Schulterschluss bei Wolfsmanagement 

Klima und Wolf: Arge-Alp-Regierungschefs vereinbaren Zusammenarbeit ­

Freitag, 21. Oktober 2022 | 16:04 Uhr

Innsbruck – Auf ein gemeinsames Wolfsmanagement und gemeinsame Klimaschutzmaßnahmen haben sich die zehn Arge-Alp-Länder in Innsbruck verständigt. Den Vorsitz im Alpenbündnis führt 2023 St. Gallen.

Nach dem gestrigen Festakt zum fünfzigjährigen Jubiläum der Arge Alp in Mösern bei Telfs sind die Regierungschefs des Alpenbündnisses heute in der Innsbrucker Hofburg zu ihrer 53. Konferenz zusammengetroffen. Der amtierende Arge-Alp-Vorsitzende und scheidende Tiroler Landeshauptmann Günther Platter betonte in seiner Ansprache: “Die vergangenen 50 Jahre der Arge Alp sind geprägt von enger, kollegialer und freundschaftlicher Zusammenarbeit, die nachhaltig Wert für die Mitgliedsländer schafft. Unser primäres Ziel ist es, aufeinander abgestimmt gemeinsame Interessen in unseren Ländern und Europa erfolgreich durchzusetzen. Durch diese grenzübergreifende Kooperation können wir bereits auf gemeinsame Erfolge verweisen. Leitmotiv aller Aktivitäten der Arge Alp ist es demnach auch weiterhin, durch die Zusammenarbeit einen Mehrwert zu generieren – für die Mitgliedsländer und vor allem für die Menschen in unseren alpinen Regionen.”

Im Rahmen der heutigen 53. Regierungschefskonferenz wurde daher nicht nur ein länderübergreifendes Wolfsmanagement beschlossen, sondern weiters eine Klimaschutzresolution unterzeichnet und die Preistragenden des Arge-Alp-Preises ausgezeichnet. “Der Vorsitz des Landes Tirol in der Arge Alp stand im Zeichen der Nachhaltigkeit, des Klimaschutzes. Darüber hinaus wurden neue Impulse gesetzt, um bei gemeinsamen Herausforderungen wie dem Wolfsmanagement auf grenzüberschreitende Synergien und Informationen zurückgreifen zu können. Ich bin überzeugt davon, dass wir während des Tiroler Vorsitzes wichtige Themen auf Schiene gebracht haben und diese weiterhin forciert werden”, sagte Platter.

Klimaschutz bleibt zentrales Anliegen

So stand im Fokus der Tiroler Arge-Alp-Präsidentschaft der Klimaschutz, da sich der Klimawandel auf den Alpenraum besonders stark auswirkt. “Die Folgen des Klimawandels sind in den Alpen bereits deutlich spürbar. Um die nachhaltige Entwicklung des Alpenraums trotz des Klimawandels weiterhin zu gewährleisten, bedarf es einer verstärkten grenzüberschreitenden Zusammenarbeit, insbesondere in den klein strukturierten Grenzregionen”, erklärte Platter. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Energiewende: “Erneuerbare Energien bilden das Rückgrat der zukünftigen Energieversorgung im Alpenraum. Der weitere Ausbau erneuerbarer Energien ist dabei ein zentrales Element der Energiepolitik, da er einerseits Treibhausgas-Emissionen reduziert und andererseits die Abhängigkeit von fossilen Energieimporten vermindert.” Darüber hinaus soll der öffentliche Personennahverkehr über die Ländergrenzen hinweg verstärkt gefördert und vernetzt sowie der Güterverkehr über die Schiene als Alternative zur Straße weiter forciert werden.

Südtirols Landeshauptmann Arno Kompatscher unterstrich in puncto Klimaschutz, dass Klimapolitik vor allem Dekarbonisierung – weg von fossilen Energieträgern – bedeute: “Nachdem die Erderwärmung aber ohnehin fortschreitet, müssen wir auch an die Resilienz der Ökosysteme denken”, sagte Kompatscher. “Hierbei spielt die Aufrechterhaltung der Schutzfunktion des Waldes eine wichtige Rolle, der durch die Klimaveränderung besonders unter Druck steht, wie sich bei den Sturm- und Schneeschäden und dem Befall durch den Borkenkäfer zeigt.”

Schulterschluss bei Wolfsmanagement 

Ein weiterer Schwerpunkt während des Tiroler Vorsitzes war das Thema der großen Beutegreifer, um die alpine Berglandwirtschaft zu schützen. Dazu will man das länderübergreifende Monitoring, vor allem die Wölfe betreffend, verbessern. Daten und DNA-Proben sollen ausgetauscht und abgeglichen werden, genetische Untersuchungsmethoden im Alpenraum harmonisiert, um schließlich über eine gemeinsame Datenbank zu verfügen. Ziel ist die länderübergreifende Bewertung des Erhaltungszustands und die Herabsetzung des Schutzstatus. Die Arge-Alp-Länder fördern darüber hinaus Maßnahmen zum Herdenschutz.

“Die Bewirtschaftung von Berghöfen und Almen ist nicht nur ein kultureller und traditioneller Bestandteil unserer Gesellschaft. Sie hat auch eine enorme Bedeutung für die kleinstrukturierte alpine Landwirtschaft, die Biodiversität und die Landschaft. Letztendlich ist sie auch ein touristischer und damit auch wirtschaftlicher Faktor im ländlichen Raum”, zeigte sich Platter überzeugt. Zum Thema Wolf ergriff auch Südtirols Landeshauptmann Kompatscher das Wort. “Beim Thema Wolf besteht dringender Handlungsbedarf, doch leider scheint auf Ebene der staatlichen und europäischen Entscheidungsträger das Problembewusstsein noch nicht ausreichend vorhanden zu sein”, sagte Kompatscher, der das gemeinsame Vorgehen der Arge-Alp-Länder in Brüssel befürwortet.

Nachhaltige Energie im Mittelpunkt des St.-Gallener Vorsitzjahres 2023

Nachdem einem Jahr Tiroler Präsidentschaft, übernimmt der Schweizer Kanton St. Gallen im Jahr 2023 den Vorsitz der Arge Alp. Regierungsrat Marc Mächler erklärte: “Wir freuen uns mit der Vorsitzübernahme an die Initiativen des Landes Tirol anknüpfen zu können. Der Fokus des St. Galler Vorsitzjahres wird auf dem Bereich der nachhaltigen Energie liegen. Dabei soll der Fachaustausch zum Thema ‘Wasserstoff im Alpenraum’ gefördert werden.” Der Kanton St. Gallen organisiert zu diesem Zweck am 4. Mai 2023 eine Tagung, um eine gemeinsame Stoßrichtung für Arge-Alp-Mitglieder im Umgang mit Wasserstoff im Alpenraum zu formulieren.

Arge-Alp-Klimaschutzpreis verliehen

Im Zeichen des Klimaschutzes stand der Arge-Alp-Preis 2022. Er wurde in den drei Kategorien “Grassroots”, Startups und Großprojekte vergeben. Aus den insgesamt 71 Einreichungen, überzeugten neben den zwei Initiativen “Forumtheater: Entscheidungen mit Weitblick” aus Tirol und “BODAwichtig” aus Vorarlberg in der Kategorie Grassroots das Startup “e-cyclus” aus Graubünden sowie die beiden Großprojekte “EMMI Mobil” aus Bayern und “myclimate Klimafonds Davos” aus Graubünden. Insgesamt wurden 34.000 Euro an Preisgeld vergeben.

Von: luk

Bezirk: Bozen

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