Irans Oberster Führer Khamenei bleibt weiterhin unsichtbar (Archiv)

Khamenei bleibt unsichtbar – Iran wartet auf erste Rede

Freitag, 20. März 2026 | 22:28 Uhr

Von: APA/AFP/Reuters/dpa

Der erste öffentliche Auftritt des neuen iranischen Revolutionsführers, Mojtaba Khamenei, lässt weiter auf sich warten. Viele Menschen im Iran hatten mit Spannung erwartet, ob er zum Neujahrsfest live sprechen würde. Doch das Staatsfernsehen zeigte am Freitag lediglich ein Standbild mit seinem Porträt und einer iranischen Flagge. Dazu wurde eine Rede verlesen, die ihm zugeschrieben wurde. Der Sprecher der iranischen Revolutionsgarden ist unterdessen getötet worden.

Mojtaba Khamenei ist seit seiner Ernennung zum neuen Religionsführer am 8. März nicht öffentlich in Erscheinung getreten – weder mit einer Audio- noch mit einer Videobotschaft. Laut Aussage der US-Regierung ist er verletzt – dessen Ausmaß ist unklar. Es ist auch unbekannt, wo er sich befindet.

Botschaft zum persischen Neujahr

In der Ansprache zum persischen Neujahr (Nouruz) bedankte er sich beim Präsidenten, der Regierung, den Streitkräften und dem iranischen Volk für ihren Widerstand gegen die gemeinsamen Angriffe der USA und Israels. Die Gegner hätten es nicht nur mit militärischen Mitteln wie Raketen, Drohnen und Torpedos zu tun, sagte er. Die “Frontlinie” des Irans sei größer, als es die Feinde wahrnehmen wollten. Khamenei erklärte das neue persische Jahr zum “Jahr der Widerstandsökonomie im Zeichen nationaler Einheit und Sicherheit”.

Alle Medien wurden aufgefordert, sich ernsthaft zu enthalten, Schwachstellen zu thematisieren. Andernfalls bestehe die Möglichkeit, dass der Feind sein Ziel erreiche. Khamenei bestritt, dass iranische Streitkräfte die Türkei oder Oman angegriffen hätten.

Unterdessen vermeldeten die iranischen Revolutionsgarden Tod ihres Sprechers. Ali Mohammad Naini sei am frühen Freitagmorgen einer “feigen Terrorattacke der amerikanisch-zionistischen Seite” zum Opfer gefallen, erklärten die Revolutionsgarden auf ihrer Website “Sepah News”. Die Garden sind die ideologische Armee des Iran und eine wichtige Stütze des Regimes der Islamischen Republik.

Israel und die USA hatten Ende Februar massive Luftangriffe auf den Iran gestartet. Der Iran reagiert seitdem mit Raketen- und Drohnenangriffen auf Israel, mehrere Golfstaaten sowie US-Einrichtungen in der Golfregion.

“Wichtigster Propagandist”

Israels Militär bezeichnete Naini als “wichtigsten Propagandisten” der Revolutionsgarden, der Terroranschläge gegen den Staat Israel gefördert habe. Die israelische Armee drohte, sie werde weiterhin gegen Kommandanten und wichtige Vertreter der iranischen Führung vorgehen.

Der Iran griff derweil Israel am Morgen und am Vormittag (Ortszeit) mit Raketen an. Unter anderem in Tel Aviv mussten sich die Menschen deshalb in Schutzräume begeben. Im Großraum der Küstenmetropole wurde laut Polizei ein Haus getroffen und beschädigt. Berichte über Opfer gab es zunächst nicht.

Kurz vor seiner Tötung hatte Naini noch darauf gepocht, dass der Iran trotz der anhaltenden Luftangriffe der USA und Israels weiterhin ballistische Raketen produziere. “Selbst unter Kriegsbedingungen setzen wir die Raketenproduktion fort”, wurde er am Freitag von der Nachrichtenagentur Fars zitiert. Er wies damit Äußerungen des israelischen Regierungschefs Benjamin Netanyahu zurück. Dieser hatte am Donnerstag gesagt, der Iran verfüge nach knapp drei Wochen Krieg “nicht mehr über die Kapazitäten, Uran anzureichern und ballistische Raketen herzustellen”.

Getöteter Geheimdienstchef hinterlässt offensichtlich große Lücke

Die iranische Staatsführung rief die Geheimdienstmitarbeiter unterdessen dazu auf, den “Feinden im In- und Ausland” die Sicherheit zu entziehen. In einer Mitteilung auf dem X-Profil des neuen obersten Führers, Mojtaba Khamenei, hieß es weiter, nach dem Tod von Geheimdienstchef Ismail Khatib müssten die “übrigen Beamten und Mitarbeiter dieses sensiblen Ministeriums” diese Lücke ausgleichen.

Mojtaba Khamenei ist seit seiner Ernennung am 8. März nicht öffentlich in Erscheinung getreten – weder mit einer Audio- noch mit einer Videobotschaft. Laut Aussage der US-Regierung ist er verletzt. Nähere Informationen gibt es bisher nicht. Geheimdienstminister Khatib wurde nach israelischen Angaben bei einem Luftangriff in der Nacht auf Mittwoch getötet.

Die israelische Armee griff am Freitag eigenen Angaben zufolge erneut Ziele im Iran an. Das Militär habe neue Bombardements auf Stellungen der iranischen Führung in der Gegend der Stadt Nur im Norden des Landes begonnen, hieß es in einer Mitteilung zu Mittag.

Hohes Mitglied der Bassij-Miliz getötet

Die israelische Armee hat die Tötung eines weiteren ranghohen Mitglieds der iranischen Bassij-Miliz bekanntgegeben: Der Geheimdienstchef der paramilitärischen Einheit, Esmail Ahmadi, sei bei einem Angriff im der Nacht zum vergangenen Dienstag “ausgeschaltet” worden, erklärte die Armee am Freitag. Ahmadi habe unter anderem eine “zentrale Rolle” bei der “Umsetzung terroristischer Aktivitäten” der Bassij-Miliz und bei der Niederschlagung der landesweiten Proteste zu Jahresbeginn gespielt.

Bei dem Angriff auf Ahmadi handelte es sich den Angaben zufolge um denselben, bei dem auch der Chef der Bassij-Miliz, Gholamreza Soleimani, getötet wurde. Dessen Tod hat der Iran bereits bestätigt.

Agentur: Iran fordert Angriffsende vor Verhandlungen über Hormuz

Am Freitagabend hieß es, der Iran ist einem Medienbericht zufolge nicht zu Verhandlungen über eine Öffnung der Straße von Hormuz bereit, solange er angegriffen wird. Die Meldung der Agentur Bloomberg bezog sich auf die faktisch blockierte Wasserstraße, über die ein erheblicher Teil des weltweiten Öl- und Erdgastransports läuft.

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