Ohne zusätzliche Einstufung

Pflegeeinstufung: Demenzdiagnose berechtigt zu Pflegegeld

Freitag, 24. April 2026 | 15:23 Uhr

Von: mk

Bozen – Die Landesregierung hat am 24. April auf Vorschlag von Soziallandesrätin Rosmarie Pamer einen Beschluss gefasst, um die Wartezeiten bei der Pflegeeinstufung weiter abzubauen.

Menschen, die zu Hause oder in einem Seniorenwohnheim, gepflegt werden, haben Anspruch auf das Pflegegeld. Im Jahr 2025 wurden dafür insgesamt über 314,2 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, diese kamen fast 16.000 Menschen zugute, wobei der Großteil zu Hause gepflegt wird. Damit die Wartezeiten, die es derzeit bei der Pflegeeinstufung gibt, weiter abgebaut werden, wurde ein Maßnahmenpaket erarbeitet. Ein wesentlicher Punkt dabei ist ein vereinfachter Zugang zum Pflegegeld für Menschen mit einer Demenzdiagnose. Dies betreffe jährlich rund 1200 bis 1300 Menschen, bei denen laut Daten des Südtiroler Sanitätsbetriebes Demenz diagnostiziert werde.

Den entsprechenden Beschluss hat die Landesregierung am 24. April auf Vorschlag von Soziallandesrätin Rosmarie Pamer gefasst. “Es gibt lange Wartezeiten, je nach Bezirk von vier bis elf Monaten. Allerdings ist der Abbau der langen Wartzeiten etwas, wo die Erfolge nicht von heute auf morgen zu sehen sind. Seit der Erarbeitung des Maßnahmenpakets ist bereits einiges passiert, aber es ist noch ein langer, intensiver Weg, den wir konsequent und mit intensiver Arbeit weitergehen”, hob Landesrätin Pamer bei der Vorstellung des Beschlusses hervor.

“Nachdem bereits in einer der Südtiroler Memorykliniken eine umfassende Bewertung des Gesundheitszustandes erfolgt ist, entfällt damit die Einstufung durch unsere Teams. Für den Antrag auf das Pflegegeld reicht es künftig, das ärztliche Zeugnis der Memoryklinik anzufügen“, erklärte Pasquale Basile, Direktor des Amtes für Pflegeeinstufung.

Diese Regelung gilt auch für bereits eingereichte Anträge, bei denen die Pflegeeinstufung noch nicht durchgeführt wurde und bei denen die Demenzdiagnose nach dem 1. Oktober 2025 attestiert wurde. Außerdem laufen die Bemühungen zusätzliche Einstufungsteams zu besetzen sowie die Pflegeeinstufung vor Ort durch weitere Räumlichkeiten auszubauen. Diesbezüglich war hat Landesrätin Pamer am 23. April die neuen Räumlichkeiten in Neumarkt besichtigt, in denen bereits Pflegeeinstufungen durchgeführt werden.

Soziale Mitte in der SVP: “Schneller Zugang zum Pflegegeld”

Die Soziale Mitte der SVP begrüßt den Schritt, den die Landesregierung auf Vorschlag von Landesrätin Pamer getroffen hat, ausdrücklich. Vorsitzende Gabi Morandell betont: “Diese Entscheidung ist ein wichtiger Schritt hin zu weniger Bürokratie und mehr Menschlichkeit im Pflegesystem. Gerade Familien mit an Demenz erkrankten Angehörigen stehen oft unter enormem Druck. Schnelle und unbürokratische Hilfe ist hier entscheidend.“

Bereits heute gibt es in Südtirol Möglichkeiten einer vereinfachten Einstufung in besonderen Fällen: So kann bei schwerstkranken Menschen bzw. bei weit fortgeschrittenen und nicht mehr reversiblen Krankheitsverläufen, etwa bei terminalen Erkrankungen oder schweren neurologischen Zuständen, eine sogenannte Amtseinstufung aufgrund fortgeschrittener Krankheit erfolgen. Zu dieser bestehenden vereinfachten Einstufung kommt nun auch jene für Menschen mit Demenz hinzu.

Ein Blick auf die aktuellen Zahlen unterstreicht die Bedeutung solcher Maßnahmen: Rund 16.000 pflegebedürftige Menschen werden in Südtirol betreut, davon wurden im Dezember 2025 12.992 Personen zu Hause gepflegt. Die Ausgaben für Pflegeleistungen sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen und liegen 2025 bei über 314 Millionen Euro. Gleichzeitig nimmt der Anteil älterer Menschen kontinuierlich zu. Vor diesem Hintergrund sei eine effiziente und rasche Abwicklung der Pflegeeinstufungen zentral, erklärt die Soziale Mitte in der SVP.

Neben der inhaltlichen Vereinfachung der Einstufung seien auch die geplante Optimierung der Abläufe sowie die Aufstockung des Personals ein entscheidender Schritt. “Zusätzliche Teams und vereinfachte Verwaltungsprozesse tragen dazu bei, die Verfahren zu beschleunigen und die Wartezeiten weiter zu verkürzen. “

Die neue Regelung für Menschen mit Demenz baue auf den bestehenden Möglichkeiten auf und entwickle sie weiter. „Wir unterstützen jede Maßnahme, die dazu beiträgt, die Wartezeiten bei Neueinstufungen zu verkürzen“, so Morandell. „Unser Ziel muss es sein, dass Menschen genau dann Unterstützung erhalten, wenn sie gebraucht wird und nicht erst Monate später.“

Besonders bei bekannten Krankheitsbildern, bei denen keine Verbesserung mehr zu erwarten ist, müsse eine rasche und unbürokratische Einstufung noch weiter ausgebaut werden. „Hier braucht es pragmatische Lösungen im Sinne der Betroffenen“, so Morandell abschließend.

Bezirk: Bozen

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