Von: APA/dpa/Reuters/
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hat eine weitere Intensivierung der Angriffe seines Landes gegen dessen Gegner in Aussicht gestellt. Für das militärische Vorgehen brauche es vor allem drei Dinge: “erstens Entschlossenheit, zweitens Initiative und drittens List”, sagte er am Freitag. Der Feind werde diese Fähigkeiten “noch viel stärker” zu spüren bekommen. Die USA gehen nach eigenen Angaben von einem Erreichen aller Ziele im Iran in vier bis sechs Wochen aus.
Die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, erklärte am Freitag zudem, dass das US-Militär über ausreichende Munitionsbestände für den Konflikt verfüge. Präsident Donald Trump und Verteidigungsminister Pete Hegseth sollen sich im Laufe des Tages mit führenden Rüstungsherstellern treffen. Israel sei auf dem Weg, alle seine Missionen zu vollenden, versicherte indes Netanyahu. Weitere Details zu möglichen nächsten Schritten nannte Netanyahu allerdings bei einem Besuch der Wüstenstadt Beersheva nicht. Der israelische Generalstabschef betonte, die Angriffe gingen in eine nächste Phase über. “In dieser Phase werden wir das Regime und seine militärischen Kapazitäten weiter zerschlagen”, sagte Generalstabschef Eyal Zamir Militärangaben zufolge.
15. Angriffswelle
Die israelische Armee hat nach eigenen Angaben am siebenten Tag des Kriegs erneut Ziele im Iran angegriffen. Das israelische Militär sprach von der “15. Angriffswelle”. Dabei nehme die Armee Infrastruktur der iranischen Führung in Teheran und Isfahan ins Visier, hieß es am Freitag weiter. Weitere Einzelheiten wurden zunächst nicht genannt. Die israelische Armee griff nach eigenen Angaben auch den unterirdischen Militärbunker des getöteten obersten Führers Ayatollah Ali Khamenei an und zerstörte ihn.
Der unterirdische Komplex befinde sich unter iranischen Regierungsgebäuden im Zentrum der Hauptstadt Teheran, teilte das israelische Militär mit. Die Zerstörung des Bunkers sei ein weiterer Schlag für die iranische Führung, erklärte Armeesprecher Effie Defrin. Khamenei wurde am Samstag bei israelischen und US-Luftangriffen im Iran getötet – laut der israelischen Armee noch bevor er den Bunker benutzen konnte. Danach hätten ranghohe Mitglieder der Führung den Bunker weiter benutzt. “Weil sie dachten, es sei ein sicherer Ort, zu dem nicht vorgedrungen werden kann. Sie haben sich geirrt”, sagte Defrin.
Augenzeugen berichten von Explosionen
In Teheran berichteten Augenzeugen von heftigen Explosionen und Erschütterungen, die in vielen Wohnungen zu spüren gewesen seien. Es gab zunächst keine Angaben zu Opfern. Die israelische Luftwaffe hatte in den vergangenen Tagen auch wichtige Regierungsgebäude, die oberhalb des Bunkers liegen sollen, angegriffen.
Das israelische Militär erteilte zudem einen Evakuierungsbefehl für die iranische Stadt Qom. Dieser betreffe ein Industriegebiet, hieß es in einer Erklärung. Anrainer seien aufgerufen, das Gebiet zu verlassen. Qom liegt im Zentrum des Iran, südlich von Teheran, und gilt den Schiiten als heilige Stadt.
Iranische Angriffe auf Israel und Golfregion
Iranische Streitkräfte feuerten eigenen Angaben zufolge eine neue Welle an Raketen auf Israel ab. Das berichteten der staatliche iranische Rundfunk und die Nachrichtenagentur Tasnim, die den mächtigen Revolutionsgarden nahesteht. In Israel wurde Raketenalarm ausgelöst. Auch Bahrain und Saudi-Arabien meldeten Angriffe aus dem Iran. Insgesamt wurden in Israel im Zuge des Krieges bisher elf Menschen getötet.
Im Konflikt mit Israel und den USA sind nach iranischen Angaben seit Samstag mindestens 1.332 Zivilisten ums Leben gekommen. Tausende weitere seien verletzt worden, sagte der iranische UNO-Botschafter Amir Saeid Irawani vor Journalisten am UNO-Sitz in New York. Auch in den Golfstaaten gab es bei iranischen Angriffen bereits mehrere Tote.
Die iranischen Revolutionsgarden erklärten am Freitag, sie hätten US-Radarsysteme in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Jordanien und Katar zerstört. Die Armee erklärte laut iranischem Staatsfernsehen, US-Militärstützpunkte in Kuwait angegriffen zu haben. Die Angriffe würden in den kommenden Stunden fortgesetzt.
Bahrain: Hotel und Wohngebäude getroffen
Bei mutmaßlich iranischen Angriffen auf Bahrain wurden mehrere zivile Gebäude beschädigt. Wie das Innenministerium des Golfstaats mitteilte, wurden zwei Wohnhäuser und ein Hotel in der Hauptstadt Manama zum Ziel “iranischer Aggression”. In einem der Gebäude sei ein Wohnungsbrand gelöscht worden. Tote oder Verletzte habe es keine gegeben.
Der kleine Inselstaat Bahrain im Persischen Golf fing nach eigenen Angaben bisher knapp 80 Raketen und mehr als 140 Drohnen aus dem Iran ab. Neben Wohngebäuden wurden dort auch eine Ölanlage und ein wichtiger US-Marinestützpunkt zum Ziel iranischer Angriffe. Ein Mensch wurde bei den Angriffen bisher getötet.
USA kündigen Reaktion auf iranische Angriffe auf Zivilisten an
Auch Saudi-Arabien meldete wieder einen Angriff. Wie das Verteidigungsministerium in der Hauptstadt Riad mitteilte, wurde eine Drohne im Nordosten der Stadt abgefangen und zerstört.
Die USA kündigen eine Reaktion auf iranische Angriffe auf Zivilisten im gesamten Nahen Osten an. Der Iran habe seit den US-amerikanischen und israelischen Angriffen auf die Islamische Republik in der vergangenen Woche zwölf verschiedene Länder attackiert, erklärte Brad Cooper, Chef des US-Zentralkommandos, am Freitag. Dazu gehöre der Abschuss von sieben Angriffsdrohnen auf zivile Wohnviertel in Bahrain am Donnerstagabend. “Das ist inakzeptabel und wird nicht unbeantwortet bleiben”, sagte Cooper.
Pezeshkian berichtet von Vermittlungsbemühungen
Dem iranischen Präsidenten Masoud Pezeshkian zufolge haben einige Länder mittlerweile Vermittlungsbemühungen aufgenommen. “Unsere Antwort an sie ist klar: Wir setzen uns für einen dauerhaften Frieden in der Region ein”, erklärte Pezeshkian am Freitag. Die iranische Führung zögere aber auch nicht, “die Würde und Autorität unseres Landes zu verteidigen”.
Die USA und Israel hatten am Samstag mit massiven Luftangriffen auf den Iran begonnen. Dabei wurden der oberste Führer Khamenei und zahlreiche weitere Mitglieder der iranischen Führung getötet. Der Iran reagiert seither mit Gegenangriffen auf Israel, mehrere Golfstaaten und US-Einrichtungen in der Golfregion.




Aktuell sind 1 Kommentare vorhanden
Kommentare anzeigen