Von: luk
Bozen – Mit deutlichem Unverständnis reagieren der Heimatpflegeverband Südtirol und der Dachverband für Natur- und Umweltschutz auf die Entscheidung der Landesregierung, die Frist für die Realisierung von Gästebetten in bestehenden Tourismuszonen zu verlängern.
Damit erhält rund die Hälfte aller Südtiroler Gemeinden die Möglichkeit, nicht beanspruchte Bettenrechte um weitere fünf Jahre zu verlängern – und schafft so die Grundlage für weitere touristische Großprojekte in der Landschaft.
“Vor vier Wochen wurden über 10.000 Unterschriften für den Erhalt des Bettenstopps übergeben. Dass dieses klare Signal aus der Bevölkerung offenbar keine Rolle spielt, ist nicht nachvollziehbar”, erklärt Claudia Plaikner, Obfrau des Heimatpflegeverbandes Südtirol. “Kurz vor den Osterferien hat die Landesregierung der öffentlichen Meinung ein Ei gelegt – allerdings kein erfreuliches.”
Kein Stillstand – sondern neue Hotels auf der grünen Wiese
Die Umweltverbände betonen, dass es beim Bettenstopp nicht um einen Entwicklungsstopp des Tourismus geht. Die Weiterentwicklung bestehender Betriebe bleibt weiterhin möglich – über bestehende Bettenkontingente. “Es geht hier nicht um den kleinen Familienbetrieb, sondern um die Verlängerung von Tourismuszonen – und damit um neue Hotels auf der grünen Wiese”, so Elisabeth Ladinser, Präsidentin des Dachverbandes für Natur- und Umweltschutz. “Das ist ein Privileg für einige wenige Investoren und große Hotelprojekte.”
Steuerung verliert an Glaubwürdigkeit
Für die Verbände wird damit ein zentrales Instrument der Raumordnung weiter geschwächt. Bereits in den vergangenen Jahren seien sowohl die Zahl der Gästebetten als auch die touristischen Belastungen ohnehin deutlich gestiegen. “Der Bettenstopp ist ein wesentliches Steuerungsinstrument. Wenn dieses Instrument schrittweise aufgeweicht wird, hat die Politik ihre Glaubwürdigkeit verloren”, betont Elisabeth Ladinser. “Eine nachhaltige Tourismusentwicklung braucht klare Grenzen – und vor allem die Orientierung an den Interessen der Gesamtbevölkerung, nicht an Einzelinteressen”, ergänzt Plaikner.




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