Netanyahu verteidigt bei Holocaust-Gedenken Vorgehen im Gazastreifen

Netanyahu: “Internationale Kritik, weil wir Juden sind”

Montag, 06. Mai 2024 | 05:56 Uhr

Von: APA/dpa/Reuters/AFP

Israels Premier Benjamin Netanyahu hat internationale Kritik am israelischen Vorgehen im Gazastreifen zurückgewiesen und auf das Selbstverteidigungsrecht seines Landes gepocht. Die Kritik sei nicht auf das Handeln Israels zurückzuführen, “sondern weil wir existieren, (…) weil wir Juden sind”, argumentierte Netanyahu am Sonntag bei einer Zeremonie zum Holocaust-Gedenktag in der Gedenkstätte Yad Vashem. Er ortete einen “Vulkan des Antisemitismus”, der weltweit ausbreche.

“Kein noch so großer Druck, kein Beschluss eines internationalen Forums wird Israel davon abhalten, sich zu verteidigen”, sagte Netanyahu weiter. “Wir werden unsere völkermordenden Feinde besiegen. Nie wieder ist jetzt!” Sollte Israel gezwungen sein “alleine zu stehen, wird Israel alleine stehen”, betonte der Chef eines rechtsreligiösen Regierungskabinetts. Mit Verweis auf die Verfolgung und Vernichtung der Juden im Zweiten Weltkrieg durch das “Deutsche Reich” sagte der israelische Regierungschef: “Während des furchtbaren Holocausts gab es wichtige Staatenlenker, die abseits standen. Die erste Lektion aus dem Holocaust ist deshalb: wenn wir uns nicht selbst verteidigen, wird uns niemand anders verteidigen.” Der 74-Jährige ergänzte: “Heute stehen wir erneut Feinden gegenüber, die auf unsere Zerstörung aus sind.” Proteste gegen das israelische Vorgehen im Gazastreifen, etwa bei den Protesten an Universitäten in den USA und anderswo gebe es, “weil wir Juden sind”.

Wegen ihres Vorgehens im Gazastreifen sieht sich die israelische Regierung internationaler Kritik ausgesetzt. Die harte Kriegführung Israels bewirkte zuletzt sogar beim engsten Verbündeten, den USA, eine gewisse Entfremdung. US-Präsident Joe Biden fordert regelmäßig mehr Hilfslieferungen für die Not leidende Bevölkerung im Gazastreifen. Den israelischen Regierungschef warnt er eindringlich davor, das Militär in die südliche Stadt Rafah zu schicken, bevor Hunderttausende dort zusammengedrängte Binnenflüchtlinge in Sicherheit gebracht sind.

Die Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) warf Israel am Sonntag bei ihrem Gipfeltreffen einen “Völkermord” im Gazastreifen vor und rief zu Sanktionen gegen Israel aufgerufen. Die 57 Mitgliedstaaten beschlossen am Sonntag in Gambias Hauptstadt Banjul eine Resolution, die sich dafür ausspricht, Strafmaßnahmen gegen Israel zu verhängen und “den Export von Waffen und Munition einzustellen, die von ihrer Armee verwendet werden, um im Gazastreifen das Verbrechen des Genozids zu begehen”.

Die Resolution enthält überdies den Aufruf, “diplomatischen, politischen und rechtlichen Druck auszuüben und jegliche abschreckende Maßnahme zu ergreifen, um die Verbrechen der kolonialen israelischen Besatzung zu beenden und den Völkermordkrieg, den es gegen das palästinensische Volk führt”. Zugleich forderte die Organisation eine “sofortige, dauerhafte und bedingungslose Waffenruhe” in dem Palästinensergebiet.

Die OIC wurde 1969 nach dem Brand der Al-Aksa-Moschee in Jerusalem gegründet, um die Solidarität zwischen Muslimen zu stärken, heilige Stätten des Islam zu schützen und die Palästinenser zu unterstützen. Im November hatte sie Israels Vorgehen im Gazastreifen auf einem gemeinsamen Gipfel mit der Arabischen Liga verurteilt, ohne allerdings Sanktionen auf den Weg zu bringen.

Der Gaza-Krieg wurde durch den beispiellosen Angriff der radikalislamischen Hamas auf Israel am 7. Oktober ausgelöst, bei dem nach israelischen Angaben etwa 1170 Menschen getötet und rund 250 weitere als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt wurden. Israel geht seit dem Hamas-Angriff massiv militärisch im Gazastreifen vor. Dabei wurden nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums, die sich nicht unabhängig überprüfen lassen, inzwischen mehr als 34.600 Menschen getötet. Israel bestreitet diese Zahlen.

Am Sonntag hatte Israels Armee den derzeit wichtigsten Grenzübergang für Hilfsgüter in den Gazastreifen nach Raketenbeschuss aus dem Palästinensergebiet geschlossen. Aus einem Gebiet nahe der Stadt Rafah im südlichen Gazastreifen seien zehn Geschosse in Richtung des Übergangs Kerem Shalom abgefeuert worden, erklärte die Armee. Dabei seien drei israelische Soldaten getötet und zahlreiche weitere verletzt worden. Seitens der Hamas hieß es unterdessen, bei einem israelischen Armeeangriff auf ein Haus in Rafah seien am Wochenende neun Palästinenser ums Leben gekommen.

Deutschlands Außenministerin Annalena Baerbock verurteilte den Hamas-Raketenangriff scharf. “Der Beschuss eines der wichtigsten Zugänge für humanitäre Hilfe zeigt erneut, dass die humanitäre Versorgung der Menschen in Gaza den Terroristen der Hamas vollkommen egal ist”, sagte die Grünen-Politikerin am Montag während ihres Besuchs im pazifischen Inselstaat Fidschi. Die Islamistenorganisation zeige damit erneut ihr wahres Gesicht. Es sei ihr nie um die Menschen in Gaza gegangen. “Das Schicksal der Menschen in Gaza ist den Terroristen vollkommen egal.”

Kommentare

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25 Kommentare auf "Netanyahu: “Internationale Kritik, weil wir Juden sind”"


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Aurelius
Aurelius
Kinig
22 Tage 10 h

Netanjahu ist ein Narzisst ohne Rücksicht auf Verluste wie ein Platzhirsch

magg
magg
Superredner
22 Tage 6 h

Was hat er schon zu verlieren, eine Wiederwahl ist ausgeschlossen und das einzige was ihn noch bleibt, ist der totale Sieg gegen Hamas (auf Kosten von zig unschuldigen Toten).

Goennenihrwichtigtuer
Goennenihrwichtigtuer
Universalgelehrter
22 Tage 6 h

Woasch wia men an Antisemiten auserkennt? Wie gehts in die Geiseln und dr Hamas? 🤔 Hosch du sel überhaupt mitgekriegt? …

Aurelius
Aurelius
Kinig
21 Tage 20 h

@Goennenihrwichtigtuer
dein Argument Antisemitismus zieht hier nicht mehr…wer klar denken kann weiß was Netanjahu im Schilde hat… vollkommen Zerstörung der Palästinenser

Aurelius
Aurelius
Kinig
22 Tage 10 h

Netanjahu macht ungeheuer weiter auf Kosten der Zivilisation

Goennenihrwichtigtuer
Goennenihrwichtigtuer
Universalgelehrter
22 Tage 7 h

A wol frisch auf Kosten der Zivilisation… 😬

Goennenihrwichtigtuer
Goennenihrwichtigtuer
Universalgelehrter
22 Tage 1 h

Genau sel isch sein Job als Premiere dor Geiseln. Richtig erkannt👌 Er mocht zwor wos für die “Zivilisation” indem er die Tunnelwualer ausräuchert ober glab hon verstonden dass du vo die
✌️Zivilisten✌️ (Hamas Wähler, Sympathisanten) in Gaza redsch…👍 kluane Korrektur “Die Hamas holtet die Geiseln auf Kosten IHRER Zivilbevölkerung. Isch awian kompliziert, i will die nit mit Aktion Reaktion überfordern, gonz folsch ligsch jo nit..

Aurelius
Aurelius
Kinig
21 Tage 20 h

@Goennenihrwichtigtuer
dich nimmt hier ja keiner mehr ernst

N. G.
N. G.
Kinig
22 Tage 11 h

Diese Ausage Netanyahus ist eine Umkehrung der Fakten!
Denn fast ausnahmslos wurde Israel die Selbstverteidigung zugesprochen, vor allem von ihren Verbündeten aber genau DIESE haben Israel bei ihrem überzogenen Vorgehen auch kritisiert! Was will Netanyahu seinen Verbündeten damit sagen? Komplett daneben diesen populistischen Vorwurf an sie zu richten!

Goennenihrwichtigtuer
Goennenihrwichtigtuer
Universalgelehrter
22 Tage 7 h

Artikel zu lesen isch nut so deins gel…

Grantelbart
Grantelbart
Universalgelehrter
22 Tage 5 h

ja dann spielen wir also mal wieder die Rassismus Karte, so könnte man sich leicht davon ablenken lassen, dass Israel unmittelbar vor einer massiven Offensive auf Rafah steht, die unter Garantie direkt in die nächste humanitäre Katastrophe münden wird – darin sind sich die Experten sehr einig. Andere mögliche Folgen lassen sich da schon weniger absehen, etwa ein mögliches Eingreifen Irans in das Geschehen. Wie würden die USA darauf reagieren usw.  
Netanyahu spielt ein gefährliches Spiel auf Kosten anderer aber auch der eigenen Leute. 

Goennenihrwichtigtuer
Goennenihrwichtigtuer
Universalgelehrter
22 Tage 1 h

Die Humanitäre Katastrophe hot uanzig und alluan die Geiselnahme UND DIE NIT FREILASSUNG zu verantworten. Isch jo dümmlich zu muanen sie kennen a Hamas no Coexistieren lossen. Verstea oft nit wieso gewisse Leit kaum 5 min in voraus denken kennen. Die USA hatten den stroafn innerhalb vo 24 3m untern Meeresspiegel versetz, genau so wia jeder ondere Stoot a der die Mittel het.

Aurelius
Aurelius
Kinig
21 Tage 20 h

@Goennenihrwichtigtuer
nein ein Scheit alleine brennt nicht

Grantelbart
Grantelbart
Universalgelehrter
21 Tage 6 h

@gönnen:
Vergisst du dabei nicht vielleicht dass die Mehrheit der Menschen in diesem „Streifen“ Minderjährige sind? Ist schon klar dass die Terroristen die Geiseln freilassen sollten, aber wenn man als Reaktion darauf Zigtausende Zivilisten umbringt nur um die Hamas zu treffen wird man dann nicht selbst zur Terrororganisation? Gibt es wirklich nur die Auslöschung als Lösung? Wer hier dümmlich ist…

user6
user6
Tratscher
22 Tage 7 h

netanjahu wird schon nicht ganz sauber sein, aber mit dem was er behauptet hat er zu 100% recht. viel zu viele wollen die vernichtung israels und den juden. die geschichte gibt ihm recht und wir wissen es alle, dass sich israel ständig in gefahr befindet. ich kann deshalb nicht anders als ihm recht zu geben was die verteidigung angeht.

Aurelius
Aurelius
Kinig
21 Tage 20 h

und Netanjahu will die Vernichtung der Palästinenser

user6
user6
Tratscher
22 Tage 7 h

wer nicht zu israel hält, der hält zu mörder und vergewaltiger. meine meinung

Goennenihrwichtigtuer
Goennenihrwichtigtuer
Universalgelehrter
21 Tage 22 h

Mir follts a leichter mi in die Partypeople eini zu versetzen wia in de Schänder… Do schein mor ober leider nit repräsentativ zu sein.. 🤷‍♂️

Aurelius
Aurelius
Kinig
21 Tage 20 h

selten so einen Blödsinn gelesen

Hustinettenbaer
22 Tage 8 h

Bei dieser “rassistischen” Rhetorik (internationale Kritik ist gegen Juden) bleibt nur zu hoffen, dass in Israel lebende, kritisierende Juden, Araber… nicht genauso diffamiert werden.

N. G.
N. G.
Kinig
22 Tage 5 h

Rassistische Rhetorik kam in dem Fall vin Netanyahu selbst und das ihne jeglichen Hintergrunrund rein zu seinem persönlichen Machterhalt und Vorteil! Diese Ausage könnte sogar von Putin für seune Zwecke stammen!

Staenkerer
22 Tage 3 h

i verstea ….wenn juden juden töten dorf sell nit kritisiern wern, weil sem jemand gegen juden eppas sog …..???

Goennenihrwichtigtuer
Goennenihrwichtigtuer
Universalgelehrter
22 Tage 1 h

Na, viel hosch nit verstanden..

Aurelius
Aurelius
Kinig
21 Tage 20 h

@Goennenihrwichtigtuer
du schon Gel

Dolomiticus
Dolomiticus
Universalgelehrter
21 Tage 21 h

Na na na, mein lieber! Das ist jetzt die alte Antisemitismus-Masche. Ich kritisiere was der Staat Israel anstellt. Dabei ist mir das Judentum völlig egal. Genauso wie mir der Islam egal ist, obwohl ich den Angriff von Hamas im Herbst zutiefst verabscheue.

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