Israel setzte Bombardement fort

Hamas: Mehrere Tote durch israelischen Luftangriff auf Gaza

Samstag, 02. Dezember 2023 | 18:06 Uhr

Bei einem israelischen Luftangriff im Bereich des Flüchtlingsviertels Jabalia im Norden des Gazastreifens hat es laut Hamas viele Tote gegeben. Dabei wurden laut der von den Islamisten kontrollierten Gesundheitsbehörde auch zahlreiche Menschen verletzt. Unter den Todesopfern sei auch der Präsident der Islamischen Universität in Gaza, Sufian Tajeh (52), hieß es am Samstag aus Hochschulkreisen. Ein israelischer Armeesprecher bestätigte Angriffe im Bereich von Jabalia.

Die israelische Armee hatte die Islamische Universität bereits im vergangenen Monat mit der Begründung bombardiert, diese habe als Ausbildungszentrum für Ingenieure der islamistischen Hamas gedient. Israel hat Aufrufe an die Bevölkerung im Gazastreifen bekräftigt, die Kampfgebiete zu verlassen und sich in ausgewiesene Gebiete im Süden des Küstenstreifens zu begeben.

Allerdings hatte das israelische Militär zuvor sein Bombardement im südlichen Gazastreifen e verstärkt. Wie die Armee am zweiten Tag nach Auslaufen der Feuerpause in der Früh mitteilte, bombardierten Kampfflugzeuge in der Nacht in der Gegend der Stadt Khan Younis mehr als 50 Ziele. Terroristen und Infrastruktur der islamistischen Hamas seien zudem in der Gegend von Beit Lahia mit Panzern und gezielten Luftschlägen attackiert worden, hieß es weiter.

Israelische Marineeinheiten hätten ferner in der Nacht militärische Ziele der Hamas im Hafen von Khan Younis sowie in Deir al-Balah mit Präzisionsmunition angegriffen. Dabei sei Infrastruktur und Ausrüstung der Marine-Streitkräfte der Hamas getroffen worden. Israel hatte zuvor wochenlang die Bewohner des nördlichen Gazastreifens aufgefordert, zu ihrer Sicherheit in den südlichen Teil zu flüchten.

Israels Armee veröffentlichte zwar am Freitag eine Karte für die Zivilbevölkerung, die das Gebiet in nummerierte Zonen einteilt – “in Vorbereitung auf die nächste Phase des Krieges”. Dies solle Bewohnern ermöglichen, “sich zu orientieren, die Anweisungen zu verstehen und sich bei Bedarf von bestimmten Orten aus in Sicherheit zu bringen”. Die heftigen Angriffe des israelischen Militärs am Samstag bieten jedoch erneut Anlass zur Sorge über Opfer unter der Zivilbevölkerung.

Israels Streitkräfte nahmen im Norden Gazas erneut am Boden und aus der Luft Ziele unter Beschuss. Dabei sei eine Terrorzelle, die die israelischen Truppen in einen Hinterhalt gelockt habe, bombardiert worden, hieß es am Samstag. Zudem habe ein Kampfflugzeug eine Moschee, die dem Islamischen Jihad als Kommandozentrale gedient habe, beschossen. Im Verlauf des vergangenen Tages habe man im gesamten Küstengebiet so mehr als 400 “Terrorziele” angegriffen, wie Israels Armee weiter bekannt gab. Sämtliche Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.

Laut der von der islamistischen Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde wurden seit dem Ende der Feuerpause rund 240 Menschen bei israelischen Angriffen getötet. 650 weitere Menschen seien bei den israelischen Angriffen verletzt worden. Die Zahlen waren unabhängig nicht zu überprüfen.

Die Hamas hatte nach Ende der einwöchigen Kampfpause eigenen Angaben zufolge erstmals wieder Raketen auf das Zentrum Israels abgefeuert. Seit dem Beginn des Gaza-Kriegs wurden israelischen Angaben zufolge rund 10.000 Raketen aus dem Gazastreifen auf Israel abgeschossen.

Israel brach indes die Verhandlungen über eine neue Feuerpause in Katar ab. Die Delegation des Geheimdienstes Mossad sei abgezogen worden, teilt die israelische Regierung mit. Die Hamas habe ihren Teil der Abmachung nicht erfüllt und nicht alle Kinder und Frauen, die auf der vereinbarten Liste gestanden hätten, freigelassen.

Unterdessen wurde Israel eigenen Angaben zufolge auch aus dem nördlichen Nachbarland Libanon beschossen. Das israelische Militär teilte am Samstag zu Mittag mit, zwei Mörsergranatenabschüsse auf israelischem Gebiet im Norden registriert zu haben. Die Mörser fielen demnach auf offenes Gelände. Als Reaktion darauf habe das Militär den Ort der Abschussraketen angegriffen und mit Artillerie auf mehrere Orte im Libanon gefeuert.

Die vom Iran unterstütze Hisbollah-Miliz im Libanon teilte mit, am Vormittag einen Artilleriebunker im Grenzgebiet mit Raketen angegriffen zu haben. Am Vormittag sei unter anderem ein Artilleriebunker im Grenzgebiet mit Raketen angegriffen worden, so die Schiitenorganisation. Als Reaktion auf einen Angriff vom Vortrag habe die Miliz außerdem mit “entsprechenden Waffen” auf israelische Streitkräfte gefeuert. Auch am Vortag hatte es an der Grenze zwischen den beiden Ländern wieder Gefechte gegeben.

Nach Angaben der Hamas, die sich nicht unabhängig überprüfen lassen, wurden seit Beginn der Kämpfe mehr als 15.000 Menschen in dem Palästinensergebiet getötet, unter ihnen mehr als 6.000 Kinder und Jugendliche. Nach der Wiederaufnahme der Kämpfe waren in israelischen Gebieten in der Nähe des Gazastreifens Alarmsirenen zu hören. In einem Ort traf eine Rakete einen Lieferwagen.

Laut UN-Angaben wurden seit Kriegsbeginn vor acht Wochen rund 1,7 Millionen Menschen im Gazastreifen vertrieben. Die humanitäre Lage in dem Küstengebiet ist der UNO zufolge katastrophal. Nach der Unterbrechung der Hilfslieferungen wegen der Wiederaufnahme der Kämpfe gelangten nach Angaben des Roten Halbmonds am Samstag einige Lkw mit Hilfsgütern über den Grenzübergang Rafah in den Gazastreifen.

Während der Waffenruhe waren 80 aus Israel verschleppte Geiseln freigelassen worden. Im Gegenzug wurden 240 palästinensische Häftlinge aus israelischen Gefängnissen entlassen. Außerdem ließ die Hamas 23 Thailänder, einen Filipino und einen russisch-israelischen Doppelstaatler außerhalb der Vereinbarung mit Israel frei. Fünf Geiseln waren bereits vor der Feuerpause freigekommen.

Sieben weitere Geiseln wurden nach jüngsten Angaben der israelischen Armee getötet. 136 Geiseln, darunter 17 Frauen und Kinder, befinden sich demnach weiterhin in der Gewalt der Hamas im Gazastreifen. Einer davon ist der 38-jährige, österreichisch-israelische Doppelstaatsbürger Tal Shoham.

Von: APA/dpa/AFP/Reuters