Von: APA/dpa/Reuters/AFP
Israel kündigt die Ausweitung seiner Angriffe auf den Iran an. Es würden weitere Ziele und Bereiche ins Visier genommen, die dem Iran beim Bau und Betrieb von Waffen dienen, und die sich gegen die israelische Zivilbevölkerung richten, sagt Verteidigungsminister Israel Katz. Der Iran werde “einen hohen Preis” zahlen. Unterdessen hat der Iran Schiffen die Fahrt durch die Straße von Hormuz verwehrt.
Die paramilitärische Basij-Miliz im Iran hat drei Containerschiffen die Fahrt durch die Straße von Hormuz verboten. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Tasnim begründete die Miliz ihr Vorgehen mit angeblichen Äußerungen von US-Präsident Donald Trump, wonach die Meerenge für die Schifffahrt offen sei. Die Miliz wies auf die offizielle iranische Haltung hin, dass für Schiffe mit Verbindungen zu Israel, den USA und deren Verbündete die Passage verboten sei.
Die israelische Armee hat nach eigenen Angaben erneut Ziele in der iranischen Hauptstadt Teheran attackiert. Bei den “groß angelegten” Angriffen sei “Infrastruktur des iranischen Terrorregimes im Herzen Teherans” anvisiert worden, erklärte die israelische Armee Freitag früh. Sie gab zudem Angriffe auf “Produktionsanlagen für ballistische Raketen und Luftabwehrsysteme” bekannt. Getroffen wurden demnach Abschussvorrichtungen und Lager für Raketen im Westen des Landes sowie Produktionsanlagen in Teheran.
Bei einem Luftangriff auf Ziele in der iranischen Stadt Ghom sind nach Angaben der örtlichen Behörden mindestens 15 Menschen getötet worden. Weitere zehn Personen seien verletzt, sagte der stellvertretende Gouverneur der gleichnamigen Provinz, Morteza Heidari, der staatlichen Nachrichtenagentur ISNA. Die Rettungskräfte suchten im Stadtviertel Pardisan weiterhin nach Verschütteten. Die Zahl der Todesopfer könne daher noch steigen. Es lagen keine Angaben über die getroffenen Ziele vor, und es gibt keine unabhängige Bestätigung.
Im Iran sind nach Angaben des Rotes Kreuzes mehr als 1.900 Menschen ums Leben gekommen. Mindestens 20.000 Personen seien verletzt worden, teilt das Rote Kreuz mit, das sich auf Angaben des im Iran vertretenen Roten Halbmondes bezieht. 17 Zentren des Roten Halbmondes seien getroffen worden, nahezu 100 Krankenwagen beschädigt oder zerstört worden. 289 pharmazeutische, medizinische und Gesundheitseinrichtungen seien beschädigt worden. Auch etwa 600 Schulen und andere Bildungseinrichtungen seien getroffen worden. Das Rote Kreuz ruft die internationale Gemeinschaft auf, die Einsätze der Hilfsorganisation im Iran zu unterstützen.
Das US-Militär hat einem Bericht der “Washington Post” zufolge in den vier Wochen des Krieges mit dem Iran über 850 Tomahawk-Marschflugkörper abgefeuert. Damit seien diese Präzisionswaffen in einem Tempo verbraucht worden, das einige Vertreter des Pentagon alarmiert und interne Diskussionen darüber ausgelöst hat, wie man den Vorrat aufstocken könnte, berichtet die Zeitung unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen.
USA prüft Entsendung von 10.000 Soldaten
Das US-Verteidigungsministerium prüft einem Zeitungsbericht zufolge die Entsendung von bis zu 10.000 zusätzlichen Bodentruppen in den Nahen Osten. Damit solle US-Präsident Trump mehr militärische Optionen erhalten, auch wenn er Friedensgespräche mit der Regierung in Teheran erwäge, berichtet das “Wall Street Journal” unter Berufung auf Insider aus dem Pentagon. Trump hatte zuvor sein Ultimatum an den Iran zur Freigabe der Straße von Hormuz erneut verlängert.
Bis zum 6. April um 20.00 Uhr (US-Ostküstenzeit, 7. April 2.00 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit) werde es keine Angriffe auf iranische Kraftwerke geben, kündigte Trump unter Verweis auf “sehr gute” Gespräche auf der Plattform Truth Social an. Eigentlich wäre die von Trump gesetzte Frist am kommenden Samstag abgelaufen. Der Iran habe zunächst um eine Verlängerung um sieben Tage gebeten, sagte Trump in einem Interview des Senders Fox News. “Und ich sagte: Ich gebe euch zehn.” Trump begründete den Schritt damit, dass die iranische Seite mehreren Öltankern die Durchfahrt durch die Straße von Hormuz gewährt habe. Der Iran dagegen hat einem Zeitungsbericht zufolge nicht um einen zehntägigen Aufschub der Angriffe auf seine Energieanlagen gebeten. Zudem stehe eine endgültige Antwort auf einen 15-Punkte-Plan der USA zur Beendigung des Krieges noch aus, berichtet das “Wall Street Journal” unter Berufung auf Vermittler.
Trump hatte dem Iran damit gedroht, Kraftwerke zu zerstören, sollte Teheran die Straße von Hormuz nicht vollständig und “ohne Drohungen” für den Schiffsverkehr öffnen. Ursprünglich hatte er dafür ein Ultimatum gesetzt, das in der Nacht auf Dienstag mitteleuropäischer Zeit ausgelaufen wäre. Am Montag hatte er dann angekündigt, wegen “sehr guter und produktiver Gespräche über eine vollständige und endgültige Beilegung unserer Feindseligkeiten” für weitere fünf Tage auf solche Angriffe zu verzichten.
Iran hatte mit Vergeltung gedroht
Der Iran hatte für den Fall von Angriffen auf seine Kraftwerke unter anderem mit der vollständigen Schließung der Meerenge gedroht, die für den weltweiten Ölhandel sehr wichtig ist. Außerdem drohte Teheran als Vergeltung Angriffe auf Energieanlagen in Golfstaaten an.
Vor seiner jüngsten Ankündigung hatte Trump bereits eine Verschiebung der Frist nicht ausgeschlossen. “Ich weiß es noch nicht”, sagte er in Washington auf eine entsprechende Frage, ob die Frist aufgeschoben sei. Trump sagte, sein Schwiegersohn Jared Kushner, der Sondergesandte Steve Witkoff und Vizepräsident JD Vance würden ihn über den Fortgang der Verhandlungen unterrichten. Davon hänge ab, ob es bei dem Ultimatum bleibe. “Wir haben jede Menge Zeit”, sagte Trump.
Witkoff sah gute Aussichten auf Erfolg. “Wir haben starke Anzeichen, dass es eine Möglichkeit gibt”, sagte Witkoff am Donnerstag in Washington. “Wir werden sehen, wohin die Dinge führen, und ob wir den Iran davon überzeugen können, dass dies der Wendepunkt ist, an dem es für ihn keine besseren Alternativen gibt als noch mehr Tod und Zerstörung”, sagte er. Zudem bestätigte er die Übermittlung des 15-Punkte-Plans zur Beilegung des Kriegs an den Iran. Teheran hat laut einem Medienbericht bereits Gegenforderungen gestellt.
Der Konflikt um die Straße von Hormuz
Der von den USA und Israel angegriffene Iran hatte seit Kriegsbeginn wiederholt Schiffe in der Straße von Hormuz per Funk dazu aufgerufen, diese nicht zu passieren. Teheran griff in der Region seither wiederholt auch Schiffe an – mit gravierenden Auswirkungen auf den weltweiten Handel von Gas und Öl.
Die Meerenge ist die einzige Verbindung des Persischen Golfs mit den Weltmeeren und gilt als eine der wichtigsten Routen der Seefahrt weltweit. Rund ein Fünftel des weltweiten Ölbedarfs wird durch die Passage transportiert. Der größte Teil davon geht in Richtung China, Indien und in andere asiatische Länder. Auch etwa 20 Prozent des weltweiten Flüssiggashandels läuft durch die Meerenge.




Aktuell sind 2 Kommentare vorhanden
Kommentare anzeigen