Von: APA/AFP/dpa
Die israelische Armee hat am Samstagvormittag die Evakuierung von sieben Ortschaften im Südlibanon angeordnet. Grund dafür seien Verstöße der proiranischen Hisbollah-Miliz gegen die vereinbarte Waffenruhe. Zudem flog Israel Luftangriffe in der Nähe der libanesischen Stadt Nabatieh. Dabei wurden laut dem libanesischen Fernsehsender LBC mindestens drei Menschen getötet. Eine offizielle Bestätigung gab es bisher nicht. Zuvor hatte die Hisbollah Raketen auf Israel abgefeuert.
Die israelische Armee berichtete von 10 bis 15 Raketen, welche die Hisbollah in vier Wellen auf den Norden Israels abfeuerte. Allein zehn Geschosse waren nach einem Bericht der israelischen Tageszeitung “Haaretz” auf die grenznahe Stadt Kiryat Shmona gerichtet. Während die israelische Luftabwehr neun Raketen abfing, schlug ein Projektil im Stadtzentrum ein und verursachte Sachschäden. Verletzte gab es allerdings keine.
Darüber hinaus teilte die Hisbollah auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mit, sie habe israelische Streitkräfte im Südlibanon mit Sprengfallen, Artilleriegeschossen und Raketen attackiert. Dabei sollen israelische Soldaten verletzt worden sein. Diese Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.
Israelische Armee hat Fluss Litani überquert
Zuvor überquerte die Armee im Zuge ihres ausgeweiteten Einsatzes im benachbarten Libanon nach Angaben von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu den Fluss Litani. Der Fluss verläuft etwa dreißig Kilometer nördlich der Grenze. Bei einem Truppenbesuch im nordisraelischen Grenzgebiet begrüßte Netanyahu am Freitag nach Angaben seines Büros das Vordringen der Armee.
Die israelische Luftwaffe sei zudem in der libanesischen Hauptstadt Beirut, in der östlichen Bekaa-Region sowie “entlang der gesamten Front” im Einsatz, sagte Netanyahu laut einem von seinem Büro verbreiteten Video. “Wir treffen die Hisbollah mit voller Wucht”, fügte er mit Blick auf die Hisbollah hinzu.
Israel hatte seinen Militäreinsatz gegen die Hisbollah am Mittwoch ausgeweitet und ein großes Gebiet im Süden des Libanon zur “Kampfzone” erklärt. Armeesprecher Avichay Adraee warf der Schiitenmiliz wiederholte Verstöße gegen die seit Mitte April geltende Waffenruhe vor.
Libanesische Regierung: Mindestens elf Tote bei neuen israelischen Angriffen
Bei neuen israelischen Angriffen im Libanon wurden nach Angaben der Regierung im Süden des Landes mindestens elf Menschen getötet. Unter ihnen sei auch ein Angehöriger der Rettungskräfte gewesen, teilte am Freitagabend das Gesundheitsministerium in Beirut mit. Bei den Angriffen an verschiedenen Orten in der Region von Tyrus seien zudem acht Menschen verletzt worden, auch unter ihnen sei ein Mitglied der Rettungsteams.
Das libanesische Gesundheitsministerium sprach von einer “schweren Verletzung des Völkerrechts”. Im Libanon gilt derzeit eigentlich ein Waffenstillstand, der von der Hisbollah abgelehnt wird. Beide Seiten greifen sich inzwischen wieder täglich an.
Die Hisbollah erklärte am Freitagabend, sie habe im Laufe des Tages erneut militärische Ziele im Norden Israels angegriffen. Unter anderem sei eine Gruppe von israelischen Soldaten mit Drohnen attackiert worden. Auch eine Armeebaracke wurde demnach im Norden Israels angegriffen.
UNICEF: Innerhalb einer Woche mindestens 15 Kinder bei Israels Angriffen getötet
Bei dem israelischen Militäreinsatz wurden nach offiziellen Angaben seit Anfang März mehr als 3.300 Menschen getötet. Allein in den vergangenen sieben Tagen wurden nach Angaben des UNO-Kinderhilfswerks UNICEF vom Freitag mindestens 15 Kinder getötet und mehr als 60 weitere verletzt.
Für Freitag war ein Treffen von Militärvertretern Israels und des Libanon in Washington angesetzt. Das Treffen findet im Vorfeld einer neuen direkten Gesprächsrunde zwischen beiden Ländern am 2. und 3. Juni statt.
Die Hisbollah, deren erklärtes Ziel die Vernichtung Israels ist, lehnt die direkten Gespräche zwischen dem Libanon und Israel sowie das unter Vermittlung der USA geschlossene Waffenruhe-Abkommen ab. Der Libanon war durch neue Angriffe der Hisbollah auf Israel in den Iran-Krieg hineingezogen worden.




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