Von: APA/dpa/AFP
Die gegenseitigen Angriffe der israelischen Armee und der libanesischen Hisbollah-Miliz dauern trotz geplanter direkter Gespräche zwischen Israel und dem Libanon an. Wie die amtliche libanesische Nachrichtenagentur NNA meldete, wurden bei neuen israelischen Angriffen in der Stadt Nabatijeh im Süden mindestens acht Mitglieder der libanesischen Sicherheitskräfte getötet. Die Hisbollah-Miliz erklärte, sie habe die israelische Marinebasis Ashdod mit Raketen angegriffen.
Dies sei eine “Antwort” auf die jüngsten israelischen Angriffe auf den Libanon. Unmittelbar nach der Verkündung der Waffenruhe im Iran-Krieg in der Nacht auf Mittwoch (MESZ) hatte die israelische Armee ihre Angriffe im Libanon verstärkt. Dabei wurden nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums mehr als 300 Menschen getötet und mindestens 1.150 weitere verletzt.
Die israelische Armee “zerstörte” nach eigenen Angaben mehr als 4.300 Stellungen der pro-iranischen Hisbollah-Miliz im Libanon, seit sich der Iran-Krieg Anfang März auf das Land ausweitete. Außerdem seien in dieser Zeit “mehr als 1.400 Hisbollah-Terroristen eliminiert” worden, teilte die israelische Armee am Freitag mit.
Der Iran-Krieg hatte Ende Februar mit Angriffen der USA und Israels auf die Islamische Republik begonnen. Anfang März weitete er sich auf den Libanon aus. Laut dem libanesischen Gesundheitsministerium wurden seit dem 2. März mindestens 1.888 Menschen getötet, darunter 163 Kinder.
Hisbollah-Chef betont Kampfbereitschaft
Hisbollah-Chef Naim Qassem rief unterdessen die libanesische Regierung auf, keine “kostenlosen Zugeständnisse” an Israel zu machen. Er reagierte damit auf US-Angaben, wonach Israel und der Libanon in der kommenden Woche in Washington Gespräche zur Beilegung der Kämpfe führen wollen. “Wir werden eine Rückkehr zur vorherigen Situation nicht akzeptieren”, hieß es in einer schriftlichen Erklärung, wie der zur Hisbollah gehörende Sender Al-Manar berichtete.
Außerdem betonte er die Kampfbereitschaft der Organisation. “Der Widerstand wird bis zum letzten Atemzug weitermachen.” Israel sei es in 40 Jahren nicht gelungen, die Hisbollah davon abzuhalten, Raketen, Drohnen und andere Geschosse auf sein Gebiet abzufeuern.
Die israelischen Waffen und Bedrohungen schüchterten die Hisbollah nicht ein. “Wir sind die rechtmäßigen Besitzer dieses Landes”, sagte er mit Blick auf das Vorrücken der israelischen Truppen im Südlibanon. “Wir werden unsere Souveränität wiederherstellen und den Besatzer vertreiben.”
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hatte nach einem Gespräch mit US-Präsident betont, dass er die Angriffe auf den Libanon reduzieren werde. Dennoch werde die Hisbollah weiter bekämpft, bis es Sicherheit für die Bevölkerung im Norden Israels gebe.
Verhandlungen kommende Woche
Das US-Außenministerium wird in der kommenden Woche in Washington Gespräche zwischen dem Libanon und Israel ausrichten. Dabei soll es um eine Waffenruhe gehen. Nach Angaben des Büros von Netanyahu sollen sich die direkten Verhandlungen auf die Entwaffnung der Hisbollah und die Aufnahme friedlicher Beziehungen zwischen Israel und dem Libanon konzentrieren. Wie israelische Medien meldeten, werden an den Gesprächen zunächst die US-Botschafter beider Länder teilnehmen.
Die EU-Kommission teilte mit, man blicke “dem konkreten Beginn der Gespräche und deren Ergebnissen erwartungsvoll entgegen”. Diplomatie sei der einzige Weg und alle Parteien müssten das humanitäre Völkerrecht ohne Einschränkungen einhalten. Zugleich forderte der Sprecher die sofortige Einstellung der Angriffe im Libanon.




Aktuell sind 0 Kommentare vorhanden
Kommentare anzeigen