Israels Premier Netanyahu will offenbar mit Libanon verhandeln

Israel und Libanon wollen offenbar nächste Woche verhandeln

Donnerstag, 09. April 2026 | 22:46 Uhr

Von: APA/Reuters/dpa/AFP

Israel und der Libanon wollen in der kommenden Woche in Washington Gespräche unter Vermittlung der USA führen. Ein Mitarbeiter des US-Außenministeriums bestätigte am Donnerstag, dass es ein Treffen geben werde, “um die laufenden Waffenruheverhandlungen mit Israel und dem Libanon zu erörtern”. Laut US-Präsident Donald Trump hat Israels Premier Benjamin Netanyahu zudem die Reduzierung der Angriffe im Libanon zugesagt, die zuletzt die Waffenruhe mit dem Iran bedrohten.

Der israelische Regierungschef Benjamin Netanyahu hatte direkte Gespräche mit dem Libanon in Aussicht gestellt. In einer Erklärung von Netanyahus Büro hatte es dazu geheißen, bei den Gesprächen solle es um “die Entwaffnung der Hisbollah und die Schaffung von Friedensbeziehungen zwischen Israel und dem Libanon gehen”. Mehrere israelische Medien berichteten, dass die Gesprächen schon Anfang kommender Woche beginnen könnten. Trumps Darstellung bestätigte Netanyahu in einem späteren Statement allerdings nicht.

Israel und die USA bestreiten, dass die zweiwöchige Feuerpause im Iran-Krieg auch für den Libanon gilt, wie es der Vermittler Pakistan zunächst angekündigt hatte. Der Iran übte derweil scharfe Kritik an den fortgesetzten israelischen Angriffen auf die pro-iranische Hisbollah-Miliz im Libanon.

Libanons Präsident Joseph Aoun hatte in der Vergangenheit mehrfach die Bereitschaft zu Verhandlungen mit Israel signalisiert. Ein mit der Angelegenheit vertrauter libanesischer Regierungsvertreter sagte allerdings der Nachrichtenagentur AFP, vor Gesprächen mit Israel sei ein “Waffenstillstand” nötig. Ein Parlamentsabgeordneter der Hisbollah lehnte direkte Gespräche “mit dem israelischen Feind” in einer von den Hisbollah-Medienkanälen verbreiteten Erklärung ab. Vielmehr müsse sich Israel aus dem Libanon zurückziehen, Angriffe müssten eingestellt werden und Bewohner müssten in ihre Dörfer und Städte zurückkehren können, erklärte Ali Fajjad.

Trump: Netanyahu sagt Reduzierung von Angriffen zu

Israel wird nach Angaben von US-Präsident Trump die Angriffe im Libanon zurückfahren. Er habe mit Netanyahu gesprochen und dieser habe eine Reduzierung der Attacken zugesagt, sagte Trump dem US-Sender NBC in einem Telefoninterview.

Die andauernden und heftigen Angriffe Israels gegen die vom Iran unterstützte Hisbollah-Miliz im Libanon bedrohen die Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran. US-Medien sowie der israelische Sender N12 berichteten, dass Trump und sein Sondergesandter Steve Witkoff Druck auf Netanyahu gemacht hätten, die Angriffe auf den Libanon herunterzufahren.

Angriffe mit Hunderten Toten

Israel hatte trotz der Feuerpause im Iran-Krieg am Mittwoch eigenen Angaben zufolge zahlreiche Hisbollah-Ziele im Libanon bombardiert, darunter auch in der Hauptstadt Beirut. Die Zahl der Toten ist nach Angaben des dortigen Gesundheitsministeriums auf 303 gestiegen. Die Bilanz sei noch nicht endgültig und dürfte weiter steigen, da Rettungsteams noch immer Leichen aus den Trümmern bergen, teilt die Behörde mit. Seit dem 2. März seien damit insgesamt 1.888 Menschen getötet und mehr als 6.000 verletzt worden. Der Libanon hat am Donnerstag einen nationalen Trauertag abgehalten.

Netanyahu: Israel wird weiter angreifen “wo immer nötig”

Netanyahu kündigte noch am Donnerstag weitere Angriffe auf Ziele der pro-iranischen Hisbollah-Miliz an. Es werde weitere Angriffe geben, “wo immer” das “nötig” sei, bis die Sicherheit für Bewohner im Norden Israels “vollständig wiederhergestellt” sei, erklärte Netanyahu am Donnerstag im Onlinedienst X.

Das israelische Militär erklärte, es gehe weiter mit Bodentruppen im Südlibanon vor. In der Nacht zum Donnerstag seien zwei wichtige Übergänge getroffen worden, die von Hisbollah-Kämpfern zum Transport von “tausenden Waffen, Raketen und Abschussvorrichtungen” über den Fluss Litani Richtung Süden genutzt worden seien, hieß es in einer Erklärung der Armee. Mehrere Waffenlager, Abschussvorrichtungen und Gefechtsstände seien angegriffen worden.

Hisbollah-Miliz feuert Raketen auf Norden Israels

Die libanesische Hisbollah-Miliz feuerte am Donnerstag erneut Raketen auf den Norden Israels. Israels Armee teilte auf Anfrage mit, seit dem Morgen habe die vom Iran unterstützte Miliz rund 50 Raketen aus dem Nachbarland auf Nordisrael gefeuert. In der Stadt Naharija heulten am Abend Berichten zufolge innerhalb von einer Stunde gleich viermal die Warnsirenen. Auch in anderen Orten in Nordisrael gab es Raketenalarm.

Europäer fordern Ende der Angriffe

Europäische Regierungen haben Israel aufgefordert, die massiven Angriffe auf den Libanon zu beenden. Sowohl Spanien, Großbritannien, Frankreich als auch die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas mahnten am Donnerstag, die zwischen USA und Iran ausgehandelte Waffenruhe auch auf den Libanon zu übertragen.

Spaniens Außenminister José Manuel Albares warf Israel vor, mit den Luftangriffen gegen das Völkerrecht und die zweiwöchige Waffenruhe im Nahen Osten verstoßen zu haben. Auch der französische Außenminister Jean-Noël Barrot betonte, dass die zwischen den USA und Iran vereinbarte Waffenruhe für den Libanon gelten müsse – diese Interpretation hatte Israels Ministerpräsident Netanyahu zuvor zurückgewiesen. Die britische Außenministerin Yvette Cooper bezeichnete Israels Bombardierung des Libanon als “zutiefst schädlich”.

Auch der deutsche Kanzler Friedrich Merz kritisierte das harte Vorgehen der israelischen Armee. “Wir sehen mit besonderer Besorgnis die Lage im Süden des Libanon”, sagt der Kanzler. “Die Härte, mit der Israel dort Krieg führt, könnte den Friedensprozess als Ganzes zum Scheitern bringen, und das darf nicht geschehen”, mahnt er.

Uneinigkeit über Geltung von Iran-Waffenruhe im Libanon

Bisher haben die USA und Israel bestritten, dass die mit dem Iran vereinbarte Waffenruhe auch für den Libanon gilt. Dagegen pochen der Iran und das als Vermittler agierende Pakistan darauf, dass die Feuerpause auch für den Libanon und damit für die mit dem Iran verbündete Hisbollah-Miliz greift.

Durch die Angriffe im Libanon würden die geplanten Verhandlungen sinnlos, erklärte der iranische Präsident Masoud Pezeshkian. Dennoch reisten iranische Unterhändler nach Pakistan, um sich dort in den nächsten Tagen mit einer US-Delegation zu den ersten Friedensgesprächen zu treffen. Wann genau die Gespräche beginnen, blieb bis Donnerstagabend offen.

Wegen der israelischen Angriffe im Libanon hält der Iran seine Blockade der Straße von Hormuz aufrecht, was zu beispiellosen Störungen der weltweiten Energieversorgung führt. In den ersten 24 Stunden der Waffenruhe zwischen dem Iran und den USA passierten lediglich ein Öltanker und fünf Frachter die Meerenge, wie aus Schifffahrtsdaten hervorging. Vor dem Krieg waren es täglich rund 140 Schiffe, die etwa ein Fünftel der weltweiten Öl- und Flüssiggaslieferungen transportierten.

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