"Menschen, die nicht wegsehen, sondern handeln"

Paul Tschigg mit dem Kiwanis Preis der Menschlichkeit ausgezeichnet

Sonntag, 17. Mai 2026 | 15:37 Uhr

Von: mk

Bozen – Paul Tschigg, Vorsitzender des Vereins Dormizil EO, ist am Freitagabend im Parkhotel Laurin in Bozen mit dem „Kiwanis Preis der Menschlichkeit 2026“ ausgezeichnet worden. Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung wird seit 2002 alle zwei Jahre von den sieben Südtiroler Kiwanis Clubs an Persönlichkeiten oder Institutionen vergeben, die sich in besonderer Weise für Mitmenschlichkeit und humanitäres Handeln einsetzen. In diesem Jahr zeichnete der Kiwanis Club Bozen für die Organisation verantwortlich.

Bereits in ihrer Begrüßung brachte die diesjährige Präsidentin des Clubs, Christine Fuchsberger, die Bedeutung des Abends auf den Punkt: „Kiwanis lebt von Menschen, die nicht wegsehen, sondern handeln. Von Menschen, die Zeit schenken, zuhören, helfen und Hoffnung geben. Der Preis der Menschlichkeit würdigt nicht Ruhm und Erfolg im klassischen Sinn, sondern etwas viel Wertvolleres – Menschlichkeit im Alltag und den Mut, Verantwortung zu übernehmen.“

Durch den Abend führte Zeremonienmeister Anton Ober vom Kiwanis Club Bozen. Er erinnerte an prägende Episoden im Wirken von Paul Tschigg und begrüßte Wegbegleiter Tschiggs sowie die beiden letzten Preisträger Karl Telser und Herbert Alber. Für den musikalischen Rahmen sorgten die Saxladies.

Die Laudatio hielt Alexander Nitz, Geschäftsführer der b*coop Brixen, welche sich für nachhaltige, soziale und ökologische Projekte in Brixen und Umgebung einsetzt. Er beschrieb den Geehrten als einen Menschen, der schon früh nach dem Grundsatz gelebt habe: „Man teilt, was man hat, und man gibt zurück, was einem das Leben gegeben hat.“

Tschigg wuchs in Bozen in einer kinderreichen Familie auf und engagierte sich bereits früh freiwillig beim Weißen Kreuz. Später setzte er sich intensiv für obdachlose Menschen ein. Zunächst als Freiwilliger beim Vinzibus tätig, übernahm er später dessen Koordination. Der Dienst versorgte an drei Abenden pro Woche bis zu 100 Menschen mit Essen.

Zudem war er Mitinitiator des Vinzimarkts, eines Marktprojekts für Menschen ohne festen Wohnsitz.

Im Herbst 2021 gründete er gemeinsam mit Mitstreitern den Verein Dormizil EO. Er bietet obdachlosen Menschen nicht nur ein Dach über dem Kopf und eine warme Dusche, sondern auch ein offenes Ohr und Perspektiven.

Neben einem Nachtquartier für die Wintermonate stellt der Verein heute Wohnungen für 15 ehemals obdachlose Menschen bereit. Sie leben dort selbstständig, zahlen Miete und gestalten ihren Alltag eigenverantwortlich. Finanziert wird das gesamte Projekt ausschließlich durch Spenden.

Besonders hob Nitz in seiner Rede Tschiggs Fähigkeit hervor, andere Menschen für soziale Anliegen zu begeistern: „Paul ist jemand, der vorausgeht – und dafür sorgt, dass andere nachkommen wollen. Nicht durch Appelle, sondern durch Vertrauen.“

Sichtlich gerührt nahm Paul Tschigg die Auszeichnung entgegen und richtete den Fokus sofort auf das gemeinsame Engagement vieler Helfender: „Es geht nur gemeinsam“, sagte er bei der Übergabe des Preises.

Kiwanis ist eine weltweite Serviceorganisation mit dem Leitsatz „Den Kindern dieser Welt dienen“. In Südtirol ist die Organisation mit sieben Clubs vertreten. Die Mitglieder engagieren sich ehrenamtlich für soziale und humanitäre Projekte und stellen dabei bewusst menschliche und geistige Werte über materielle Interessen.

Bezirk: Bozen

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