Heimatpflegeverband kritisiert

Olympia 2026: “Verkehrschaos in Antholz zeigt Grenzen der Autopolitik”

Mittwoch, 11. Februar 2026 | 09:53 Uhr

Von: luk

Antholz – Nach dem ersten Olympiawochenende im Antholzer Tal übt der Heimatpflegeverband Südtirol deutliche Kritik an der Verkehrspolitik im Land. Das Verkehrschaos rund um die Biathlonbewerbe sei kein bedauerlicher Einzelfall, sondern die vorhersehbare Folge einer Mobilitätsstrategie, die weiterhin stark auf den Individualverkehr setze.

Zehntausende Besucherinnen und Besucher waren am vergangenen Wochenende zu den Wettkämpfen angereist, viele davon laut Angaben der Organisatoren mit dem eigenen Pkw. Angesichts dieser Belastung sei der Kollaps der Zufahrtsstraße absehbar gewesen, heißt es in der Aussendung. Aus Sicht des Verbandes wurde nicht die Geduld der Gäste überschätzt, sondern die Leistungsfähigkeit des bestehenden Verkehrssystems.

Auch der öffentliche Nahverkehr habe keine ausreichende Entlastung gebracht. Überfüllte Züge, lange Umstiegszeiten sowie Shuttlebusse, die im Stau feststeckten, hätten gezeigt, dass Bahn und Bus in den vergangenen Jahren nicht konsequent genug ausgebaut worden seien. „Wenn bei Großereignissen das Auto immer noch Vorrang hat, wurden verkehrspolitisch die falschen Prioritäten gesetzt“, wird Obfrau Claudia Plaikner zitiert.

Kritisch sieht der Verband zudem die Verteilung der Investitionen im Zusammenhang mit den Olympischen Spielen. Rund 640 Millionen Euro fließen demnach in die Infrastruktur Südtirols, ein erheblicher Teil davon in den Straßenausbau – etwa in Umfahrungen, zusätzliche Fahrspuren und große Kreisverkehre. Eigene Busvorzugsspuren seien hingegen kaum vorgesehen. Das Pustertal bleibe damit weiterhin stark auf den Autoverkehr ausgerichtet.

Die vielfach als olympisches Schlüsselprojekt bezeichnete Riggertalschleife werde nicht aus Olympiageldern, sondern über den staatlichen Wiederaufbauplan PNRR finanziert. Sie sei das Ergebnis langjähriger Forderungen und kein unmittelbares Resultat einer nachhaltigen Olympia-Mobilitätsstrategie. Zudem sei die mehrmonatige Unterbrechung der Bahnlinie während der Bauarbeiten nicht genutzt worden, um die Pustertaler Strecke zumindest abschnittsweise zweigleisig auszubauen.

„Wer enorme Mittel in den Straßenbau lenkt und die Schiene gleichzeitig auf später verschiebt, setzt verkehrspolitisch das falsche Signal“, so Plaikner. „Eine echte Verkehrswende beginnt auf der Schiene und mit verlässlichen Busanschlüssen – nicht mit immer neuen Kapazitäten für Autos.“

Für den Heimatpflegeverband stellt das Olympiaereignis eine verpasste Chance dar. Die Erfahrungen von Antholz müssten nun eine verkehrspolitische Kurskorrektur nach sich ziehen. Gefordert werden konsequente Investitionen in die Bahn sowie verlässliche, eng abgestimmte Busverbindungen. Eine nachhaltige Mobilität entstehe nicht durch zusätzliche Straßenkapazitäten, sondern durch politische Entscheidungen, die den Umstieg auf umweltverträgliche Verkehrsträger tatsächlich ermöglichen.

Bezirk: Pustertal

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