Südtirol für junge Leute lebenswerter gestalten – ein Kommentar

Strom muss wieder zum Rinnsal werden

Donnerstag, 23. April 2026 | 01:10 Uhr

Von: ka

Bozen – Was als Rinnsal begonnen hat, ist inzwischen ein Strom: Die Zahl der Südtirolerinnen und Südtiroler mit Wohnsitz im Ausland steigt weiter deutlich an.

Es fällt auf, dass insbesondere junge Leute – darunter viele Paare und junge Familien – auswandern, um im nahen deutschsprachigen Ausland zu studieren oder in die Arbeitswelt einzusteigen, um sich fern der Heimat eine Existenz aufzubauen.

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Die für Südtirols Zukunft verheerenden Zahlen lösten, wie nicht anders zu erwarten, heftige Kontroversen aus. Je nach politischem Credo merkten die einen an, dass Südtirol zu wenig weltoffen sei, während die anderen kritisierten, dass Migranten angeblich „Gratis-Wohnungen” bekämen, während die darbenden jungen Einheimischen das Nachsehen hätten.

APA/APA (dpa)/Roberto Pfeil

Doch derartige Versuche, die Polemik für die eigene politische Agenda zu nutzen, lenken davon ab, dass die Wahrheit viel prosaischer ist: Fast immer zählt der schnöde Mammon, und was man dafür bekommt. Im Vergleich zum nahen Ausland sind die Wohn- und Lebenshaltungskosten zu hoch und die Gehälter zu bescheiden. Südtirol kann bei bestem Willen nicht mit den Studien- und Berufsmöglichkeiten von Metropolen wie München oder Wien konkurrieren, hätte aber dennoch genug Gelegenheiten, diese „Flucht” einzudämmen.

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Einige einheimische Unternehmen haben bereits damit begonnen, die Gehälter anzupassen. Da das Land im Wohnbereich weitgehende Zuständigkeiten besitzt, um regulierend in den Markt einzugreifen, kann sich die lokale Politik nicht aus der Verantwortung stehlen. Auch wenn dabei einigen Lobbys auf die Füße getreten werden muss, ist es notwendig, endlich hart gegenzusteuern. Warum schafft das Land keinen günstigen Wohnraum auf den im ganzen Land verteilten Kasernenarealen?

APA/APA/dpa-tmn/Zacharie Scheurer/Zacharie Scheurer

Damit der Strom wieder zu einem Rinnsal wird, müssen die jungen Leute die Macht erhalten, die heute die altbekannten Lobbys innehaben. Ansonsten wird die „Abstimmung mit den Füßen” so lange weitergehen, bis es zu spät ist und Südtirol statt einer vitalen Alpenregion einem beschaulichen Altersheim für Gutbetuchte mit folkloristischen Komparsen gleicht.

Es gilt, Südtirol für junge Leute lebenswerter zu gestalten. Das ist eine Mammutaufgabe, aber sie entscheidet letztendlich über die Zukunft unseres Landes!

Bezirk: Bozen

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