Ein Kommentar von Brigitte Foppa

“Notdienst – Und die Eltern strappeln weiter”

Donnerstag, 14. Mai 2020 | 18:47 Uhr

Bozen – “Es ist absurd. Familien bangen um die Zukunft ihrer Arbeit, weil sie nicht wissen, wie sie mit der Kinderbetreuung tun sollen. Pädagogisches Personal harrt der Dinge, die kommen mögen, während derweil ihre gewerkschaftliche Vertretung von den Landeräten gestriegelt wird. Die Vorschläge der Opposition in Sachen Kinderbetreuung werden geflissentlich ignoriert”, meint Brigitte Foppa von den Grünen.

“Am Ende gibt es ein Angebot der „Not“-Betreuung (was für ein hässlicher Ausdruck), zu dem nur die allerschnellsten (1 Tag Anmeldezeit!) und allerallerbedürftigsten (sehr selektive Kriterien) Eltern ihre Kinder anmelden können. Dann gibt es wenig Anmeldungen, worüber man einerseits erleichtert ist, zugleich aber auch ein wenig „Verwunderung“ durchklingen lässt. Ob da nicht doch ein wenig zu viel Wirbel gemacht worden war…?, liest man zwischen den Zeilen”, so Foppa.

“Dass es nicht leicht ist, in kurzer Zeit und unter widrigen Bedingungen einen Betreuungsdienst aufzusetzen, das ist klar und dafür muss Verständnis gezeigt werden. Aber wie in so vielen Dingen hat die Coronakrise nicht wirklich Neues gebracht, sondern vielmehr Dinge, die auch schon vorher nicht gut liefen, bloßgelegt. Dazu gehört der Status, den Kinderbetreuung in der Gesellschaft hatte und hat. Im Wesentlichen ein Ding der Frauen, die gestresst, unterbezahlt, mehrfachbelastet durch den Alltag jetten. Die Coronazeit machte es noch mal klarer, als das Ganze auch noch 24/24 h in den eigenen 4 Wänden aufeinanderprallte – und wahrscheinlich nicht zufällig die Frauen im Elternalter als am meisten psychisch belastete Gruppe aus den Untersuchungen hervorgingen”, fährt Foppa fort.

“Sichtbares Relikt der langjährigen gesellschaftspolitischen Minderbeachtung des Themas Kinderbetreuung ist die Tatsache, dass Home-Office keine Zugangsberechtigung zum „Not“-Dienst darstellte. Ich hatte dazu einen Änderungsantrag im Landesgesetz zum „Sonderweg Südtirols“ vorgelegt, auch er wurde ignoriert. Dabei ist es eine Zumutung, für Kinder und Eltern, wenn Home-Office als familienkompatibel präsentiert wird. Das ist es nämlich nicht, zumindest nicht für die Betroffenen. Wenn der unter diesen Bedingungen angebotene Dienst wenig Zuspruch findet, so verwundert das nicht wirklich. Ich würde mir wünschen, dass die ganze Thematik wertschätzend und planvoll angegangen würde – und gemeinsam (nebenbei: Wir können vielleicht endlich auch sprachgruppenübergreifend denken. Auch das wäre eine Optimierungsmöglichkeit). Das Stiefkind Kinderbetreuung ist jetzt mit voller Wucht auf der Agenda gelandet. Hoffentlich ein Anlass, um endlich einen Entwicklungsschub zu leisten. Dann hätten die Muttertagslobreden und Familienbeschwörungen, vor allem aber das ganze „Gestrapple“ der Eltern am Ende auch einen Nutzen gebracht”, abschließend Brigitte Foppa von den Grünen.

 

Von: ka

Bezirk: Bozen

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