Operation Daywork: Menschenrechtspreis an syrischen Flüchtling vergeben

Engagierte Jugendliche auf Erkundungsreise im Libanon

Sonntag, 02. September 2018 | 17:11 Uhr

Bozen –  Jedes Jahr vergibt Operation Daywork einen Menschenrechtspreis und zeichnet damit eine Person oder eine Vereinigung aus, welche sich für die Menschrechte eingesetzt hatte. Auf der Generalversammlung vom 25. Mai 2018 kürten die Jugendlichen aus Südtirol und Trentino Abd Arrahim Hysan, besser bekannt als Sheik Abdo, zum Gewinner des Operation Daywork Menschenrechts-Preises.

Sheik Abdo ist ein syrischer Flüchtling, der im Nordlibanon lebt und sich für sein Engagement für die Menschenrechte, vor allem für das Recht auf Bildung, auszeichnete. Darüber hinaus hat sich Sheik Abdo zum Sprecher eines Friedensvorschlags seiner Gemeinschaft etabliert. Vom 1. bis 19. August ist das Operation Daywork-Team in das Land der Zedern geflogen. Hier hatten die Koordinatorin Karina Machado und die Campaign Managerin Sara Hussein mit den Freiwilligen Lukas Clara und Pierfrancesco Pandolfi De Rinaldis die Möglichkeit, den Gewinner des Menschenrechtspreises persönlich zu treffen und mit ihm Momente des täglichen Lebens in einem inoffiziellen Flüchtlingslager, in der Region Akkar, zu teilen.

Karina, Sara, Pier Francesco und Lukas haben in den Monaten Juni und Juli die Reise vorbereitet, d.h. sie haben u.a. bibliographisches Material gesammelt, das förderlich warum die Situation des Landes, besser zu verstehen. Außerdem standen zwei Trainings auf dem Programm. Das erste mit einem syrischen Flüchtling eben aus der Region Akkar, welcher dank der Eröffnung der “humanitären Korridore” in Italien angekommen ist. Das zweite war ein Treffen mit den Freiwilligen des Vereins “Operazione Colomba”, welcher seit fast 5 Jahren in verschiedenen Flüchtlingslagern präsent ist.

Dank der Trainings galt es den Kontext der sogenannten inoffiziellen Flüchtlingslager besser zu verstehen. Viele der syrischen Verstoßenen ließen sich und lassen sich noch heute in inoffiziellen Lagern nieder, d.h. sie bauen eine Unterkunft auf privatem Grund, mit behelfsmäßigen Materialien und müssen eine Miete an den Eigentümer des Grundstücks bezahlen. Das Team von O.D. war zunächst Gast der Freiwilligen von “Operazione Colomba” in einem dieser Camps nahe des Dorfes Tel Abbas, das nur vier Kilometer von der syrischen Grenze entfernt liegt. Das Team hat hier die vielen Geschichten derer kennengelernt, die alles verlassen mussten und auf eine waghalsige Art und Weise in den Libanon flohen.

Das Zentrum Malaak

Einige Tage später ist das O.D. Team nach Myniara gefahren und verbrachte dort insgesamt vier Tage zusammen mit dem Gewinner, Sheik Abdo, im Gästehaus des Malaak Zentrums.
Dieses Zentrum entstand durch alleinstehende Frauen und Männer (unter Leitung von Sheik Abdo) mit dem Ziel, ein Bildungsprojekt für syrische Kinder durchzuführen, denn diese waren zumindest in den ersten Jahren der Flüchtlingswellen aus Syrien von den libanesischen staatlichen Schulkreisen ausgeschlossen.

Zunächst gab es bloß eine kleine gelöste Schule innerhalb eines Flüchtlingslagers, welche sich zum größeren des Zentrums entwickelt hat: eine Vielzahl an Klassen, ein Musikzimmer, eine Bibliothek, ein Computerraum, eine Kantine, Außenräume zu spielen, ein kleiner Basketballplatz und ein kleines Fußballfeld. Die Lehrerinnen und Lehrer sind sowohl Syrer als auch Libanesen. Die Mütter der Schüler übernehmen abwechselnd die Führung der Mensa, während andere den Betrieb der Schule auf der Verwaltungsebene ermöglichen oder sich mit der gewöhnlichen Verwaltung, Reinigung und Wartungsaufgaben. Eine Einbindung der Eltern und Flüchtlinge aus der Gegend wird somit stark gefördert. Momentan besuchen 460 Schüler zwischen 3 und 17 Jahren das Malaak Zentrum, aber in den Sommermonaten wächst die Zahl und man kann teilweise bis zu 500 Kinder zählen.

Appell für den Frieden in Syrien

Sheik Abdo arbeitet nicht nur als Direktor des Malaak-Zentrums, sondern gilt auch als der internationale Sprecher für einen Friedensvorschlag für Syrien. Das Team von O.D. hatte die Möglichkeit, diese wichtige Initiative im Detail kennenzulernen und sich mit verschieden Beteiligten getroffen.

Der Aufenthalt in Myniara war für das Operation Daywork Team der wichtigste Teil der Reise: Schüler von Ober- und Berufsschulen werden die Möglichkeit haben, Sheik Abdo und seinen Friedensvorschlag für Syrien am OD Aktionstag in 2019 zu unterstützen. Auch Workshops und Sensibilisierungsmaßnahmen für die Flüchtlingssituation im Libanon und die friedliche Bewältigung des Konflikts stehen auf dem Programm. Der Appell für den Frieden in Syrien ersucht die Rückkehr der Flüchtlinge unter internationalem Schutz in eine humanitäre Zone in Syrien, wo das Recht auf Gesundheit und Bildung garantiert wird.

Das Team von O.D. kam in den Tagen nach dem Treffen mit Sheik Abdo in Kontakt mit anderen internationalen, zumeist italienischen und lokalen Organisationen, die im Distrikt Jbeil, in Beirut und Sidon tätig sind. Neben syrischen Flüchtlingen unterstützen sie u.a. auch irakische und palästinensische Flüchtlinge. Letztere leben teilweise seit fast sechsig Jahren im Land. Bei den Treffen mit der lokalen Bevölkerung und anderen Organisationen wurden wichtige Themen besprochen, wie das unzureichende Recht auf Bildung, der Mangel an sozialer und wirtschaftlicher Unterstützung des Staates für die schwächsten Bevölkerungsgruppen, der Mangel an Wasserressourcen, die Situation der Frauen in Flüchtlingslagern, der interreligiöse Dialog, die schwierige soziale Eingliederung von Flüchtlingen.

Spannend war es für das O.D.-Team, den Kontrast zwischen dem Lebensstil in der Hauptstadt Beirut und dem im Bezirk Akkar, dem wirtschaftlich ärmsten im Libanon, zu beobachten.

Von: mho

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