Die Zahl der Trauernden als Gradmesser für Unterstützung des Regimes

Trauerfeiern für Irans Obersten Führer Khamenei begonnen

Samstag, 04. Juli 2026 | 10:30 Uhr

Von: APA/dpa/AFP

Mehr als vier Monate nach seiner Tötung haben am Samstag im Iran unter großen Sicherheitsvorkehrungen die öffentlichen Trauerfeiern für den obersten Führer Ayatollah Ali Khamenei begonnen. Aufnahmen im Staatsfernsehen zeigten den Sarg des Religionsführers aufgebahrt in der Großmoschee Mosalla. Zahlreiche Anhänger strömten bereits seit der Dämmerung zum Veranstaltungsort.

Khameneis Leichnam bleibt zunächst drei Tage in Teheran. Anschließend sind Trauerzeremonien in der Pilgerstadt Qom, dem Zentrum der schiitischen Geistlichkeit im Iran, sowie im Irak geplant. Am Donnerstag soll er im Imam-Reza-Heiligtum seiner Heimatstadt Mashhad beigesetzt werden.

Khamenei war am 28. Februar bei einem gezielten israelischen Luftangriff auf seinen Amtssitz in der iranischen Hauptstadt getötet worden. Anschließend führten Israel und die USA mehr als fünf Wochen Krieg gegen den Iran. Seit Anfang April gilt eine Waffenruhe.

“Tod Amerika”

Tausende Menschen strömten am Samstag zur Mosalla. Viele Trauernde waren schwarz gekleidet, einige trugen rote, schiitische Fahnen als Symbol der Vergeltung. In der Mosalla waren Rufe wie “Tod Amerika” und “Rache, Rache” zu hören. Banner, die an den “Märtyrer” Khamenei erinnern, prägen an diesen Tagen das Stadtbild der Hauptstadt. Die iranischen Behörden rechnen allein in Teheran in den kommenden drei Tagen mit 15 bis 20 Millionen Teilnehmern.

Für Khameneis Anhänger und die iranische Führung ist die Staatstrauer zugleich Abschied und Demonstration politischer Geschlossenheit. Seit Wochen betont die Regierung, den Krieg gegen die militärisch weit überlegenen USA und Israel überstanden zu haben. Die Zukunft über ein mögliches Abkommen zwischen den USA und dem Iran, das den Konflikt dauerhaft lösen soll, ist weiter ungewiss.

Verschärfte Sicherheitsvorkehrungen bei Trauerfeiern

Die Behörden stellen sich auf einen Massenandrang von mehreren Millionen Anhängern ein. Aus Sicherheitsgründen will der Iran von Montag an seinen Luftraum für mehrere Tage sperren. Zehntausende Polizisten und Soldaten sind im Einsatz. Am Samstagmorgen waren in Teheran viele Straßen gesperrt.

Bei Temperaturen von mehr als 30 Grad strömten Tausende Anhänger zum Veranstaltungsort. “Ich bin gekommen, um mich von unserem Führer zu verabschieden”, sagte eine 33-Jährige. “Wir fordern Blutrache, und wir wollen Vergeltung”, sagte sie. Auch Sadegh Bahrami, ein Obstbauer aus der Provinz Lorestan, nahm eine zwölfstündige Anreise auf sich. “Wir sind aus Liebe zu unserem Führer gekommen, um uns ein letztes Mal von ihm zu verabschieden.”

Regierungskritiker und viele Menschen im Iran, die Anfang des Jahres noch gegen den autoritären Kurs der Führung sowie die massive Wirtschaftskrise auf die Straße gegangen waren, betrachten die Feierlichkeiten jedoch mit Gleichgültigkeit und Ablehnung. Tausende Demonstranten waren Mitte Jänner bei Protesten getötet worden. “Warum sollte ich teilnehmen?”, fragte etwa Amir. Khamenei habe nur an seinen Machterhalt gedacht, sagte er.

Generäle zeigen sich seit Kriegsbeginn erstmals wieder öffentlich

Im Hinblick auf den Krieg der USA und Israels warnten Irans Streitkräfte am Freitag vor einer neuen militärischen Eskalation rund um die Staatstrauer. “Jede Fehlkalkulation wird mit einer entschlossenen und noch härteren Antwort als je zuvor beantwortet werden. Einer Antwort, die für immer in ihrer Geschichte der Schande verzeichnet bleiben wird”, hieß es in einer Erklärung der Revolutionsgarden, die iranische Medien verbreiteten.

Die Warnung dürfte auch mit Befürchtungen zusammenhängen, dass hochrangige Vertreter aus Politik und Militär Ziel von Anschlägen werden könnten. Für die Staatsspitze gilt die Teilnahme an den Trauerfeiern als Pflichttermin. Mehrere Generäle zeigten sich bei den Zeremonien erstmals seit Beginn des Kriegs gegen den Iran wieder öffentlich, darunter der neue Kommandant der mächtigen Revolutionsgarden, Ahmad Vahidi, und der Kommandant der Luftstreitkräfte, Majid Mousavi.

Macht im Iran nach Khameneis Tod neu geordnet

Nach Khameneis Tod hat sich auch das Machtgefüge im Iran neu sortiert. Als oberster Führer hatte er in allen wichtigen Fragen das letzte Wort. Regierung und Präsident waren ihm untergeordnet. Der schiitische Ayatollah war zudem die oberste religiöse Autorität der Islamischen Republik. Unter seiner Führung entwickelten sich die Revolutionsgarden zur führenden Streitmacht des Landes und bauten ihren Einfluss in der Region aus. Inzwischen sind vor allem Vertreter der mächtigen Garden in wichtige politische Positionen aufgestiegen.

Khameneis Sohn Mojtaba war eine Woche nach dem Tod seines Vaters Anfang März zum neuen Staatsoberhaupt ernannt worden, trat seitdem jedoch nicht öffentlich auf. Das löste Spekulationen über seinen Gesundheitszustand aus. Von schweren Verletzungen ist die Rede. Das Staatsfernsehen bezeichnete ihn als “Kriegsversehrten”, nannte aber keine weiteren Details. Auch für die Beerdigung in Mashhad ist unklar, ob er erscheinen wird.

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