10.000 Zimmer innerhalb von zehn Jahren entstehen. Der albanische Premier Rama unterstützt die Aktion vehement.
„Auch bei uns in Südtirol lassen die Zeichen eine ähnliche, wenn auch in kleinerem Maße stattfindende Kapitalisierung des Gemeinwohls erkennen. Am Pragser Wildsee kann man Slots für private Hochzeitsevents mieten, auf den Dolomitenpässen bietet man Rennfahrten mit privater Eskorte an, am Berg veranstaltet man Konzerte und DJ-Sets und der Hofburggarten in Brixen wird zum Vergnügungspark umgestaltet. Als wäre der öffentliche Raum privates Gut!“, kritisieren die Grünen.
Der Tenor sei klar: Wer bezahlt, kann haben, so die Grünen. Elide Mussner spricht von einem gravierenden Zeichen von sozialer Verarmung. Das Bewusstsein dafür, dass der Lebensraum öffentlich ist und bleiben soll, gehe verloren. „Dabei sollte klar sein: Der öffentliche Raum, unsere Natur, unsere Plätze, gehören allen und sollen für alle zugänglich bleiben, ohne Ausnahmen. Der öffentliche Raum soll und darf keinen Preis haben“, erklären die Grünen abschließend.




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