Von: apa
Alexander Zverev hat sich den Traum vom ersten Tennis-Grand-Slam-Sieg erfüllt. Der 29-jährige Weltranglisten-Dritte kürte sich am Sonntag bei den French Open zum ersten deutschen Majorsieger seit über 30 Jahren, als Boris Becker 1996 die Australian Open gewonnen hatte. Zverev besiegte den 24-jährigen Finaldebütanten Flavio Cobolli aus Italien 6:1,4:6,6:4,6:7(5),6:1 und stellte im Head-to-Head auf 4:1. Zverev kassierte für den Titel 2,8 Mio. Euro, Cobolli erhielt die Hälfte.
Wie einst Dominic Thiem holte Zverev in seinem vierten Grand-Slam-Finale den überfälligen ersten Titel, sein insgesamt 25. Gegen Thiem hatte er ja 2020 im Finale der US Open nach einem dramatischen Spiel verloren. Zverev hatte lange Zeit als bester Tennisspieler ohne Major-Titel gegolten und war immer wieder darauf reduziert worden, trotz Olympia-Gold oder zwei ATP-Finals-Titeln. Nun ist er der erste Roland-Garros-Sieger aus Deutschland in der Profiära überhaupt.
“Dieser Court bedeutet mir so viel: Ich hatte die besten Momente meines Lebens auf diesem Court und auch die schlimmsten”, erinnerte sich Zverev in seiner Siegeransprache. “Ich bin in dem Eck da drüben gelegen, als ich mir gegen Nadal alle Bänder gerissen habe und habe vor zwei Jahren das Finale verloren. Und nun endlich gibt es ein Happy End.” Seinem von seinem Vater angeführten Team dankte er. “Um ehrlich zu sein, wir haben so viel durchgemacht, Verletzungen, Niederlagen, aber am Ende des Tages sind wir jetzt Grand-Slam-Champions.”
Cobolli, der mit Zverev befreundet ist, zeigte sich als großer Verlierer und kam auch gleich nach dem Matchball zu Zverev und umarmte ihn. “Es ist nicht leicht für mich, aber: Wenn mich jemand gefragt hätte, wer es mehr verdient hätte, hätte ich immer dich genannt. Ich bin glücklich für dich, aber auch traurig, weil ich war nahe dran und ich fühle es”, sagte der Aufsteiger und fügte hinzu: “Jetzt, wo du deinen Traum erreicht hast, lass mich das nächste Mal gewinnen. Ich bin immer noch jung, es ist noch nicht vorbei.”
Auch zweifacher Paris-Finalist Thiem schaute zu
Vor den Augen vieler Stars, darunter Musiker Lenny Kravitz und Oscar-Gewinner Rami Malek und auch Österreichs zweifachen Paris-Finalisten Thiem, übernahm der Favorit zunächst klar die Kontrolle. Zverev, der in zuvor 40 Major-Turnieren drei Finali erreicht hatte, gelang im umkämpften Auftaktgame gleich das Break. Während Zverev dieses sicher bestätigte, fand Cobolli nicht in die Spur. Der Italiener war in seinem ersten Major-Endspiel im ersten Satz ohne Chance. Breaks zum 4:1 und 6:1 waren eine klare Ansage von Zverev, der nach 34 Minuten Satz eins in der Tasche hatte.
Doch im Laufe des zweiten Satzes steigerte sich Cobolli, legte auch eine Portion Nervosität ab und nutzte im siebenten Game seine zweite Breakchance zum 4:3. Das Match gewann deutlich an Niveau und vor allem ein aggressiverer Cobolli steigerte sich um zwei Klassen. Nach 90 Minuten glich der Italiener mit 6:4 nach Sätzen aus. Durchgang drei verlief lange ausgeglichen, Cobolli wehrte bei 1:2 zwei Breakbälle ab. Danach überzeugten die Aufschläger, teilweise auch mit Aufschlag-Volley. Doch bei 5:4 für Zverev unterliefen Cobolli nach einem 30:0 Fehler und der Deutsche erhielt bei 30:40 einen Break- und somit Satzball, den Cobolli selbst zum 4:6 verschlug.
Zverev wackelt im vierten Satz
Doch gleich zu Beginn des vierten Satzes schaffte der Italiener dank kräftiger Mithilfe von Zverev ein Break. Cobolli zog auf 3:1 davon, aber dem routinierten Deutschen gelang das Rebreak zum 3:3. Zverev, eigentlich wieder am Drücker, stürmte dann mehrmals mit Serve-Volley zum Netz und wollte die Ballwechsel verkürzen. Die Rechnung bekam er mit dem nächsten Serviceverlust zum 3:4 präsentiert. Cobolli erhöhte auf 5:3. Bei Zverev waren erste körperliche Auswirkungen sichtbar, er hatte offenbar Probleme im rechten Oberschenkel. Doch den fünften Satz vor Augen packte Zverev nochmals sein bestes Tennis aus und ihm gelang gerade rechtzeitig das Rebreak zum 5:5. Bei 6:5 wurde er dann am rechten Oberschenkel behandelt.
Cobolli schlug sich zu Null ins Tiebreak und nach 3:29 Stunden schaffte es der Außenseiter doch tatsächlich in Satz fünf. Der vierte Durchgang dauerte allein 73 Minuten. Zverev, der als Diabetiker via Handy-App auch immer wieder seinen Blutzuckerspiegel überprüfte, schaffte aber im Entscheidungssatz gleich das Break. Er stellte unmittelbar danach nach Abwehr eines Breakballs auf 2:0 und nahm Cobolli zum 3:0 gleich noch einmal das Service ab. Zverev wehrte danach drei Breakbälle ab und mit dem 4:0 waren die Weichen zum Sieg endgültig gestellt.
Zverev dritter deutscher Majorsieger der Open Era
Zverev ist erst der fünfte Deutsche, dem bei einem der vier großen Tennis-Events – Australian Open, French Open, Wimbledon, US Open – ein Triumph gelungen ist. Boris Becker (6 Titel) und Michael Stich (1) waren bis dato die einzigen, die dies in der Profi-Ära seit 1968 geschafft haben. Das frühe Aus von Jannik Sinner nach einer Art Hitzeschlag, das Fehlen des verletzten Titelverteidigers Carlos Alcaraz wird in diesem Zusammenhang wohl immer mitschwingen, denn von den Australian Open 2024 bis inklusive 2026 hatten der Italiener und der Spanier alle neun Majors gewonnen. Zverev wird es nicht stören, endlich hat er aus seiner Sicht diese Hürde genommen.




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