Klima, Lohn, Wolf: Eine Demo jagt die nächste – ein Kommentar

Südtirol im Demofieber

Donnerstag, 13. Juni 2019 | 09:34 Uhr

Bozen – Die Südtiroler waren nie ein recht demonstrierfreudiges Völkchen. Nur wenn es wirklich ums Eingemachte ging – wie vor mehr als 60 Jahren in Sigmundskron – kamen Tausende von Landsleuten zusammen, um für eine gerechte Sache lautstark zu protestieren.

Später verflog diese heiße Phase der Landesgeschichte. Oft fand sich kaum mehr als ein trauriges Häuflein Aufrechter, die für ihr Anliegen Transparente in die Luft hielten. Seit einigen Wochen ist aber alles anders. Entweder der Wunsch nach mehr Klimaschutz, nach höheren Löhnen oder nach einem „wolfsfreien Südtirol“ treibt Tausende von Südtirolern erneut auf die Straße.

Die einheimischen Politiker, die in Bozen an den Hebeln der Macht sitzen, glaubten lange, dass Beiträge und Vergünstigungen den Südtirolern die Demonstrierwut ausgetrieben hätten. Lange gaben sich die Landsleute auch selbst damit zufrieden, ihre Wut auf vermeintliche Missstände im Land nur in Foren und sozialen Netzwerken kundzutun. Aber nur Zustimmung von Gleichgesinnten im Netz einzufangen, genügte vielen Einheimischen nicht mehr.

Stnews/luk

Die europaweite Welle mit Greta Thunberg und ihren „Fridays for Future“ erfasste auch das Landl. Tausende von Schülern zogen dem Unterricht eine Demo für ein besseres Klima vor. Zu ihnen gesellten sich bald unzufriedene Landesangestellte und erzürnte Bauern. Die unvorbereiteten Politiker gerieten schnell ins Schwitzen. Die Landesoberen wissen, dass Südtirol mit den selbst gesteckten Klimazielen im Rückstand ist, dass den Wünschen nach mehr Lohn im Landeshaushalt kaum mehr Spielräume gegenüberstehen und dass Wölfe europaweit streng geschützte Wildtiere sind. Damit ist klar, dass viele Wünsche Sehnsüchte bleiben werden, was, oh Graus, bei den Betroffenen noch mehr Zorn erzeugen wird.

Wenn auch nicht alle Wünsche in Erfüllung gehen können, zeigen die Demos aber doch, dass Südtirol eine lebendige Demokratie ist und dass viele Südtiroler mit ihren Protesten auf diese Weise ihre Teilhabe am öffentlichen Leben zeigen.

Von: ka

Bezirk: Bozen

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

7 Kommentare auf "Südtirol im Demofieber"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
Orschgeige
Orschgeige
Universalgelehrter
2 Tage 7 h

Demonstrieren wurde in Südtirol immer mit links verbunden. Jetzt protestieren alle Interessensgruppen und das ist gut so. Nur die Poliker müssen sich noch daran gewöhnen.

Staenkerer
2 Tage 6 h

des konn man heit so nimmer sogn, denn de politiker entscheidn heit onderst: demonsteien se heit für eppas des grod in isch oder protestiert a gruppe de für sie nützlich sein konn sein es gute, also linke, und man mocht mit, protstiert man um eppas, bezw. protestiert a gruppe de nit so von wert isch, seins ei..treter also rechte, und man schimpft!

denkbar
denkbar
Kinig
2 Tage 6 h

@Orschgeige . Das sehe ich auch so.
Südtiroler waren viel zu lange untertänig. Gut wenn sie protestieren, so erfahren die Politiker und die Mitbürger deutlich wo es Unzufriedenheit, Unmut und Frust gibt.
Die Politik braucht das Feedback aus dem Volk und nicht nur jenes der Mächtigen und der Lobbies!

Septimus
Septimus
Superredner
2 Tage 22 h

Was bringen all die Proteste..???…🤔🤔..dass man noch protestieren darf,und nicht mehr,gegen was auch immer…ich organisiere eine Demo gegen die hohe Steuerbelastung..oder doch nicht…bei den Temperaturen gehe ich lieber ins Schwimmbad,🏊Berg ,oder eine Runde mit dem Moto…🏍️🏍️🤪🤪

Savonarola
2 Tage 19 h

es fehlt halt noch eine Antifa-Demo

vfc
vfc
Grünschnabel
2 Tage 6 h

Jetzt gehen dann alle aus der Privatwirtschaft auch noch demonstrieren, das wuerde richtig weh tun……

6079_Smith_W
6079_Smith_W
Universalgelehrter
2 Tage 18 h

Man erinnere sich an die erste Wutbürger-Demo (Politiker-Renten-Skandal) 😀😀😀

Und dann die zweite Wutbürger-Demo 🙁🙁🙁 (interessierte keinen mehr)…

wpDiscuz