Verwüstungs-Szene aus dem Libanon vom Samstag

Israel hebt kriegsbedingte Einschränkungen im Norden auf

Sonntag, 21. Juni 2026 | 21:55 Uhr

Von: APA/dpa/Reuters

Israel hat angekündigt, alle wegen des Krieges mit der Hisbollah im Libanon erlassenen Einschränkungen in seinen nördlichen Grenzregionen aufzuheben. Ab Montag um 06.00 Uhr (05.00 Uhr MESZ) würden “alle Beschränkungen im Gebiet der Konfrontationslinie aufgehoben”, erklärte Israels Armee am Sonntag. Es gelte wieder “uneingeschränkte Aktivität ohne jegliche Einschränkungen”. Die Anpassung der Vorschriften für die Bevölkerung sei nach einer Lagebeurteilung beschlossen worden.

Die Hisbollah hatte den Libanon Anfang März mit Angriffen auf Israel in den Iran-Krieg hineingezogen. Israel reagierte mit Luftangriffen auf Ziele im Libanon und rückte zudem mit Bodentruppen im Süden des Landes vor. Am Freitag hatten sich Israel und die Hisbollah nach US-Angaben auf eine Waffenruhe verständigt, die am Freitagnachmittag in Kraft trat. Beide Seiten warfen sich am Samstag jedoch gegenseitig Verstöße dagegen vor.

Der Iran und die USA hatten am Mittwoch ein Rahmenabkommen unterzeichnet, das eine Waffenruhe in der gesamten Region einschließlich des Libanon vorsieht. Teheran hatte darauf bestanden, dass die Vereinbarung mit den USA eine Einstellung der Kämpfe im Libanon umfasst.

Kämpfe trotz Waffenruhe

Trotz einer seit Freitag geltenden Waffenruhe gingen die Kämpfe zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz am Wochenende aber weiter. Bei israelischen Luftangriffen in der Bekaa-Ebene im Osten und in der südlichen Stadt Tyros starben laut Behörden mindestens sieben Menschen, darunter ein Kind. Das meldete die staatliche Nachrichtenagentur NNA am Sonntag. Zuvor hatten libanesische Behörden über israelische Angriffe mit 35 Toten am Samstag und 83 Toten am Freitag berichtet.

Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz betonte, dass sein Land keine Einschränkungen beim Vorgehen im Südlibanon akzeptiere. “Israel wird sich nicht aus der Sicherheitszone im Libanon zurückziehen”, teilte er am Sonntag mit. Man könne dort weiterhin “Maßnahmen zur Beseitigung von Bedrohungen ergreifen”. Nach tödlichen Angriffen auf israelische Truppen habe die Armee zuletzt “mit großer Härte reagiert” und “eine sehr große Zahl von Hisbollah-Kämpfern ausgeschaltet”, hieß es weiter. “Der Schutz des Lebens unserer Soldaten und Bürger hat oberste und uneingeschränkte Priorität.”

Die Armee hatte der proiranischen Hisbollah-Miliz Verstöße gegen die Feuerpause vorgeworfen. Als Reaktion seien Raketenstellungen, Waffenlager und Kommandozentralen der Hisbollah angegriffen worden. Dagegen erklärte die Miliz, sie habe auf einen Vormarsch der israelischen Truppen reagiert. Die Angaben der Konfliktparteien ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.

Kämpfe um strategischen Hügel bei Nabatiyeh

Laut libanesischen Sicherheitskreisen überwachen israelische Bodentruppen einen strategisch wichtigen Hügel nahe der Stadt Nabatiyeh genau, auch wenn sie dort noch nicht die Kontrolle übernommen haben. Die proiranische Hisbollah-Miliz soll hier mehrere Tunnel und Höhlen nutzen, wo sich auch Hisbollah-Kämpfer und Kommandeure von Irans Revolutionsgarde verstecken sollen.

Das israelische Nachrichtenportal “ynet” berichtete hingegen, Israels Armee kontrolliere das Gebiet bereits. Dort befinde sich eine befestigte unterirdische Anlage, die mit iranischer Unterstützung errichtet wurde und als eines der wichtigsten Kommando- und Kontrollzentren der Hisbollah im Südlibanon gelte. Dutzende Hisbollah-Kämpfer seien dort eingeschlossen.

Die Hisbollah wies diese Darstellung gegenüber dem Nachrichtenkanal “Al Jazeera” als falsch zurück. Solche Darstellungen seien nur dazu gedacht, die Moral israelischer Truppen zu stärken, nachdem diese es nicht geschafft hätten, den Hügel einzunehmen.

Gefechte in der Region dauern an

In dieser Region hatte Israel vor rund drei Wochen bereits die wichtige und historische Burg Beaufort eingenommen. Seit Wochen kommt es in dem Gebiet zu Gefechten der Armee mit der Hisbollah-Miliz. Zuletzt wurden dort auch vier israelische Soldaten bei einem Angriff auf ihren Panzer getötet.

In dem Krieg wurden seit Anfang März im Libanon nach offiziellen Angaben mehr als 4.000 Menschen getötet und mehr als 12.000 weitere verletzt. Die Kämpfe belasten die Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA. Das zwischen den beiden Ländern jüngst abgeschlossene Rahmenabkommen sieht ein Kriegsende auch im Libanon vor.

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