Jahrbuch der Südtiroler Gesellschaft für Politikwissenschaft

Politika 26: Fokus auf die Gemeinderatswahlen 2025

Donnerstag, 07. Mai 2026 | 11:29 Uhr

Von: mk

Bozen – „Politika“, das Jahrbuch der Südtiroler Gesellschaft für Politikwissenschaft, erscheint dieses Jahr zum 18. Mal. „Die Ausgabe 2026 bietet eine eingehende Analyse der im vergangenen Jahr abgehaltenen Gemeinderatswahlen und der Dynamiken, die die politische Partizipation verändern, wobei auch die laufende Autonomiereform aufmerksam betrachtet wird“, sagte Angelo Gennaccaro, Vizepräsident des Südtiroler Landtages, am heutigen Donnerstagvormittag (7. Mai 2026) bei der Vorstellung des Jahrbuchs im Landtag in Bozen. „Es handelt sich um einen bedeutenden Beitrag zum Verständnis der aktuellen Herausforderungen und zur bewussten Ausrichtung der zukünftigen Entscheidungen unserer Gemeinschaft.“

Die Gemeindewahlen vom Mai 2025 in Südtirol – mit einem Vergleich zum Trentino –, die aus verschiedenen Perspektiven analysiert werden, bilden den ersten Schwerpunkt des Jahrbuchs, erklärten Herausgeber Günther Pallaver, die Herausgeberinnen Elisabeth Alber und Alice Engl sowie die Generalsekretärin von politika, Theresia Morandell.

Der Ehrenvorsitzende von politika, Pallaver, hob hervor, dass im Mittelpunkt der diesjährigen Ausgabe ein grundlegender Widerspruch steht: „Obwohl die Gemeinden die politische Ebene darstellen, die den Bürgerinnen und Bürgern am nächsten ist, ist die Wahlbeteiligung stark rückläufig, und es zeigt sich eine wachsende Distanz zwischen Bevölkerung und Politik.“ Aus der Studie geht hervor, dass die Wahlbeteiligung einen historischen Tiefstand erreicht hat.

„Insgesamt zeigen die Wahlen sowohl Kontinuität als auch leichte Veränderungen“, betonte Morandell: „Die Südtiroler Volkspartei (SVP) bleibt dominant, sieht sich jedoch einer wachsenden Konkurrenz durch Bürgerlisten und rechte Oppositionskräfte gegenüber.“

Die im Jahrbuch enthaltenen Analysen zu den Gemeinderatswahlen zeigen laut Engl, „dass der Frauenanteil in den Gemeinderäten dank der Geschlechterquoten gestiegen ist. Dennoch bestehen weiterhin Ungleichheiten beim Wahlerfolg. Menschen mit Migrationshintergrund sind nach wie vor deutlich unterrepräsentiert, trotz der zunehmenden Vielfalt unter den Kandidatinnen und Kandidaten. Die Verteilung der Sprachgruppen bleibt stabil, doch die Unterrepräsentation der italienischen Sprachgruppe hält an.“ Der Band enthält auch eine Fallstudie zu Bozen und Meran, die unterschiedliche politische Entwicklungen aufzeigt: „In Bozen ist es erstmals einer rechten Koalition gelungen, den Bürgermeister zu stellen, während sich die SVP in Meran re-etablieren konnte“, so Alber.

Ein Blick ins Trentino zeigt ähnliche Tendenzen, wie Morandell darlegte: „Rückgang der Wahlbeteiligung, Schwierigkeiten bei der Entwicklung eines vielfältigen politischen Angebots und Unterschiede zwischen Städten und ländlichen Gebieten. Während sich das Mitte-Links-Lager in den Städten behauptet, ist das Mitte-Rechts-Lager oft zersplittert. Zudem bleibt die Geschlechterparität trotz Fortschritten begrenzt.“

Insgesamt zeichnen die Analysen ein Bild stabiler Machtverhältnisse, das jedoch von einer wachsenden politischen Distanz, begrenzter Inklusion und strukturellen Herausforderungen für die lokale Demokratie begleitet wird.

Eine kritische Bewertung des Jahres 2025, eine erste Analyse der derzeit laufenden Autonomiereform und eine Auswahl von Beiträgen, die auf der Tagung „50 Jahre soziale Autonomie in Südtirol“ vorgestellt wurden, vervollständigen den Band „Politika 2026“, der im Raetia-Verlag erschienen ist.

Bezirk: Bozen

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