SVP-Begehrensantrag

“Länger arbeiten muss sich lohnen”

Donnerstag, 07. Mai 2026 | 16:42 Uhr

Von: mk

Bozen – Mit einem Begehrensantrag setzt sich SVP-Fraktionsvorsitzender Harald Stauder für stärkere Anreize ein, damit Menschen auch nach Erreichen des Rentenalters freiwillig länger im Erwerbsleben bleiben. Ziel ist es, dem zunehmenden Fachkräftemangel entgegenzuwirken und gleichzeitig das Rentensystem zu entlasten.

Hintergrund ist der demografische Wandel: In den kommenden Jahren werden viele Menschen gleichzeitig in Rente gehen, während in zahlreichen Branchen bereits heute Arbeitskräfte fehlen. Gleichzeitig steigt die Lebenserwartung, wodurch das bestehende Rentensystem zunehmend unter Druck gerät. Dennoch entscheiden sich viele Beschäftigte derzeit für einen möglichst frühen Ruhestand, nicht zuletzt, weil zusätzliche Erwerbsarbeit im Alter oft steuerlich wenig attraktiv ist.

Der Begehrensantrag, der von Franz Locher und Angelo Gennaccaro mitunterzeichnet und mit großer Mehrheit genehmigt wurde, fordert daher konkrete Maßnahmen auf staatlicher Ebene. Unter anderem soll geprüft werden, ob bei einem späteren Renteneintritt ein Teil der Rentenbeiträge direkt an die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ausgezahlt werden kann – steuer- und abgabenfrei. Zudem soll sichergestellt werden, dass der erworbene Rentenanspruch auch bei Weiterarbeit vollständig erhalten bleibt und jederzeit in Anspruch genommen werden kann. Weitere Punkte betreffen eine Reform der Besteuerung von Renten- und Erwerbseinkommen sowie eine gezielte Entlastung der Arbeitgeber bei der Weiterbeschäftigung älterer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

„Wir müssen die Rahmenbedingungen so gestalten, dass sich freiwilliges längeres Arbeiten auch wirklich lohnt. Es geht nicht darum, jemanden zum Arbeiten zu verpflichten, sondern faire und verlässliche Anreize zu schaffen“, erklärt Harald Stauder.

Handwerk unterstützt Begehrensantrag

„Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels sind Fachkräfte gefragter denn je. Umso wichtiger sind Maßnahmen, die freiwilliges Weiterarbeiten über das Pensionsalter hinaus attraktiver zu machen“, erklärt der Handwerksverband lvh.apa zum Antrag.

Nicht nur im Südtiroler Handwerk sei der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften deutlich spürbar. Alle Sektoren kämpfen händeringend um ausgebildete Fachleute. Gleichzeitig verfügen viele ältere Personen über wertvolle Erfahrung, hohe Fachkompetenz und ein starkes Verantwortungsbewusstsein. Dieses Potenzial werde derzeit jedoch nicht ausreichend genutzt.

„Gerade im Handwerk sehen wir täglich, wie wichtig Erfahrung und Know-how sind. Viele unserer Betriebe würden gerne auf das Wissen älterer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter länger zurückgreifen – doch die aktuellen Rahmenbedingungen setzen oft die falschen Anreize bzw. bestrafen jene, die weiterarbeiten möchten“, erklärt Walter Pöhl, Direktor im lvh.apa

Insofern begrüßt der lvh.apa den Begehrensantrag des Landtagsabgeordneten Harald Stauder an das italienische Parlament und an die italienische Regierung. Er schlägt konkrete Maßnahmen vor, die finanzielle Anreize für längeres Arbeiten schaffen sollen. Dazu zählen etwa Modelle, bei denen Rentenbeiträge bei aufgeschobenem Renteneintritt direkt an die Beschäftigten ausbezahlt werden – steuer- und abgabenfrei. Dies könne das Nettoeinkommen deutlich erhöhen und einen echten Unterschied machen.

Auch die geforderte Rechtssicherheit für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sei aus Sicht des Handwerks zentral: Wer sich freiwillig für eine Weiterbeschäftigung entscheidet, müsse sich darauf verlassen können, dass der erworbene Rentenanspruch vollständig erhalten bleibt und jederzeit unter den ursprünglichen Bedingungen abgerufen werden kann.

Kritisch sieht der lvh.apa zudem die derzeitige steuerliche Behandlung von zusätzlichem Erwerbseinkommen im Rentenalter. „Wenn sich Mehrarbeit finanziell kaum lohnt, darf man sich nicht wundern, dass viele früher aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Hier braucht es dringend eine Reform hin zu einer spürbaren Entlastung“, untermauert Pöhl.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Entlastung der Betriebe: Durch reduzierte Lohnnebenkosten bei der Weiterbeschäftigung oder Wiedereinstellung von Personen im Rentenalter könnten Unternehmen erfahrene Fachkräfte länger halten, ohne wirtschaftlich zusätzlich belastet zu werden.

Der lvh.apa ist überzeugt, dass ein Bündel solcher Maßnahmen sowohl dem Arbeitsmarkt als auch dem Rentensystem zugutekommt: Mehr Menschen bleiben länger im Erwerbsleben, die Betriebe sichern sich dringend benötigte Fachkräfte, und gleichzeitig wird das Pensionssystem entlastet.

„Es geht um eine Win-win-Situation für alle Beteiligten – für die Beschäftigten, die Betriebe und die Gesellschaft insgesamt. Jetzt braucht es den politischen Willen, die richtigen Weichen zu stellen“, betont lvh-Direktor Pöhl abschließend.

Bezirk: Bozen

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