Südtiroler Armutsnetzwerk mahnt zur Vorsicht

“Hohe Rentenbeträge bedeuten nicht automatisch gute soziale Absicherung”

Donnerstag, 30. Juli 2026 | 11:47 Uhr

Von: Matthias Knapp

Bozen – Eine Analyse der aktuellen Rentendaten 2024 durch das Armutsnetzwerk Südtirol zeigt ein differenziertes Bild: Südtirol weist mit 69,Prozent den höchsten Anteil an Altersrenten in Italien auf, liegt bei deren durchschnittlicher Höhe im regionalen Vergleich gleichzeitig nur im oberen Mittelfeld (Platz sieben). Zudem verzeichnet das Land seit Jahren mit rund zehn Prozent den niedrigsten Anteil der Rentenausgaben am Bruttoinlandsprodukt (BIP) aller italienischen Regionen. Obwohl sämtliche Renten gegenüber 2015 und 2023 nominal gestiegen sind, relativiert die Inflation diese Zuwächse: Bei einer Preissteigerung von 26,7 Prozent zwischen 2015 und 2024 ergibt sich für Altersrenten ein realer Kaufkraftverlust von rund zehn Prozent.

„Trotz italienweit höchster medianer Jahresrenten lassen hohe nominale Beträge allein keine Rückschlüsse auf die tatsächliche Lebenslage älterer Menschen zu“, betont das Südtiroler Armutsnetzwerk in einer Aussendung.

Besonders deutlich werde die Diskrepanz beim „Index des relativen Nutzens“, der die durchschnittliche Rente ins Verhältnis zum BIP pro Kopf setzt. Dieser Wert lag 2024 bei nur 29,8 Prozent (2020: 33,5 Prozent) – der niedrigste Wert aller italienischen Regionen. Südtirols hoher Wohlstand führt laut Armutsnetzwerk somit nicht automatisch zu einer adäquaten materiellen Absicherung im Alter und schütze nicht effektiv vor Armutsgefährdung, von der insbesondere Frauen betroffen seien („Gender-Pension-Gap“).

Das Armutsnetzwerk Südtirol begrüßt die regelmäßige Berichterstattung des Landesstatistikinstituts ASTAT zur Einkommens- und Lebenssituation älterer Menschen, hält jedoch eine Erweiterung der herangezogenen Indikatoren für erforderlich. „Benötigt werden Daten zur tatsächlichen Armutsgefährdung, zum verfügbaren Einkommen, zur Entwicklung der Kaufkraft, zur Wohnsituation bzw. Wohnkostenbelastung sowie eine systematische Analyse der Rentenentwicklung im Verhältnis zu den lokalen Lebenshaltungskosten“, so das Armustnetzwerk.

Auch der „Index des relativen Nutzens“ sollte künftig regelmäßig und vergleichend veröffentlicht werden. Nur eine solche fundierte Datengrundlage schaffe die nötige Evidenz, um das tatsächliche Armutsrisiko älterer Menschen in Südtirol realistisch einzuschätzen. Dafür sollte das ASTAT im Auftrag der Landesregierung sorgen, betont das Armutsnetzwerk.

Diese Daten seien eine unverzichtbare Voraussetzung für eine vorausschauende, evidenzbasierte Sozialpolitik, die zielgerichtete Maßnahmen gegen Altersarmut steuere und deren Wirksamkeit kontinuierlich überprüfe. „Einer solchen differenzierten Analyse müssen jedoch Taten folgen: Es braucht mutige strukturelle Veränderungen, die im Alltag der Seniorinnen und Senioren zu echten Verbesserungen führen”, so das Armutsnetzwerk abschließend.

Bezirk: Bozen

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