Von: APA/dpa
Die Ukraine hat am Mittwoch ihre Schläge gegen den russischen Ölsektor fortgesetzt. In den Raffinerien von Saratow an der Wolga und Nischnekamsk in Tatarstan tief im Hinterland brachen Brände aus, wie ukrainische und russische Telegramkanäle berichteten. Das ukrainische Militär griff zudem neun Tanker der russischen Schattenflotte im Asowschen Meer mit Drohnen an, womit die Gesamtzahl der in den vergangenen 72 Stunden angegriffenen Schiffe auf 19 stieg.
In Saratow knapp 800 Kilometer von der Ukraine entfernt wurde nach Angaben von Gouverneur Roman Bussargin ein Mann getötet. Er bestätigte ansonsten nur Schäden an der zivilen Infrastruktur. Nischnekamsk liegt etwa 1.200 Kilometer von ukrainischem Gebiet entfernt. Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte mit, bis in der Früh seien über russischem Gebiet 415 feindliche Drohnen abgefangen worden. Solche Zahlen sind nicht unabhängig überprüfbar, sie deuten aber auf einen großen Angriff hin. Ein Brand wurde auch von einem Militärflugplatz im Gebiet Woronesch südlich von Moskau gemeldet.
Die Ukraine wehrt sich seit mehr als vier Jahren gegen eine großangelegte russische Invasion. Ihre Gegenangriffe auf die russische Ölindustrie haben bereits eine Treibstoffkrise in vielen Regionen verursacht. Mit den Angriffen auf Öltanker versucht die Ukraine zudem, die von Russland vor zwölf Jahren annektierte Halbinsel Krim zu isolieren. Auch dort gibt es eine massive Treibstoffkrise, und die Krim kann über den nach der Invasion im Jahr 2022 von Russland eroberten Landkorridor am Schwarzen Meer kaum mehr versorgt werden.
Heftige Kämpfe in der Südostukraine
Indes dauerten auch die Kämpfe an der Front im Südosten der Ukraine in unverminderter Heftigkeit an. Der Generalstab der ukrainischen Streitkräfte sprach am Dienstag in seinem abendlichen Lagebericht von insgesamt 219 bewaffneten Zusammenstößen an verschiedenen Frontabschnitten. Schwerpunkt der Kämpfe lag bei Pokrowsk im Industrierevier Donbass, wo die russischen Streitkräfte nach Darstellung der Generalität in Kiew über 40 Angriffe gegen ukrainische Stellungen führten.
Russland setzte unterdessen auch seine Angriffe gegen zivile Ziele in der Ukraine fort. Kurz nach Mitternacht Ortszeit wurde die Hauptstadt Kiew von ballistischen Raketen getroffen. Im Zentrum der Dreimillionenstadt war Brandgeruch spürbar, wie ein Reporter berichtete. Bürgermeister Vitali Klitschko informierte bei Telegram über mehrere Brände in zwei Stadtteilen. Der Luftalarm wurde erst mit Verzögerung nach den ersten Explosionen ausgelöst.
Attacken auch auf Odessa und Charkiw
Bei einem Raketenangriff auf die südukrainische Hafenstadt Odessa wurden nach Angaben des regionalen Militärverwalters Oleh Kiper sechs Menschen verletzt. Explosionen nach russischen Angriffen wurden auch aus der ostukrainischen Großstadt Charkiw ohne weitere Details gemeldet.
Russland führt seit über vier Jahren einen Offensivkrieg gegen die Ukraine. Bisher haben die russischen Streitkräfte knapp ein Fünftel des Territoriums des Nachbarlandes besetzt. Seit Monaten gibt es an den Fronten kaum Bewegung, Russland hat mit hohen Verlusten an Personal nur geringe Erfolge vorzuweisen. Zuletzt haben die russischen Streitkräfte ihre Angriffe gegen zivile Ziele in ukrainischen Städten verstärkt.




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