Von: APA/dpa/AFP/Reuters
Drei Wochen nach Beginn des Iran-Kriegs setzen Israel und der Iran ihre gegenseitigen Angriffe fort. Bei iranischen Raketenangriffen auf Israel am Abend wurden laut israelischen Angaben Dutzende Menschen verletzt. In der Nacht und Samstag früh war demnach in Rishon Lezion südöstlich von Tel Aviv ein Kindergarten getroffen worden. Zu dem Zeitpunkt war jedoch niemand dort. Die USA und Israel griffen indes die iranische Urananreicherungsanlage in Natanz an.
Bei einem Vorfall am Abend in der Stadt Dimona im Süden Israels seien ein zehnjähriger Bub und eine Frau durch Splitter einer eingeschlagenen Rakete mittelschwer verletzt worden, teilte der Rettungsdienst Magen David Adom mit. Die “Jerusalem Post” berichtete, ein Gebäude in Dimona sei infolge des Einschlags eines Geschosses eingestürzt. Im Bereich der israelischen Wüstenstadt Dimona befindet sich ein israelischer Atomreaktor, der als extrem gut geschützt gilt.
Verletzte bei Einschlag in Wüstenstadt Arad
Bei weiteren iranischen Angriffen am Abend in der Negev-Wüstenstadt Arad wurden rund 60 Menschen verletzt. Nach Angaben des Rettungsdienstes Magen David Adom schlug eine Rakete zwischen mehreren Gebäuden ein. Sieben Menschen erlitten demnach schwere Verletzungen, darunter auch ein vierjähriges Mädchen. Videoaufnahmen von vor Ort zeigten vier massiv beschädigte, mehrstöckige Wohnhäuser.
Die Such- und Rettungskräfte des israelischen Heimatfrontkommandos seien auf dem Weg zu den Einschlagstellen im Süden Israels, hieß es von der israelischen Armee. Davor wurden bereits in der südlichen Wüstenstadt Dimona mehr als 40 Personen bei einem iranischen Raketenangriff verletzt. Arad liegt rund 50 Kilometer nördlich von Dimona.
Kein Austritt von Radioaktivität in Natanz
Am Vormittag hatte der Iran seinerseits einen Angriff auf die iranische Atomanlage Natanz gemeldet. Es sei keine Radioaktivität ausgetreten und für die Anrainer in der Nähe der Anlage bestehe keine Gefahr, meldete die iranische Nachrichtenagentur TASNIM. Die schwer gesicherte Atomfabrik Natanz, rund 250 Kilometer südlich von Teheran im Zentrum des Landes gelegen, ist die bekannteste iranische Atomanlage. Ihre Existenz wurde 2002 enthüllt. Sie besteht aus einer oberirdischen und einer unterirdischen Anlage zur Urananreicherung mit insgesamt fast 70 Kaskaden, in denen Zentrifugen hintereinander geschaltet sind. Insgesamt gibt es mehr als 10.000 Einzelzentrifugen.
Nach Angaben des Weißen Hauses besteht ein Hauptziel des derzeitigen Krieges darin, zu verhindern, dass der Iran jemals in den Besitz von Atomwaffen gelangt. Israel wiederum sieht im iranischen Atom- und Raketenprogramm seine größte existenzielle Bedrohung. Iranische Politiker hatten in der Vergangenheit immer wieder dem jüdischen Staat mit Vernichtung gedroht.
IAEA fordert Zurückhaltung
Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) forderte indes militärische Zurückhaltung von den Kriegsparteien. Es gelte, jedes Risiko eines Atomunfalls zu vermeiden, schrieb IAEA-Chef Rafael Grossi auf der Plattform X. Der Iran habe die IAEA in Wien über den Angriff informiert, es seien jedoch keine erhöhten radioaktive Strahlungswerte gemeldet worden, hieß es.
Schon Anfang des Monats hatte die IAEA neue Schäden an Eingangsgebäuden der unterirdischen Urananreicherungsanlage in Natanz bestätigt. Die Vereinigten Staaten und Israel hatten bereits im Juni 2025 Irans Atomanlagen bombardiert und stark beschädigt.
Russland verurteilte die Angriffe auf die Atomanlage Natanz. Die internationale Gemeinschaft müsse “sofort eine objektive und kompromisslose Bewertung dieser unverantwortlichen Handlungen” vornehmen, erklärte die Sprecherin des Außenministeriums in Moskau, Maria Sacharowa, am Samstag im Onlinedienst Telegram. Die Angriffe stellten eine “reale Gefahr für eine Katastrophe” im gesamten Nahen Osten dar und “zielten offensichtlich darauf ab, den Frieden, die Stabilität und die Sicherheit in der Region” zu untergraben, kritisierte Sacharowa.
Israels Verteidigungsminister: Verstärkung der Iran-Angriffe
Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz kündigte indes am Samstag für die kommenden Tage eine weitere Verstärkung der Angriffe Israels und der USA im Iran an. Ziele seien dabei die iranische Führung und die Infrastruktur, auf die sie sich stütze, sagte Katz nach Angaben seines Büros nach einer Beratung mit ranghohen Militärs im Armeehauptquartier in Tel Aviv.
“In dieser Woche wird die Intensität der Angriffe (…) deutlich zunehmen”, sagte er. In Israel beginnt die neue Woche jeweils sonntags. Man sei entschlossen, den Kampf gegen den iranischen Machtapparat fortzusetzen, “seine Kommandeure zu enthaupten und seine strategischen Fähigkeiten zu zerstören – bis jede Sicherheitsbedrohung für den Staat Israel und die Interessen der USA in der Region beseitigt ist”, sagte Katz.
Iranische Revolutionsgarden kündigen neue Strategien an
Drei Wochen nach Kriegsbeginn zeigt sich der Iran weiterhin kämpferisch. Nach Angaben der staatlichen Rundfunkagentur Iribnews erklärte der Geheimdienst der Revolutionsgarden, man habe die “verwundbaren Punkte des Feindes” analysiert und bereite eine neue Angriffswelle “mit neuen Strategien und moderneren Systemen” vor. Die Garden erneuerten ihre Drohung mit Vergeltung für Angriffe auf die Infrastruktur des Landes.
Ali-Akbar Velayati, der außenpolitische Berater des obersten Führers, sagte laut der Nachrichtenagentur Isna, Washington und Tel Aviv redeten “so sehr von Sieg, als wollten sie sich selbst davon überzeugen”. Die Welt werde “nach dieser Krise” eine andere sein – “multipolar und mit dem Iran als Hauptachse des islamischen Pols”. In einer im Fernsehen verlesenen Rede zum persischen Neujahr, die dem neuen Revolutionsführer Mojtaba Khamenei zugeschrieben wird, hieß es außerdem, der Feind sei gebrochen und der endgültige Sieg nahe.
Dagegen stehen die USA laut Präsident Donald Trump kurz davor, die eigenen Kriegsziele zu erreichen. Medien zitierten ihn am Freitag mit den Worten: “Ich will keinen Waffenstillstand. Man schließt keinen Waffenstillstand, wenn man die andere Seite buchstäblich auslöscht”.
USA: Angriffe haben Irans Einsatzfähigkeiten in Straße von Hormuz “eingeschränkt”
Die iranischen Fähigkeiten für bewaffnete Einsätze in der Straße von Hormus sollen nach Angaben der US-Armee durch neue Angriffe auf den Iran “eingeschränkt” worden sein. Angegriffen worden sei eine unterirdische Anlage im Iran, wo Marschflugkörper und andere Waffen gelagert worden seien, teilte der Befehlshaber des für den Nahen Osten zuständigen US-Militärkommandos Centcom, Admiral Brad Cooper, am Samstag mit. Auf die Anlage seien mehrere 5.000-Pfund-Bomben abgeworfen worden.
Ferner seien auch “Geheimdienststandorte und Raketenradarstationen” zerstört worden, die zur Überwachung von Schiffsbewegungen genutzt worden seien, sagte Cooper in einem im Onlinedienst X veröffentlichten Video. “Die Fähigkeit des Iran, die Freiheit der Schifffahrt in und um die Straße von Hormuz zu gefährden, ist dadurch eingeschränkt.” Der Admiral fügte hinzu, die US-Armee werde nicht aufhören, das Ziel der freien Schifffahrt in dem Gebiet zu verfolgen.
Irak: Offizier bei Angriff auf Geheimdienst-Gelände getötet
Bei einem Angriff auf das Gelände des Nationalen Nachrichtendienstes in der irakischen Hauptstadt Bagdad wurde indes ein Offizier getötet. Der Geheimdienst sprach von einem “terroristischen Angriff, der von gesetzlosen Gruppen verübt wurde.” Zunächst war unklar, wer für den Angriff verantwortlich war.
Dieser wurde als Versuch gewertet, den Nachrichtendienst von seiner Arbeit abzuhalten, wie es hieß. Die Behörde betonte, man werde die Täter verfolgen, festnehmen und der Justiz überstellen.
Zuvor hatte die irakische Nachrichtenagentur INA berichtet, dass eine Drohne auf dem Gelände des Hauptquartiers des Geheimdienstes im Stadtteil Mansour in Bagdad abgestürzt sei. Ob es einen Zusammenhang zum Iran-Krieg gibt, vor dessen Hintergrund es im Irak wiederholt zu Angriffen proiranischer Milizen kam, ist unklar.
Auch Bahrain wurde erneut zum Ziel von Raketengriffen. In der Hauptstadt Manama waren am Samstag mehrere Explosionen zu hören, wie ein Journalist berichtete. Zwei Raketen wurden von der Luftabwehr abgefangen.




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