Noch kein Ende der Kämpfe absehbar

Pakistan will die Taliban weiter attackieren

Freitag, 27. Februar 2026 | 14:34 Uhr

Von: APA/dpa

Das pakistanische Verteidigungsministerium hat die islamistischen Taliban in Afghanistan aufgefordert, sich von den Extremisten im Nachbarland abzuwenden. Solange dies nicht geschehe, gebe es kein Ende des laufenden pakistanischen Militäreinsatzes. Pakistan habe in der Nacht “effektiv, umgehend und brutal” zugeschlagen, sagte ein Militärsprecher bei einer Pressekonferenz. Islamabad wirft Kabul vor, islamistische Terroristen zu beherbergen, die in Pakistan Anschläge verüben.

Im Gegensatz zum Sprecher der Taliban-Regierung in Kabul, Zabiullah Mujahid, der sich kurz vor der pakistanischen Pressekonferenz äußerte, machte die pakistanische Seite keine Aussagen über einen möglichen Dialog der Konfliktparteien. Mujahid hatte die jüngsten Attacken auf Pakistan verteidigt und im Falle weiterer pakistanischer Angriffe auf Afghanistan mit weiterer Gewalt gedroht. “Wenn sie den Krieg fortführen, haben wir die Kraft, die Einsätze weiterzuführen”, sagte der Sprecher der afghanischen Taliban-Regierung in Kabul. Islamabad habe wiederholt Afghanistan unter Vorwänden angegriffen und dabei Zivilisten getötet.

Damit habe es auch gegen internationales Recht verstoßen. Zugleich betonte er, Afghanistan wolle den Konflikt durch Gespräche beenden. “Wir haben wiederholt eine friedliche Lösung betont und wollen weiterhin, dass das Problem durch Dialog gelöst wird”, sagte Mujahid.

In der Nacht war es nach einer Offensive der Taliban zu Kämpfen zwischen den Nachbarländern gekommen. Bei pakistanischen Gegenschlägen seien 274 Taliban-Kämpfer getötet worden und mehr als 400 verletzt worden, sagte der pakistanische Sprecher. 74 afghanische Stellungen seien zerstört worden, 18 eingenommen. Die afghanische Seite habe unter anderem mit Drohnen und Artilleriefeuer angegriffen.

Alarmbereitschaft auch an Grenze zu Indien

Nach Angaben des Sprechers sind zwölf pakistanische Soldaten bei den Kämpfen getötet und 27 weitere verletzt worden. Die Angaben waren zunächst nicht unabhängig überprüfbar. Der pakistanische Verteidigungsminister Khawaja Muhammad Asif hatte den Konflikt mit dem Nachbarland noch in der Nacht als “offenen Krieg” bezeichnet.

Auch an der Grenze zum Erzfeind Indien seien pakistanische Sicherheitskräfte in Alarmbereitschaft, hieß es. Die Atommächte Indien und Pakistan waren im vergangenen Frühjahr direkt militärisch aneinandergeraten. Pakistan stellt Terrorgruppen, die im Land Anschläge verüben, immer wieder als Stellvertreter seines Erzrivalen Indien dar. Indien wies die Vorwürfe in der Vergangenheit zurück.

Kreml ruft zu Gesprächen auf

Der Kreml zeigte sich angesichts der Kämpfe besorgt und rief zum Dialog auf. “Wir fordern die mit uns befreundeten Länder Afghanistan und Pakistan auf, von einer gefährlichen Konfrontation abzulassen und an den Verhandlungstisch zurückzukehren für eine Beilegung aller Differenzen auf einem politisch-diplomatischen Weg”, sagte die russische Außenministeriumssprecherin Maria Sacharowa. Der ranghohe Diplomat Samir Kabulow sagte der staatlichen russischen Nachrichtenagentur RIA Nowosti zufolge, dass die Frage einer russischen Vermittlung geprüft werden könne, wenn dazu Ersuchen von beiden Seiten eingingen.

Russland hatte im Juli 2025 als erster Staat die Taliban-Regierung in Afghanistan anerkannt, unterhält aber auch offiziell gute Beziehungen zu Pakistan. Kremlsprecher Dmitri Peskow bestätigte russischen Agenturen zufolge, dass ein Besuch des pakistanischen Premierministers Shehbaz Sharif vorbereitet werde. Ein Datum werde der Kreml später nennen.

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