Israelische Leuchtraketen eüber Khan Younis im südlichen Gazastreifen

Israel: Bodeneinsätze auf gesamten Gazastreifen ausgeweitet

Montag, 04. Dezember 2023 | 07:23 Uhr

Gut fünf Wochen nach Beginn der Bodenoffensive im Norden des Gazastreifens weitet das israelische Militär seine Einsätze am Boden auf das gesamte Palästinensergebiet aus. Die Soldaten gingen gegen Ziele der islamistischen Hamas vor, so Armeesprecher Daniel Hagari am Sonntagabend. Zuvor hatten örtliche Medien gemeldet, dass Israels Streitkräfte mit Bodentruppen in den Süden des Gazastreifens vorgerückt seien. Dorthin waren Hunderttausende Palästinenser aus dem Norden geflohen.

Sie hatten sich nach Anweisungen des israelischen Militärs aus dem umkämpften Norden des abgeriegelten Küstengebiets in den Süden zurückgezogen, wo es nun auch verstärkt Kämpfe am Boden geben dürfte. Die Armee habe im nördlichen Gazastreifen stark und gründlich gekämpft und tue dies nun auch im südlichen Gazastreifen, hatte Israels Generalstabschef Herzi Halevi kurz zuvor gesagt – ohne dabei explizit von einer Bodenoffensive zu sprechen. Israelische Bodentruppen sind bereits seit Ende Oktober im Norden im Einsatz.

Das Militär habe nun im Süden am Boden Einsätze begonnen, berichteten mehrere israelische Medien am Sonntag unter Berufung auf die Armee. Augenzeugen hatten der Deutschen Presse-Agentur zuvor berichtet, israelische Bodentruppen seien in ein Gebiet östlich von Khan Younis im Süden des Gazastreifens vorgerückt. Die Berichte ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.

Israelische Bodentruppen sind bereits seit Wochen im Norden des Gazastreifens im Einsatz. Das Militär führte eigenen Angaben zufolge seit dem Ende der mehrtägigen Feuerpause am Freitag im Süden massive Luftangriffe durch. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hatte erst kürzlich gesagt, ein Bodeneinsatz sei der einzige Weg, die islamistische Hamas zu zerstören.

Angaben der Hamas-Gesundheitsbehörde zufolge wurden im Gazastreifen bisher bereits mehr als 15.500 Menschen getötet. Über 41.000 Menschen seien zudem verletzt worden, wie ein Sprecher am Sonntag mitteilte. Unter den Toten sollen demnach 6600 Kinder und Jugendliche sein. Zudem würden 7500 Menschen vermisst. Die Zahlen lassen sich derzeit nicht unabhängig überprüfen. Rund 80 Prozent der rund 2,2 Millionen Einwohner in dem dicht besiedelten Gebiet sind nach UN-Angaben inzwischen Binnenflüchtlinge.

Wegen der hohen Opferzahl in der Zivilbevölkerung im Gazastreifen infolge der massiven Angriffe wächst international die Kritik am Vorgehen der israelischen Armee. Das Militär wiederum wirft der islamistischen Hamas vor, Angriffe aus Wohngebieten und Krankenhäusern heraus zu verüben und Zivilisten als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen.

Die israelischen Streitkräfte gaben am Sonntag an, seit Beginn des Gazakriegs rund 10.000 Luftangriffe auf Ziele in dem abgeriegelten Palästinensergebiet durchgeführt zuhaben. Im Gazastreifen seien unter anderem Kommandozentralen, Tunnel und Waffenlager palästinensischer Terrororganisationen Ziele gewesen, teilte das Militär mit. Vor gut drei Wochen hatte die Armee bereits vermerkt, sie habe seit Kriegsbeginn insgesamt mehr als 15.000 Ziele in dem Küstengebiet angegriffen.

Auslöser des aktuellen Gazakriegs war das schlimmste Massaker in der Geschichte Israels, das Terroristen der Hamas sowie anderer extremistischer Gruppen am 7. Oktober in Israel nahe der Grenze verübt hatten. Dabei wurden mehr als 1200 Menschen getötet. Israel hat sich daher zum Ziel gesetzt, die Herrschaft der Hamas im Gazastreifen zu beenden.

Von: APA/dpa/Reuters