In Südtirol lebten Ende 2021 insgesamt 56.891 ausländische Personen

Jahrbuch zur Einwanderung: Ausländeranteil 2021 bei 10,6 Prozent

Samstag, 29. Oktober 2022 | 12:03 Uhr

Bozen – Das Jahrbuch zur Einwanderung 2022 mit den Einwanderungsdaten zum Jahresende 2021 ist heute Vormittag an der Eurac in Bozen vorgestellt worden. Die Pressekonferenz fand im Rahmen der Expo der Vereine für interkulturellen Dialog statt, die von der Koordinierungsstelle für Integration des Landes organisiert worden ist. Das Studien- und Forschungszentrum IDOS mit Sitz in Rom veröffentlicht seit 1991 jährlich den sozialstatistischen Bericht zur Einwanderung. Den Berichtteil zur Migration in Südtirol haben Matthias Oberbacher und Fernando Biague, die heute auch die Daten präsentierten, gemeinsam mit Salvatore Saltarelli verfasst.

Die Leiterin der Koordinierungsstelle für Integration, Daniela Zambaldi, erinnerte daran, dass das Land in Südtirol für die Vorstellung der Einwanderungsdaten Sorge trage. Diese finde in den einzelnen Regionen Italiens meist gleichzeitig jeweils Ende Oktober statt. In Südtirol sei in diesem Jahr die Expo der Vereine als geeigneter Rahmen für die Präsentation gewählt worden, um die kulturelle Vielfalt und die Arbeit der Vereine in den Mittelpunkt zu rücken, ebenso wie die Brückenfunktion letzterer zwischen den Kulturen der Herkunfts- und der Aufnahmeländer.

Neue Mitbürger und Mitbürgerinnen sind jung

In die südtirolspezifischen Daten gab in der Folge der Soziologe Matthias Oberbacher Einblick. Demnach sind die neuen Mitbürger und Mitbürgerinnen jung: 31,9 Prozent der rund 57.000 Eingewanderten sind zwischen 30 und 44 Jahre alt, 18,4 Prozent zwischen null und 17 Jahre und nur 5,9 Prozent älter als 65 Jahre. Was die Herkunft betrifft, stellen die Europäer mit 64,1 Prozent und 36.191 Personen den höchsten Migrantenanteil, ein Zuwachs von 2,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Mehr als die Hälfte (19.605, 54,17 Prozent) davon kommen aus EU-Staaten, 45,8 Prozent aus europäischen nicht EU-Staaten. Als Herkunftskontinente folgen Asien (10.354, 18,3 Prozent), Afrika (7525, 13,3 Prozent) und Amerika (2398, 4,2 Prozent). Wie 2020 liegt bei den Nationalitäten Albanien an erster Stelle (6.207, elf Prozent). Erstmals an zweiter Stelle scheint 2021 die rumänische Bevölkerung mit 4631 Personen und 8,2 Prozent auf, die damit die Deutschen überholt (4518, 8,0 Prozent). Als Grund dafür gab Oberbacher an, dass “Rumänen die stärkste Einwanderergruppe in Italien bilden”. Es folgen Pakistan (3943, 7,0 Prozent) und Marokko (3644, 6,5 Prozent).

Von den 37.286 Ausländern und Ausländerinnen aus nicht EU-Staaten in Südtirol besaßen Ende 2021 33.779 (63,5 Prozent) eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung. Die Gründe für eine befristete Aufenthaltsgenehmigung sind mit über 44 Prozent meistens familiärer Art (12,3 Prozent, weniger als 2020), arbeitsbedingt (24,2%,+ 5,2 Prozent  gegenüber 2020) beziehungsweise internationaler Schutz (23,5 Prozent), der im Vergleich zum Vorjahr um 2,7 Prozent zugenommen hat.

Zwölf Prozent weniger ausländische Schülerinnen und Schüler

Der Anteil ausländischer Schülerinnen und Schüler in Südtirol ist mit 9836 um 1358 Schüler und Schülerinnen im Vergleich zum Vorjahr (11.194) zurückgegangen und macht 12,2 Prozent der Gesamtschülerzahl aus. Es ist je nach Schulstufe und Sprache der Schule eine unterschiedliche prozentuelle Verteilung zu beobachten. Der Ausländeranteil an den italienischsprachigen Schulen liegt im Durchschnitt bei 25 Prozent, während in deutschsprachige Schulen im Schnitt jeder zehnte Schüler einen Migrationshintergrund hat. In den ladinischen Schulen liegt der Migrantenanteil bei durchschnittlich fünf Prozent. Die Verteilung auf Kindergarten, Grund- und Mittelschule ist ähnlich (13%). Etwas höher ist er in den Mittelschulen (13,6 Prozent). In der Oberstufe (8,9 Prozent) und bei den Lehrlingen (10,8 Prozent) ist er etwas geringer. “Italienischsprachige und ladinische Schulen weisen gegenüber der deutschsprachigen Schule niedrigere Schülerzahlen auf, daher fällt der Prozentanteil entsprechend höher aus”, gab Oberbacher zu bedenken.

Was den Arbeitsmarkt angeht, so stützt sich der Bericht auf regionale Daten. Demnach machen Ausländerinnen und Ausländer 9,1 Prozent der gesamten erwerbstätigen Bevölkerung der Region aus. 25,1 Prozent der Arbeitslosen sind Ausländer. Frauen aus anderen Ländern tun sich besonders schwer, eine Arbeit zu finden. Ihr Anteil liegt in der Region bei 59,4 Prozent der Arbeitslosen Ausländer. Auf gesamtstaatlicher Ebene haben hingegen nur 16 Prozent der Ausländer keine Arbeit, wie im Anschluss Fernando Biague berichtete. Der Psychologe, der seit 20 Jahren in Italien lebt und in Brixen arbeitet, stellte heute die gesamtstaatlichen Zahlen vor.

Zum Abschluss der Pressekonferenz wurde in der Conference Hall der Eurac das Begleitvideo zum Einwanderungsjahrbuch 2022 gezeigt.

Im Rahmen der Expo der Vereine wurde heute Vormittag im Beisein der Bozner Stadträtin Chiara Rabini auch das Manifest der neuen Generationen Italiens 2022 (Manifesto delle Nuove Generazioni Italiane 2022 des CoNNGI – Coordinamento Nazionale Nuove Generazioni Italiane) vorgestellt. Dieses Manifest beinhaltet Vorschläge junger Menschen mit Migrationshintergrund für die Gegenwart und die Zukunft Italiens. Diese Vorschläge betreffen Schule, Arbeit, Kultur, Sport und Partizipation, Bürgerschaft und politische Vertretung, Kommunikation und Medien, internationale Zusammenarbeit, Umwelt, Gesundheit und Gleichstellung.

Von: mk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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9 Kommentare auf "Jahrbuch zur Einwanderung: Ausländeranteil 2021 bei 10,6 Prozent"


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ANTONIO
ANTONIO
Tratscher
1 Monat 4 Tage
Zitat von Charles de Gaulle : Es ist sehr gut, dass es Franzosen mit gelber, schwarzer, brauner Hautfarbe gibt.Sie zeigen, dass Frankreich für alle Rassen offen ist und eine universale Berufung hat. Aber unter der Vorraussetzung, dass sie eine kleine Minderheit bleiben.Denn sonst ist Frankreich nicht Frankreich. Wir sind – trotz allem – zuallererst immer noch ein europäisches Volk mit weißer Hautfarbe, mit einer Kultur griechischer und lateinischer Wurzeln und mit christlicher Religion. Ich rede hier nicht von der Vergangenheit! Die Araber sind Araber, die Franzosen Franzosen. Glauben Sie, dass das französische Volk zehn Millionen Muslime aufnehmen kann,die morgen zwanzig… Weiterlesen »
SilviaG
SilviaG
Universalgelehrter
1 Monat 4 Tage

@Anton
Es wird sich alles vermischen, in 100Jahren wird die Gesellschaft ganz anders aussehen. Das ist der normale Wandel

Hustinettenbaer
1 Monat 4 Tage

@ANTONIO
Und das schwurbelte Charles – 15 Jahre nach WK II – am Ende des Algerienkriegs. Aber vorher schön das braun-schwarze Frankreich (äh Algerien) durch Siedler (“aus Frankreich, insbesondere aus Südfrankreich, Korsika, dem Elsass und Lothringen, die meisten anderen hingegen aus Italien, Spanien und Malta”) besetzen. “1936 kontrollierten die Europäer 7,7 Millionen Hektar, rund 40 Prozent der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche Algeriens, dies zumeist in den fruchtbaren küstennahen Regionen…”
Und der gleiche Mist in Indochina. Vietnam.

https://de.wikipedia.org/wiki/Pied-noir
https://de.wikipedia.org/wiki/Indochinakrieg

ANTONIO
ANTONIO
Tratscher
1 Monat 4 Tage

Silvia. Wenn es so weitergeht, wird es leider so sein..

SilviaG
SilviaG
Universalgelehrter
1 Monat 4 Tage

Antonio
In 100Jahren sind wir die hier lesen alle nicht mehr. Also ist es ziemlich sinnlos etwas zu bedauern. Des Weiteren habe ich mal gehört wir stammen alle ursprünglich aus Afrika. Wir sind alle etwas afrikanisch 😉

Faktenchecker
1 Monat 4 Tage

Der Anteil muss dringend erhöht werden sonst ist Südtirol am Ende.

Rudolfo
Rudolfo
Universalgelehrter
1 Monat 4 Tage

@Fakti….ist der (dein) Ruf erst ruiniert, lebt (und kommentiert) es sich gänzlich ungeniert….

PuggaNagga
1 Monat 4 Tage

Diese Zahlen nehme ich denen nicht ab.

Einwanderer sind gut für das Land und die Wirtschaft (ohne würde es nicht gehen).
Aber kein Sozialtourismus!!!!!
Wer zu uns kommt muss ohne Ausnahme selbst für den Lebensunterhalt aufkommen.
Und da hapert es gewaltig.
Diese Worte sind teils nicht nur von mir sondern selbst aus dem Mund eines befreundeten Einwanderer.

neidhassmissgunst
neidhassmissgunst
Universalgelehrter
1 Monat 4 Tage

Der Schlüssel liegt in der zweiten Generation.
Wenn diese von Anfang an richtig “geziegelt” wird dann bauen wir die gute Zukunft Südtirols auf. 

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