Stadtviertelrat fordert Ausdehnung der Maßnahme

Prostitution: Mit Halteverbot nicht zufrieden

Donnerstag, 22. September 2016 | 13:00 Uhr

Bozen – Die Prostitution am Bozner-Boden ist den Anwohnern seit Jahren ein Dorn im Auge. Nun hat Bürgermeister Renzo Caramaschi zwar eine Maßnahme gesetzt, die reicht aber vielen nicht aus.

Das erlassene Halteverbot von der Rittner Seilbahn bis zum Landhaus für Soziales – rund 250 Meter – soll die bewohnten Gebiete vom nächtlichem Treiben entlasten. Die Stadtpolizei spricht auch von ersten Erfolgen.

Weniger zufrieden mit der Maßnahme ist hingegen der Stadtviertelrat Zentrum-Bozner Boden-Rentsch. Der Bereich von 250 Metern sei viel zu kurz. Das horizontale Gewerbe habe sich lediglich verlagert. Das Halteverbot müsse demnach auch in anderen Wohnbereichen getroffen werden, damit mehr Bürger davon profitieren können.

Die Stadtpolizei erwidert hingegen, dass derartige Maßnahmen nicht überall ergriffen werden können, da man sonst viel mehr Streifenwagen bräuchte.

Prostitution: Grüne Frauen verlangen „verantwortungsvolle und moderne Stadtpolitik“

Zum wiederholten Male wird in Südtirol über Prostitution diskutiert. Bürgermeister Renzo Caramaschi hat das Thema aufgeworfen und will dem Phänomen mit Halteverboten und Öffnung von Bordellen beikommen.

Die Grünen Frauen sehen solche Eingriffe als „unbeholfene Versuche“ und schlagen drei alternative Sichtweisen vor, aus denen sich auch andere Handlungsrichtungen ableiten.

„Prostitution ist ein Männerphänomen. Normalerweise stehen die Frauen, die Sex gegen Bezahlung anbieten, im Mittepunkt des öffentlichen und politischen Interesses. Dabei sind die Frauen im gesamten Phänomen Prostitution nur ein kleiner Teil. In Italien stehen die ca. 27.000 weiblichen Prostituierten ca. 2,5 Millionen Kunden gegenüber. Männliche Prostituierte und weibliche Kundinnen sind Randfiguren in diesem Szenario. Es wäre also sinnvoll, den Blick auf die Käufer zu richten. Wir sind gegen Ahndung der Kunden von Prostitution. Die Kundschaft sollte erhoben, analysiert, sichtbar gemacht und vor allem aber darüber informiert werden, wen und was sie beim Sexkauf bezahlen“, so die Grünen Frauen.

„Prostitution als freiwillig gewählter Beruf (wir nennen dies Sexarbeit) ist nur ein winziger Teil des gesamten Phänomens. Für die Sexarbeiterinnen, die ihre Dienstleistung selbstbestimmt anbieten möchten, können wir auch eine Art von Bordell akzeptieren, sofern von den Frauen gewünscht. Internationale Erfahrungen aber zeigen, dass der Straßenstrich dadurch kaum gemindert wird – dabei wird ja gerade dieser allgemein als Problem wahrgenommen. Der übergroße Teil der Prostituierten sind eben nicht freie Sexarbeiterinnen, sondern Sklavinnen, ausgebeutete Frauen, die über Menschenhandel nach Europa gekommen sind und die keineswegs frei über Beruf, Standort, Einkommen entscheiden“, erklären Brigitte Foppa und Evelyn Gruber-Fischnaller von den Grünen Frauen.

„Meistens wird die Sicherheit und Gesundheit der Frauen ins Feld geführt, um die Einführung von Bordellen zu unterstreichen. Wir fordern daher konsequenterweise, dass die Frauen – und zwar Sexarbeiterinnen und Sexsklavinnen in die Diskussion einbezogen werden. Die Bürgermeister, die Vorschläge für eine „sichere Prostitution“ machen, haben die moralische Verpflichtung, von den Bedürfnissen der Frauen auszugehen. Sie sind schließlich die Schwächsten und Schützenswertesten im Gesamtphänomen Prostitution. Vielleicht stünden dann andere Maßnahmen als Halteverbot u.ä. im Blickpunkt, zum Beispiel ginge es eher um sichere Standplätze, Beleuchtung, Toiletten, Beheizung und hygienische Versorgung“, so die Grünen Frauen.

Aus diesen hier nur angerissenen Perspektiven heraus werde deutlich, „wie schräg auch die aktuelle Debatte geführt wird und wie weiterhin die zentralen Punkte des Problems Prostitution umgangen werden“, so die Grünen Frauen. „Verschieben in andere Stadtteile, Wegsperren hinter die Türen eines Bordells – das klingt im ersten Augenblick plausibel. In Wirklichkeit wird damit nichts gelöst, am allerwenigsten ändert sich etwas an der Misere der Frauen. Dabei wäre das die Stelle, an der eine ehrliche, verantwortungsvolle und moderne Stadtpolitik ansetzen sollte“, so Foppa und Fischnaller abschließend.

Von: luk

Bezirk: Bozen