Im Sanitätsbereich und der öffentlichen Verwaltung

Sprachzertifikate: “Umdenken unumgänglich”

Dienstag, 05. Mai 2026 | 15:47 Uhr

Von: luk

Bozen – Der Skandal um gefälschte Sprachzertifikate im Sanitätsbereich sorgt weiter für große Verunsicherung unter der Südtiroler Bevölkerung. Team-K-Abgeordneter und Kenner des Sanitätswesens Franz Ploner fordert in dieser Woche den Landtag zum wiederholten Male kategorisch zum Handeln auf.

“Gefälschte Zweisprachigkeitsnachweise für mehrere tausend Euro auf dem Schwarzmarkt, 25 nachgewiesene Fälschungen, 22 widerrufene Bescheinigungen – so die Eilmeldungen in der Lokalpresse vor einigen Wochen. Berichte über konkrete Fälle aus dem Alltag machten Schlagzeilen: 2022 verlor ein Allgemeinmediziner aus Andrian den Vertrag mit dem Sanitätsbetrieb trotz jahrelanger Berufserfahrung und zufriedener Patienten bei guten Kenntnissen beider Landessprachen. Er bestand die C1-Sprachprüfung nicht. Gleiches droht einem sehr geschätzten Hausarzt in Gossensass, der auch die C1-Prüfung nicht vorlegen konnte. Diese Beispiele zeigen, dass das System das Sprachzertifikat höher bewertet als die Personen, die dahinterstehen. So manche werden aus beruflichen Gründen daher in die Illegalität getrieben”, so Ploner.

Der Vorschlag des Team K orientiere sich an Sprachprüfungsmodellen, die in deutschsprachigen Ländern für ausländische Ärzte und medizinisches Fachpersonal bereits erfolgreich angewandt werden: “B2-Sprachkenntnisse für die Umgangssprache, ergänzt durch eine C1-Prüfung für das akademische Personal im medizinischen Fachbereich. Nur so kann erreicht werden, was wirklich zählt: die Sprachkenntnisse im Fachbereich, welche die erforderliche Konversation mit PatientInnen ermöglicht, um die Anamnese zu erheben, Befunde zu besprechen und Therapiemöglichkeiten aufzuzeigen.”

„Es geht nicht darum, das Sprachniveau in den einzelnen Fachbereichen zu senken“, stellt Franz Ploner klar, „sondern um die Sprachkompetenzen für diese Bereiche so zu gestalten, dass sie praxisorientiert anwendbar sind. Selbst der Gesundheitslandesrat Hubert Messner hebt anerkennend vor, dass Kommunikation in der Muttersprache die primäre Voraussetzung für eine qualitativ hochwertige medizinische Versorgung darstellt. Die derzeit angewandten Sprachprüfungen sind zu starr und zu fachfremd. Sie bedürfen einer grundlegenden, anwenderorientierten Strukturreform. Das Problem verspüren wir seit Jahren täglich, es ist real.“

Paul Köllensperger ergänzt: „Das Recht auf Muttersprache muss erhalten bleiben, aber angesichts überlanger Wartelisten ziehe ich es vor, einen Arzt zu haben, der mit mir auf B2-Niveau sprechen kann, als gar keinen. Die Patienten und viele Ärzte sehen das ähnlich. Auch die KI kann dabei behilflich sein. Wir brauchen Realpolitik.“

Bezirk: Bozen

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