"Virus kennt keine Grenzen"

STF: “Werbekampagne für Corona-App bringt so nichts”

Mittwoch, 15. Juli 2020 | 16:43 Uhr

Bozen – Der Landtagsabgeordnete der Süd-Tiroler Freiheit, Sven Knoll, äußert Bedenken an der geplanten Werbekampagne des Südtiroler Sanitätsbetriebes für die italienische Corona-App. Es sei zu hinterfragen, ob es gerechtfertigt ist, 40.000 Euro für die Anwerbung einer App auszugeben, die keinen Nutzen bringen wird, solange jeder Staat in Europa seine eigene App herausgibt und diese Apps untereinander nicht kommunizieren. “In einem Grenzgebiet und Tourismusland wie Südtirol lassen sich die Kontakte nämlich nicht auf das Staatsgebiet reduzieren, da es im alltäglichen Leben unzählige grenzüberschreitende Kontakte gibt. Eine einheitliche europäische Corona-App wäre die einzig sinnvolle Lösung, die auch von der EU-Kommission eingefordert wird.”

“Das Problem der unterschiedlichen staatlichen Corona-Apps ist, dass diese untereinander nicht kommunizieren und eine grenzüberschreitende Krankmeldung somit nicht erfolgt. Gerade in Südtirol wäre das aber von essentieller Bedeutung, um überhaupt einen Nutzen zu bringen. Sitzt beispielsweise in einem Zug ein Südtiroler, der die italienische Corona-App installiert hat, neben einem Gast aus Deutschland, der die deutsche App installiert hat, wird die andere Person nicht informiert, wenn einer der beiden Personen Kontakt zu einer mit Corona infizierten Person hatte. Theoretisch könnte sich der Gast aus Deutschland zwar während seines Urlaubs die italienische App installieren, beide Apps gleichzeitig funktionieren auf dem Handy aber nicht, sodass die Rückverfolgbarkeit der Kontakte immer nur über die eine oder andere App möglich ist. Damit geht der Nutzen praktisch verloren. Damit die Corona-Apps zudem Sinn machen, müssten mindestens 60 Prozent der Bevölkerung die App installieren. In Italien haben derzeit jedoch noch nicht einmal sieben Prozent der Bevölkerung die App installiert, auch in anderen Ländern sieht es nicht besser aus”, so die Bewegung.

“Die Werbung des Südtiroler Sanitätsbetriebes in die italienische Corona-App wird somit nichts bringen, weil die App insgesamt von zu wenig Menschen genutzt wird und eine grenzüberschreitende Kommunikation der verschiedenen staatlichen Apps nicht funktioniert. Das Land Südtirol sollte sich daher besser für eine europäische App einsetzen, denn das Corona-Virus kennt keine Grenzen”, heißt es abschließend.

Von: luk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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4 Kommentare auf "STF: “Werbekampagne für Corona-App bringt so nichts”"


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Dublin
Dublin
Kinig
23 Tage 19 h

…zumindest eine EU-weite app wäre schon zu machen gewesen…
😆

Neumi
Neumi
Kinig
23 Tage 18 h

Ja, wäre sinnvoller.
Aber in der Corona Krise hat halt jeder Staat sein eigenes Süppchen gekocht, nicht nur, was die vielen verschiedenen Apps angeht.
Problematisch hierbei: Es müsste über das Staatsgebiet hinaus benachrichtigt werden, wenn es einen Infektionsfall gibt.
Und die Privacy-Gesetze – besonders im Gesundheitswesen – unterscheiden sich von Staat zu Staat sehr stark.

Zum Vergleich: In Österreich redet man gerade über eine App, in der sich Getestete über das Ergebnis ihres Corona-Tests informieren können.

Bei uns kriegt man medizinische Befunde nur persönlich, noch nicht mal über gesicherte Email oder ein Online-Portal.

Ars Vivendi
Ars Vivendi
Superredner
23 Tage 15 h

Das ist scheinheilig, Herr Knoll. Oder glauben Sie im Ernst, dass eine EU-weite App von mehr Menschen in Italien heruntergeladen würde ? Bei den Argumenten, die gegen eine italienische App angeführt werden, wie Überwachung und Angst vor der Weitergabe der Daten, ist das meiner Ansicht nach ausgeschlossen. Das ist eine Frage des Vertrauens in den Staat und wie offen dieser das kommuniziert

M_Kofler
M_Kofler
Superredner
23 Tage 2 h

Achso?
ich dachte bei österreich würds uns besser gehen? hatte nicht die Dame Atz-Tammerle die Idee die „Unrechtsgrenze“ kurzfristig nach Salurn zu verlegen?
Fragen über Fragen … Da sollte sich die STF mal selbst überlegen, wie sie sich besser vermarktet.
Nebenbei wird im Hintergrund schon an Schnittstellen zum Austausch von grenzüberschreitenden Daten gearbeitet, das wüsste man, würde man mit den Menschen kommunizieren.

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