Kinder- und Jugendanwaltschaft stellt Tätigkeitsbericht 2018 vor

Kinder brauchen beide Eltern, Schutz und Orientierung

Mittwoch, 27. März 2019 | 12:47 Uhr

Bozen – Die Kinder- und Jugendanwaltschaft (Kija) ist das Sprachrohr für Heranwachsende in unserem Land und in ihrem heurigen zehnten Bestehungsjahr wichtiger denn je. Das betont Kinder- und Jugendanwältin Paula Maria Ladstätter anlässlich des heutigen Erscheinens des Jahresberichtes 2018. Im vergangenen Jahr sind die Anfragen im Vergleich zu 2017 konstant geblieben: 411 neue Anfragen kamen hinzu, an 696 Situationen aus dem Vorjahr wurde weitergearbeitet. Die drei Mitarbeiterinnen und der Mitarbeiter haben 2018 mehr als 1.760 Beratungen am Telefon und fast 200 Gespräche bei persönlichen Treffen gemacht. Weitere knapp 200 Anfragen wurden per Mail, WhatsApp und Facebook bearbeitet. Es ging um Jugendschutz, familiäre Konflikte, um Schule und Mobbing, Trennung, Scheidung, um Fremdunterbringung, um Adoption, um Internet und das Selbstbestimmungsrecht Jugendlicher. Sexualisierte, körperliche und psychische Gewalt nehmen zu.

Da ist ein 14-jähriger Junge, der daheim vom Vater regelmäßig Schläge bekommt, dessen Mutter sich aber hinter ihren Mann und nicht vor den Sohn stellt. Da sind Großeltern, denen nach der Trennung ihrer Tochter von deren Mann der Kontakt zu den Enkelinnen verweigert wird, weil sie seither beim ehemaligen Schwiegersohn leben. Da ist ein 17-jähriger Jugendlicher, dessen Familie seit Jahren vom Sozialsprengel unterstützt wird, der aber mit der neu zugeteilten Sozialassistentin absolut nicht zurechtkommt. Da ist ein Vater, der seit der Trennung von seiner früheren Lebensgefährtin erfährt, wie die Mutter seiner beiden Söhne die Jungs ungleich behandelt, weil der eine den Vater öfters positiv erwähnt hat. Da ist ein 14-jähriger unbegleiteter Minderjähriger aus Guinea, der bei einer Tante in Südtirol lebt, aber keinerlei Unterstützung von ihr bekommt – weder was die Schule, noch was die Planung der sommerlichen Aktivitäten angeht. Da ist die Mutter, die sich um ihre Tochter sorgt, weil diese in der Schule heftig gemobbt wird.

Nicht alle Kinder und Jugendlichen in Südtirol können in einem sicheren und geschützten Rahmen aufwachsen. Umso mehr sei die Kinder- und Jugendanwaltschaft (Kija) als unabhängige und niederschwellige Anlaufstelle gefragt, betont Paula Maria Ladstätter: „Wir haben das Kindeswohl im Auge. Kein Kind darf benachteiligt werden“, sagt sie. Alle Minderjährigen hätten ein Recht auf Existenzsicherung und bestmögliche Entfaltungsmöglichkeiten. Sie sollten bei Entscheidungen, die sie betreffen, mitreden und ihre Meinung frei und ohne Angst äußern können, sagt die Kinder- und Jugendanwältin.

Im Jahr 2018 hat die Kija 1.767 telefonische Beratungen gemacht, 192 Face-to-Face-Gespräche geführt, 184 Anfragen per Mail und 13 Anfragen über Social Media beantwortet. Es ging um Kinder- und Jugendschutz, um Schulverweigerung, um Vernachlässigung, Gleichbehandlung und altersgemäße Entwicklung von Kindern, um familiäre Konflikte, Trennung und Scheidung, um das Besuchsrecht eines Elternteils und Unterhaltszahlungen, um häusliche Gewalt, psychische, physische und sexualisierte Gewalt, um Probleme zwischen Eltern und Kindern, Fragen der Erziehung und Fremdunterbringung, um die Integration schwacher Schülerinnen und Schüler und von Kindern mit besonderen Bedürfnissen in Schule und Alltag, um Mobbing, Cybermobbing und Bullying in Schule und Freizeit. In vielen Situationen wurden Mehrfachproblematiken sichtbar.

Insgesamt haben die vier Mitarbeiterinnen und der Mitarbeiter der Kija im vergangenen Jahr 1.107 Akten bearbeitet. Davon wurden 411 neu eröffnet, an 696 Akten aus den Jahren davor wurde weitergearbeitet. Die Fälle sind meist komplex, die Bearbeitung gestaltet sich aufwändig und zieht sich oft über mehrere Jahre. „Es braucht Einzel- und Mediationsgespräche und laufend Treffen mit den zuständigen Netzwerkpartnerinnen und -partnern“, erklärt Paula Maria Ladstätter. Das derzeitige Team besteht aus Kinder- und Jugendanwältin Paula Maria Ladstätter, aus Bianca Stelzer, Expertin im Rechts- und Gesetzgebungsbereich, Daniela Höller, Expertin im Verwaltungsbereich und der Verwaltungssachbearbeiterin Federica Poli.

Die Kinder- und Jugendanwaltschaft (Kija) ist eine Einrichtung des Landes Südtirol. Sie wurde mit Landesgesetz Nr. 3 vom 26. Juni 2009 errichtet und wird heuer zehn Jahre alt. Die Kinder- und Jugendanwältin ist bei der Ausübung ihres institutionellen Auftrags unabhängig, überparteilich und niemandem hierarchisch unterstellt. Sie berät und unterstützt junge Menschen mit Problemen, versteht sich als Sprachrohr für Heranwachsende und vertritt deren Interessen auf politischer und gesellschaftlicher Ebene.

Der neue Jahresbericht der Kija kann von der Webseite www.kinder-jugendanwaltschaft-bz.org heruntergeladen werden. Für weitere Nachfragen steht das Team der Kinder- und Jugendanwaltschaft telefonisch unter Tel. 0471 946 050, per WhatsApp (Tel. +39 331 1738847), per Mail an info@kinder-jugendanwaltschaft-bz.org und über Facebook (facebook.com/kijagaia) zur Verfügung.

Von: mk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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8 Kommentare auf "Kinder brauchen beide Eltern, Schutz und Orientierung"


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Pacha
Pacha
Tratscher
24 Tage 17 h

Es ist ein Wahnsinn, wie Kinder in den Rosenkrieg mit hinein gezogen und gegen die andere Seite ausgespielt werden.

Loewe
Loewe
Superredner
24 Tage 17 h

Nicht immer.

wenn ein gewalttätiger Vater – oder gar ein potenzieller Mörder – ein Sexualverbrecher, der seine Frau Verwaltigt hat und daraus ist dieses Kind entstanden, welches Verteidigt wird, dann müsste die Mutter selbst ohne Amt die Entscheidungen treffen können, außer die Ämter sind so vernünftig, dass sie Frau und Kinder schützen und den Kontakt zum Verbrecher abbrechen!

Man muss das Kind aber auch die Frau bzw. die Mutter schützen, damit diese Stressfrei mit dem Kind leben kann, das wiederum dem Kind zugute kommt.

Staenkerer
24 Tage 9 h

i wett das der größte teil der scheidungskinder mittel zum zweck sein! a mieser ehemonn konn decht a guter voter sein (umgekehrt genauso) ober a kind, grod de kloanen, hot jo nix zum sogn!

ma che
ma che
Tratscher
24 Tage 14 h

“Kinder brauchen beide Eltern”

Das kann man meiner Meinung mach so nicht verallgemeinern. Lieber nur ein Elternteil als ständig Prügel zu bekommen.

Loewe
Loewe
Superredner
24 Tage 11 h

Hallo “ma che”,
Ja da bin ich vollkommen deiner Meinung!

Aber das Kind oder der Jugendliche hat auch nichts davon wenn die Mutter vor den Augen des Kindes oder Jugendlichen vergewaltigt oder geschlagen wird.

Da braucht es niemand, der versucht die Familie künstlich zusammenzuhalten.

Was es braucht ist einen gesunden Hausverstand und die Leute dürfen auf keinem Fall von irgendjemand bevormundet werden, der glaubt die Weißheit gefressen zu haben, denn sonst verdienen nur die Psychologen oder die Psychiater die dann Kind und Mutter in deisem Fall behandel müssen.

Niemand darf in den Wahnsinn getrieben werden.

Es lebe die Freiheit!!!

Loewe
Loewe
Superredner
24 Tage 16 h

Eine Frau oder ein Mann muss auch mal die Möglichkeit haben den Kontakt mit dem Ex – Partner oder der Ex – Partnerin komplett zu trennen.

Denn sonst ist eine Gefahr dass ein Partner ein verkrüppeltes Leben führen muss, voller Versagen, voller Misserfolge, das letztendlich auch nicht zum Wohle des Kindes ist. Ein Kind muss auch dürfen beim vernünftigen Partner zu leben, und das alleine ohne von Ämtern ständig immer wieder auf die Finger gekopft zu bekommen.

Martha
Martha
Superredner
24 Tage 16 h

mir sein die Beschtn !!–

iuhui
iuhui
Universalgelehrter
24 Tage 13 h

mir wer?

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