11,3 Mio. Euro zahlt die öffentliche Hand

Land fördert Tierser Seilbahn: Kritik der Umweltverbände

Montag, 29. November 2021 | 18:33 Uhr

Bozen/Tiers – Umweltverbände wie der Dachverband für Natur- und Umwelt, der AVS und und die Heimatpfleger kritisieren den Beschluss der Landesregierung, wonach die neue Seilbahn von Tiers auf die Frommer Alm am Fuße des Rosengarten mit 75 Prozent gefördert wird.

Diese Förderung mit Steuergeldern sei ein Schlag ins Gesicht für alle Südtiroler und alle Wirtschaftszweige außer Hotels und Skigebiete, schreiben die Verbände in einer gemeinsamen Stellungnahme. Von Tiers auf die Nigerpassstraße gebe es nämlich keine Verkehrsprobleme. Nachfolgend die vollinhaltliche Stellungnahme.

 

Der Beschluss der Landesregierung N. 987 vom 23. November 2021 ist nicht nur ein Tiefpunkt für den Umgang mit der Natur- und Kulturlandschaft in Südtirol, sondern vor allem auch ein Schlag ins Gesicht – eine „Watschn“ – für alle Südtiroler Bürgerinnen und Bürger und alle Wirtschaftszweige außer Skigebiete und einzelne Hoteliers. Eine unglaubliche Summe an öffentlichen Steuergeldern sollen in die neue Seilbahnverbindung zwischen Tiers und der Frommer Alm am Fuße des Rosengartens, von der nur die Tierser Seilbahn A.G. und wenige Hoteliers in Tiers und Welschnofen wirtschaftliche Vorteile haben, investiert werden. Der Beschluss sieht vor, dass der Tierser Seilbahn S.p.A. 9,5 Millionen Euro zugewiesen werden, zusätzlich zu den bereits im Jahr 2020 zugewiesenen 1,8 Millionen Euro, also insgesamt 11,3 Millionen Euro, bei einer Gesamtinvestition von 15,8 Millionen Euro. Dies entspricht einem Beitrag von 75 Prozent. Welcher Unternehmer würde sich nicht über einen solchen Prozentsatz an Förderung freuen? Allerdings profitieren von einem solchen Beitrag nur sehr wenige, während viele Menschen und Wirtschaftszweige die Nachteile durch die Verschandelung der Natur- und Kulturlandschaft über einen sehr langen Zeitraum tragen müssen.

Die mehrere Dutzend Meter hohen Metallmasten ragen wie die Skelette eines Denkmals des Massentourismus hervor. Das wunderschöne Gebiet unserer Dolomiten wird wieder einmal zu einer Geldmaschine degradiert.

Die Beweggründe der Gemeinde, abgesehen von den offensichtlichen wirtschaftlichen: Förderung der nachhaltigen Mobilität auf der Nigerpassstraße (wo es keine Verkehrsprobleme gibt!), Verringerung der “langen Fahrzeiten” zwischen Tiers und Welschnofen (30 Minuten) und die Ermöglichung des Zugangs zum Karersee von Tiers aus über drei Aufstiegsanlagen. Welcher Tourist wird diese bizarre Option wählen?

Als Beweis dafür, dass die Seilbahn nicht zur Entlastung des Verkehrs beiträgt, sondern ihn im Gegenteil noch vergrößert, hat die Gemeinde Tiers bereits die Umwandlung von 2553 m2 Waldfläche (in einem bereits von Vaia gezeichneten Gebiet) in einen Parkplatz genehmigt, und zwar mit folgender Begründung:

“Da die Autonutzung nicht ausgeschlossen werden kann und nur teilweise durch den öffentlichen Verkehr abgedeckt werden kann, ist der Bau eines Parkplatzes bei der Talstation unabdingbar – für den Betrieb der Seilbahn und zugunsten der Parkplatzsituation der Einwohner von Tiers”.

Darüber hinaus ist es fraglich, warum die Landesregierung so viel Geld für die Verkehrsberuhigung am Nigerpass ausgibt und nicht dort in die Verkehrsregelung investiert, wo sie wirklich benötigt wird, nämlich auf den Karer-, Sella-, Grödner- und Langkofel-Passstraßen.

Die unterzeichnenden Verbände bringen ihre tiefe Enttäuschung über die Entscheidung der Landesregierung zum Ausdruck, 11,3 Mio. Euro an öffentlichen Mitteln für private Einzelinteressen zu vergeben. Ressourcen, die für Dienstleistungen verwendet werden könnten, die der Gemeinschaft wirklich zugutekommen, wie z.B. Investitionen in die Gesundheitsversorgung. Wir appellieren auch an diejenigen, die diese Empörung teilen, sich dieser Kritik am Vorgehen der Landesregierung anzuschließen, damit sie ihre Entscheidung zugunsten einer weltweit einzigartigen Natur- und Kulturlandschaft, für die wir auch gegenüber künftigen Generationen verantwortlich sind, überdenkt.

Von: luk

Bezirk: Bozen, Salten/Schlern

Kommentare

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16 Kommentare auf "Land fördert Tierser Seilbahn: Kritik der Umweltverbände"


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schlauer
schlauer
Tratscher
1 Monat 23 Tage

Stehe voll hinter den Forderungen der Umweltverbände! Es kann nicht sein dass die öffentliche Hand fast die gesamten Investitionsausgaben für die Seilbahn Tiers-Nigerpass trägt. Nebenbei ist zu erwähnen dass im Ausland keine öffentliche Förderungen für private Seilbahnen gewährt werden!
Dem nicht genug will sich die Karezza Gesellschaft ja auch noch den Neubau der Kölner Hütte vom Land finanzieren lassen…
Ja gehts noch!!!

Ilvi
Ilvi
Neuling
1 Monat 23 Tage

@schlauer…nicht nur den Neubau der Kölnerhütte finanzieren…auch jährliche Instandhaltung mit schwindelnerregenden 000000000 Beträgen. Menschen die diesen Bauten zustimmen, abgesehen von den Geldern, haben keinen Bezug zur Natur…ergo zu unserer Heimat…solche Typen wissen nicht was sie tun. VERRÄTER UNSERER HEIMAT

Storch24
Storch24
Kinig
1 Monat 23 Tage

Naturschutzgebiet zerstören mit Hilfe der Steuerzahler. Zum schämen.
Ich hoffe das ganze Gebirge wird als Naturschutzgebiet aberkannt.

heris
heris
Tratscher
1 Monat 23 Tage

Braucht  es das ??? sind nicht schon genug Aufstiegshilfen vorhanden.

Faktenchecker
1 Monat 23 Tage

Naturzerstörung statt sanfter Tourismus.

Die Kanpagne ist für die Katz!

https://www.suedtirolnews.it/chronik/stornierungen-wegen-corona-partys-idm-mit-gegenkampagne

Aber wir haben ja noch genügend schöne Landschaft.

Orch-idee
Orch-idee
Superredner
1 Monat 23 Tage

@faktenchecker… Wenn’s so weitergeht nicht mehr lange… 😔

Faktenchecker
1 Monat 22 Tage

papaschlumpf
papaschlumpf
Neuling
1 Monat 23 Tage

Anstatt mal das Verkehrsproblem in der Landeshauptstadt anzugehen🙈

schlauer
schlauer
Tratscher
1 Monat 23 Tage

@papaschlumpf
Und auf den Dolomitenpässen🙏 Dort ist der Verkehr im Sommer mit zig Tausenden Autos und Motorrädern am Tag längst schon über dem
Erträglichen! Und was macht unsere Politik dagegen? Rein gar nichts🙈 Nicht mal eine Sperre für wenige Stunden am Tag oder eine Mautgebühr wird akzeptiert….Traurig aber wahr bzw. einfach zum Schämen!!

Bergler17
Bergler17
Neuling
1 Monat 23 Tage

Bei der Übererschliessung unserer Bergwelt ist die 75-%-Förderung nicht mehr zeitgemäß! Verluste werden danach auch noch sozialisiert, die Gewinne hingegen privatisiert. Heimat quo vadis?

Neumi
Neumi
Kinig
1 Monat 23 Tage

Wann wurde denn zuletzt ein derartiges Bauvorhaben NICHT gefördert?

Guri
Guri
Superredner
1 Monat 23 Tage

Das ganze schreit zum Himmel , die letzten Natur Oasen zerstören ” 😤vom Land aus , das Geld besser in die Sanität investieren meine Meinung .

Savonarola
1 Monat 23 Tage

da müssen massive Pendlerströme hinauf, gelle. Südtirol als Nachhaltigkeitsland hochgepriesen, derweill bleiben nur die Mafien.

Faktenschlecker
Faktenschlecker
Grünschnabel
1 Monat 22 Tage

hinten noch reitet di urschl

wellen
wellen
Universalgelehrter
1 Monat 22 Tage

Die Gier ist eine Todsünde

Zugspitze947
1 Monat 22 Tage

>Jaja der MAM;ON IST ALLES in Italo-Südtirol,da zählt die Natur NICHTS mehr ! Aber vergesst nicht EUER letztes Hemd hat auch KEINE Taschen ! Es ist echt zum Kotzen 😡😢👌

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